Schlange beißt Kind im Kroatien-Urlaub
: „Absoluter Notfall“ – So gefährlich ist die Hornotter

Ein vierjähriger Junge ist im Kroatien-Urlaub von einer giftigen Schlange gebissen worden. Wie gefährlich ist die Europäische Hornotter? Wie haben den Reptilienexperten der Wilhelma in Stuttgart gefragt.
Von
Jörg Breithut
Stuttgart
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Europäische Hornotter Vipera ammodytes, auch Sandviper, Hornviper, Sandotter oder Europäische Sandotter, Paar, gähnen, müde, Maul geöffnet, captive, Stuttgart, Baden-Württemberg, Deutschland European horned viper Vipera ammodytes, also sand viper, sand adder or European sand viper, pair, yawning, tired, mouth open, captive, Stuttgart, Baden-Württemberg, Germany Copyright: imageBROKER/MichaelxWeber iblimw16502672.jpg Bitte beachten Sie die gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Urheberrechtes hinsichtlich der Namensnennung des Fotografen im direkten Umfeld der Veröffentlichung

Europäische Hornotter in der Wilhelma in Stuttgart: In Kroatien ist ein vierjähriger Junge von der Schlange gebissen worden - eines der giftigsten Tiere in Europa.

IMAGO/imagebroker
  • In Istrien biss eine Hornotter einen vierjährigen Urlauber auf einem Campingplatz.
  • Das Kind kam auf die Kinder-Intensivstation, erhielt Gegengift und ist stabil.
  • Experte: Bisse sind bei Kindern absoluter Notfall – sofort ins Krankenhaus bringen.
  • Hornotter ist sehr giftig, doch Angriffe sind selten, da sie meist flieht.
  • Nach Biss ruhig bleiben, betroffene Stelle schienen und kein Gift aussaugen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Schock im Kroatien-Urlaub: Ein vierjähriger Junge ist auf einem Campingplatz in der beliebten Ferienregion Istrien von einer Schlange gebissen worden. Er musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Das berichtet unter anderem das kroatische Nachrichtenportal „Fiuman“. Dem Bericht zufolge hatte sich der Vorfall bereits am Freitag ereignet. Der Junge sei in eine Klinik gebracht und auf der Kinder-Intensivstation behandelt worden.

Der Vierjährige aus Österreich spielte laut dem Bericht im Freien und hob einen Stein auf. Dadurch habe er die Schlange aufgeschreckt, die daraufhin zubiss. Der Zustand des Kindes sei stabil, heißt es in einer Mitteilung des Klinischen Krankenhauszentrums Rijeka. Dem Vierjährigen sei ein Gegengift verabreicht worden. Er werde weiterhin stationär behandelt und überwacht.

Reptilienexperte Götz: „Das ist ein absoluter Notfall“

Bei der Schlange handelte es sich Medienberichten zufolge um eine Europäische Hornotter, auch Sandviper genannt. „Die Hornotter ist neben der Kreuzotter die giftigste Schlange in Europa“, sagt Matthias Götz von der Wilhelma in Stuttgart. „Das Gift wird oft in einer hohen Dosis injiziert.“ Allerdings lasse sich nicht pauschal sagen, wie gefährlich ein Biss ausfällt. „Je größer die Bedrohung scheint, desto mehr Gift wird gespritzt“, sagt der Reptilienexperte im Gespräch mit unserer Redaktion. Wenn die Schlange gerade erst gefressen hat, ist die Giftmenge meist geringer.

Das Nervengift kann Lähmungen hervorrufen und das Gewebe schädigen. Die Symptome sind unter anderem Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und Erbrechen. Bei Kindern, älteren Personen und Menschen mit Vorerkrankungen kann der Biss auch zum Tod führen, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird.

Klar ist: Wenn ein Kind gebissen wird von einer Hornotter, dann müssen Eltern schnell reagieren. „Das ist ein absoluter Notfall“, sagt Götz. „Kinder müssen sofort ins Krankenhaus gebracht werden.“ Das liegt unter anderem daran, dass deren Körpermasse geringer sei und das Gift stärker wirke. Die Krankenhäuser in den kroatischen Urlaubsgebieten seien auf Schlangenbisse aber gut vorbereitet. Wenn ein Gegengift verabreicht werde, sei ein Biss in der Regel nicht lebensgefährlich. Das Antiserum wird unter anderem aus Blut von Pferden gewonnen, die mit Gift infiziert wurden, das in Schlangeninstituten gemolken wird.

Der 53-jährige Matthias Götz ist gebürtiger Stuttgarter und freut sich über seine neuen Aufgaben in der Wilhelma, für ein ein „Glückstreffer“. Er will auf Bestehendem aufbauen.

Reptilienexperte Matthias Götz: „Kinder müssen sofort ins Krankenhaus gebracht werden.“

Iris Frey

Das Risiko für Touristen ist aber gering, von einer Hornotter gebissen zu werden. „Die Schlange verzieht sich normalerweise sehr schnell“, sagt Götz. „Man muss das Tier schon in die Ecke treiben, überraschen oder drauftreten, um einen Biss zu riskieren.“ Es helfe, sich durch Vibrationen bemerkbar zu machen, indem man stark auftritt und die Reptilien damit rechtzeitig warnt.

Wenn man vom Weg abweiche, sollte man nicht achtlos Steine oder Äste vom Boden aufheben und beim Klettern an Steinhängen aufpassen, wohin man greift. Eltern sollten ihren Kindern klar machen, dass es diese Schlangen gibt – und beispielsweise Gummistiefel als Bissschutz anziehen, sagt der Tierexperte.

Was tun, wenn man gebissen wird?

Nach einem Schlangenbiss sollte man sich möglichst wenig bewegen. „Eltern sollten ihre Kinder tragen, damit der Kreislauf ruhig bleibt“, sagt Götz. Ansonsten breite sich das Gift schneller aus. Das betroffene Körperteil sollte man ruhig stellen und schienen. „Auf keinen Fall sollte man die Bisswunde einschneiden oder abbinden“, rät der Kurator des Wilhelma-Terrariums. „Außerdem ist es gar keine gute Idee, das Gift auszusaugen.“ Wer Gift im Mund hat, riskiere, sich selbst zu vergiften. Da reiche schon eine winzige Wunde.

Um Ärztinnen und Ärzten die Bestimmung der Schlangenart zu vereinfachen, ist ein Foto des Tiers hilfreich. Die Hornotter ist aber auch an Merkmalen wie einem Zickzackband auf dem Rücken und der Namensgebenden Ausstülpung an der Schnauze gut zu erkennen. Sie kommt auch im Süden Österreichs und Italien vor.