Rauchschwaden über dem Vatikan: Schwarz, dunkelgrau, weiß: Was es mit dem Rauch im Konklave auf sich hat

133. Kardinäle wählen in der Sixtinischen Kapelle den 267. Papst. Der zweite und dritte Wahlgang war erfolglos, schwarzer Rauch kommt aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle.
Imago/Ulmer TeamfotoEigentlich warten bei der Papst-Wahl alle auf schwarzen oder weißen Rauch vom Vatikan. Doch über Rom stieg am Mittwoch (7. Mai) plötzlich rosafarbener Rauch auf. Wir erklären, was damit auf sich hatte und welche Rolle die Farbe des Rauchs beim Konklave spielt. Außerdem werfen wir einen Blick hinter die Kulissen der Wahl des 267. Papstes und erklären detailliert den Ablauf dieses komplexen Verfahrens:

Das Konklave im Vatikan
Foto: dpa-InfografikSchwarz und weiß: Welche Bedeutung hat der Rauch?
Die Wahl eines neuen Papstes wird durch weißen Rauch signalisiert, während schwarzer Rauch anzeigt, dass keine Wahl mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zustande gekommen ist.
Dazu wurden entweder die Wahlzettel mit feuchtem Stroh verbrannt oder mit Pech oder Ruß vermischt, so dass sich der Rauch schwarz färbt. Seit dem Konklave 2005 (Wahl Joseph Ratzingers als Benedikt XVI.) wird zur besseren Unterscheidbarkeit ein zweiter, elektrisch betriebener Ofen verwendet.

Seit 1878 ist das Rauchsignal bei fester Bestandteil des Konklaves.
Foto: Stefano Spaziani/Europa Press/dpaZusätzlich wird die Farbwirkung heute durch chemische Zusätze erzeugt: Für schwarzen Rauch werden Kartuschen mit Kaliumperchlorat, Anthracen und Schwefel, für weißen Rauch mit Kaliumchlorat, Lactose und Kolophonium eingesetzt.
Zeitgleich zum weißen Rauch werden bei einer erfolgreichen Papstwahl sämtliche Glocken des Petersdoms geläutet.
Seit wann wird das Rauchsignal verwendet?
Seit 1878 ist das Rauchsignal fester drmaturgischer Bestandteil des Konklaves im Vatikan. Damals wurde am 20. Februar 1878 im dritten Wahlgang Vincenzo Gioacchino Pecci als Papst Leo XIII. gewählt. Er war der Nachfolger des am 7. Februar 1878 gestorbenen Pius IX..
In jüngerer Zeit war die Rauchfärbung nicht immer klar zu deuten. So sorgte während der Wahl von Johannes Paul II. im Jahr 1978 sowie der Wahl von Benedikt XVI. im Jahr 2005 grauer Rauch für Verwirrung.

Überraschung – grauer Rauch: Ist jetzt ein Papst gewählt oder nicht?
Foto: Oliver Weiken/dpaWoher stammt der rosa Rauch?
Rosafarbener Rauch ist in der Dramaturgie der Papstwahl definitiv nicht vorgesehen. Dass am Mittwoch plötzlich rosa Rauch über den Dächern der Heiligen Stadt aufstieg, hatte mit einer Protestaktion zu tun, bei der Aktivistinnen mehr Rechte für Frauen in der katholischen Kirche forderten.
„Während die Welt auf weißen oder schwarzen Rauch warten mag, senden wir rosa Rauch in der Hoffnung, dass die Kirche Frauen eines Tages als Gleichberechtigte willkommen heißt“, sagte Kate McElwee von der Women’s Ordination Conference (WOC), die für die Gleichstellung von Frauen in der katholischen Kirche kämpft.
Frauenorganisation sendet Rauchsignal an die Welt
„Wir senden den Kardinälen die Botschaft, dass sie nicht weiterhin 50 Prozent der katholischen Bevölkerung ignorieren können“, erklärte Aktionsteilnehmerin Miriam Duignan. „Sie können nicht in einen verschlossenen Raum gehen und über die Zukunft der Kirche diskutieren, ohne die Hälfte der Kirche einzubeziehen.“

Auf diesem vom Vatikan via AP zur Verfügung gestellten Bild schließt der Zeremonienmeister des Vatikans, Erzbischof Diego Giovanni Ravelli, die Türen der Sixtinischen Kapelle, womit das Konklave zur Wahl des Nachfolgers des verstorbenen Papstes Franziskus eröffnet ist.
Foto: Uncredited/Vatican Media/AP/dpaFür die Wahl eines neuen Papstes waren am Mittwoch (7. Mai) 133 Kardinäle in die Sixtinische Kapelle in Rom eingezogen. Danach wurde die Tür hinter ihnen verschlossen.
Die Purpurträger werden während des Konklaves von der Öffentlichkeit abgeschnitten. Wenn sie nicht in der Sixtinischen Kapelle wählen, halten sie sich vor allem im Gästehaus Santa Marta auf, wo sie übernachten und essen.
„Die einzigen Frauen, die diese 133 Männer in den nächsten Tagen sehen werden, sind Nonnen, die ihre Zimmer putzen, ihnen Essen servieren und hinter ihnen aufräumen“, kritisierte Duignan.
Wie läuft das Konklave im Vatikan ab?
Die Abstimmung im vatikanischen Konklave erfolgt traditionell in drei Phasen:
Phase 1: Vorstufe

Die päpstlichen Zeremoniäre verteilen je zwei oder drei Stimmzettel an jeden Kardinal.
Foto: Uncredited/Vatican Media/AP/dpa
Phase 2: Wahlgang

Jeder Wähler bringt seinen ausgefüllten Stimmzettel – gemäß der Rangfolge der Kardinäle – mit erhobener Hand zum Altar, spricht die lateinische Eidesformel „Hunc eligens quem Deus eligi voluit“ (Szene aus dem Fiilmdaram „Conclave“ aus dem Jahr 2024).
Foto: Imago/Landmark Media
Anschließend wirft er den Wahlzettel in einer Urne.
Foto: Imago/Landmark Media

Zuletzt werden die Stimmzettel gelocht und mit einer roten Schnur verknotet.
Foto: Imago/Landmark MediaPhase 3: Abschluss

Ist ein Papstnachfolger gewählt werden die Wahlzettel dieses Wahlgangs verbrannt.
Foto: Imago/Landmark Media
Die Mittelloggia des Petersdoms: Kurz nach der Papstwahl zeigt sich der neugewählte Papst auf dem Balkon den Gläubigen.
Foto: Michael Kappeler/dpa
„Habemus papam“
Zum zweiten Mal in Folge wird ein Franzose der Welt den Namen des neuen Papstes verkünden. Es werden wohl die berühmtesten fünf Minuten seiner langen Laufbahn sein. Der französische Kardinal Dominique Mamberti wird das „Habemus papam“ sprechen – also jene Formel, mit der von der Mittelloggia des Petersdoms aus der neue Papst der Weltöffentlichkeit vorgestellt wird.

Karidnal Dominique Mamberti wird als Erster den Namen des neuen papstes verkünden.
Foto: Alessia Giuliani/IPA/ZUMA Press/dpaDas Amt, das den 73-Jährigen dafür bestimmt, ist das des Kardinalprotodiakons. Denn Mamberti war bislang nicht nur Leiter der Apostolischen Signatur, des Obersten Gerichtshofs der katholischen Kirche, und damit – nach dem Papst – der oberste Richter in der katholischen Kirche. Seit 2024 ist er außerdem der dienstälteste Kardinal aus der Klasse der Kardinaldiakone, der noch nicht die Altersgrenze von 80 Jahren überschritten hat.
Info: „Habemus papam“
„Wir haben einen (neuen) Papst“
Wenn ein neuer Papst gewählt ist, hat der dienstälteste Kardinal aus der Klasse der Kardinaldiakone dessen Namen zu verkünden. Das geschieht mit einer weitschweifigen lateinischen Formel. Am bekanntesten sind die beiden zentralen Worte: „Habemus Papam“ – „Wir haben einen (neuen) Papst“.
Konstanzer Konzil
Wenn Verbrieft ist der Ruf seit 600 Jahren. Damals erklang er in Konstanz. 1417 teilten die dort zum Konzil versammelten Bischöfe der Stadt und dem Erdkreis die Wahl Martins V. mit. Seine Erhebung beendete das seit 1378 andauernde Große Abendländische Schisma. Drei miteinander rivalisierende Vorgänger – Johannes XXIII., Gregor XII. und Benedikt XIII. – waren zuvor abgesetzt worden. Die Worte hatten daher einen gewissen Unterton: Wir haben einen einzigen Papst, nicht drei auf einmal.
„Eine große Freude“
Die Einleitung „Annuntio vobis gaudium magnum“ („Ich verkünde euch eine große Freude“) spielt auf die Botschaft des Engels im Weihnachtsevangelium an, der den Hirten die Geburt des Retters Jesus Christus ankündigt (Lukas Kapitel 2,Vers 10). Als dessen Stellvertreter versteht sich der amtierende Papst.
Kardinalprotodiakon
Der aktuelle Kardinalprotodiakon Dominique Mamberti (73) ist erst der 26. Amtsträger, der die berühmten Worte sprechen darf. Während der gut 26-jährigen Regierungszeit Johannes Pauls II. (1978-2005) kamen neun Kardinalprotodiakone nicht zum Zuge. Dafür durften Francesco Maidalchini (1621-1700) und Benedetto Pamphili (1653-1730) jeweils dreimal rufen. Erster dokumentierter Papstkünder war Francesco Sforza (1588-1590).