Rätsel der Geschichte
: Archäologen entschlüsseln erstmals Namen von Maya-Astronomen

Archäologen in Guatemala haben mit der Entschlüsselung von Wandzeichen aus Ruinen der Maya erstmals den vollständigen Namen eines Astronomen und Mathematikers der einstigen Zivilisation ermittelt.
Von
Markus Brauer
Guatemala-Stadt
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Nahaufnahme eines strukturierten alten Maya Kalendersteins mit detaillierten Schnitzereien.

Nahaufnahme eines strukturierten alten Maya Kalendersteins mit detaillierten Schnitzereien.

Imago/Imagebroker
  • Archäologen entziffern in Guatemala erstmals den vollen Namen eines Maya-Astronomen.
  • In San Bartolo-Xultún fanden sie Wandsymbole mit einer vollständigen Formel.
  • Der Autor hieß Sak Tahn Waax – übersetzt „Fuchs mit weißer Brust“.
  • Laut Kulturministerium ist es die einzige Arbeit eines Mathematikers der Maya-Klassik.
  • Über 50 mathematische und astronomische Mikrotexte zeigen Kunst im Alltag der Maya.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was für eine Entdeckung. Endlich ist offenbar, wer sich hinter dem Pseudonym „Fuchs mit weißer Brust“ verbirgt. Archäologen haben in Guatemala mit der Entschlüsselung von Wandzeichen aus Ruinen der Maya erstmals den vollständigen Namen eines Astronomen und Mathematikers der einstigen Maya-Zivilisation ermittelt.

Wandsymbole in San Bartolo-Xultún entschlüsselt

Den Experten sei es gelungen, Wandsymbole der archäologischen Stätte San Bartolo-Xultún zu transkribieren, teilt das Kulturministerium in der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes mit. Die Maya-Stätte stammt aus der Zeit 400 v. Chr. bis 900 n. Chr. und befindet sich in der Nähe der mexikanischen Grenze.

Die Wissenschaftler hätten in Xultún eine „vollständige mathematische und astronomische Formel“ entdeckt, erklärt Kulturminister Luis Méndez. Der Verfasser sei Sak Tahn Waax gewesen, was mit „Fuchs mit weißer Brust“ übersetzt werden könne.

Zeugnis aus der klassischen Maya-Hochphase

Der Minister betont, es handele sich aktuell um die einzige Arbeit, die einem Mathematiker aus der Phase der Maya-Klassik zugeordnet werden könne, die von 250 bis 900 n. Chr. anhielt und als Blütezeit der Zivilisation gilt.

Die Entdeckung sei möglich gemacht worden durch die epigraphische Analyse von mehr als 50 mathematischen und astronomischen Mikrotexten, die auf die Wand geschrieben worden seien, teilt das Kulturministerium weiter mit.

Die Glyphen würden gezeigt „in einem Kontext, in dem Kunst verflochten wurde mit Wissenschaft, Mathematik, Astronomie und dem alltäglichen Leben“, betont Méndez. Glyphen (von griechisch γλυφή / glyphḗ / Eingeritztes) sind grafische Darstellungen eines Schriftzeichens, das die Form von Buchstaben, Silbenzeichen, Logogrammen, Satzzeichen, Sonderzeichen oder Ziffern haben können.

Kalender der Maya

Das Kalendersystem der mesoamerikanischen Maya basiert auf der Beobachtung der Sterne. Die Maya hatten gleich drei verschiedene Kalender, die sie für rituelle, alltägliche und historiografische Zwecke parallel nutzten und die auf einem Zwanzigerstem basierten:

  • Der Tzolkin-Kalender wurde für religiöse Zeremonien und Wahrsagerei genutzt und umfasste 260 Tage.
  • Der zivile Haab-Kalender teilte das Sonnenjahr in 18 Monate mit je 20 Tagen. Hinzu kamen fünf namenlose Tage, so dass Haab 365 Tage umfasste.
  • Der dritte Kalender bestand aus einer sogenannten Langen Zählung. Er diente für astronomische Berechnungen und die Aufzeichnung geschichtlicher Epochen. Die Lange Zählung begann mit einem Tag, der nach dem gregorianischen Kalender dem 13. August 3114 v. Chr. entspricht.

Der Untergang der Maya-Kultur begann gegen 900 n. Chr. mit dem Übergang in die postklassische Periode endete mit der Ankunft der spanischen Eroberer in Mittelamerika zu Beginn des 16. Jahrhunderts. (mit AFP-Agenturmaterial)