Schönlinge unter sich: Kalender der Pin-up-Priester: Sexy Geistlicher bekommt Konkurrenz

Vom „Calendario Romano“ - einem Kalender mit nicht unbedingt echten Priestern - lächelt erstmals ein neuer Mann mit Katze auf dem Arm.
Christoph Sator/dpa- „Calendario Romano“ zeigt erstmals seit Jahren einen neuen Titelmann mit Katze im Arm.
- Der langjährige Fake-Priester Giovanni Galizia prägte das Cover seit 2004.
- Viele abgebildete Priester sind keine Geistlichen, was später bestätigt wurde.
- Ein weiterer Kalender – „Calendario Gregoriano“ – bietet ähnliche Motive.
- Online erreichen Geistliche große Reichweiten, teils mit modernem Image.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Sommer in Rom: Es ist wieder Brunftzeit in der Ewigen Stadt. Nicht nur auf den Straßen, wo die „cavalleri gentiluomo“, „rubacuori“ (Herzensbrecher) und „maschilista“ (chauvinistischer Männer) wieder wie aufgeplusterte Gockel umherstolzieren und den Hennen hinterherjagen.
Auch die Auslagen in den Souvenier Shops bringen die Herzen der Damen- (und nicht minder) und Herrenwelt in Wallung. Göttergleiche Adonisse strahlen in Schwarz-Weiß vom „Calendario Romano“ - dem Römischen Kalender, der der bei Touristen heiß begehrt ist.
Nun ist das Unfassbare geschehen: Italiens bekanntester falscher Priester bekommt nach mehr als 20 Jahren Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Der Flugbegleiter Giovanni Galizia (39) lächelt bereits seit dem Jahr 2004 als Fake-Geistlicher vom Titelblatt des „Calendario“. Auch im neuen Kalender für 2027, der jetzt schon in den Souvenirgeschäften hängt und nach zahlungsfreudiger Kundschaft lechzt.

Giovanni Galizia (li.) zupft sich in einer TV-Sendung im Jahr 2024 den Priesterkragen zurecht. Als Fake-Padre hat der Flugbegleiter zu beachtlichem Ruhm gebracht.
Imago/ABACAPRESSBrünett und adrett rasiert vs blond und Dreitagebart
Der Sizilianer mit Kurzhaarschnitt in einem Teil der Auflage erstmals von einem etwas moderneren Kollegen verdrängt: Der neue Mann in Schwarz hat blonde Locken, Drei-Tage-Bart und hält eine Katze im Arm.
Über die Identität des neuen Titelmanns schweigt sich der Hersteller des Kalenders, der Aima-Verlag aus Rom, aus. Auch darüber, ob er tatsächlich ein Geistlicher ist. So war das viele Jahre lang auch bei Galizia, obwohl der Italiener an so gut wie allen Kiosken und Souvenirgeschäften in der Nähe des Vatikans von den Auslagen herunter lächelt.
Die Kalender mit Monat für Monat einem anderen attraktiven Mann in Schwarz werden vor allem von Touristen gekauft. Vor einigen Jahren bestätigte sich, was viele vermutet hatten: Dass die meisten vermeintlichen Priester in Wahrheit keine sind.

Der neue Mann in Schwarz hat blonde Locken, Drei-Tage-Bart und hält eine Katze im Arm.
Christoph Sator/dpaVermeintlicher Priester in Wahrheit ein Steward
Galizia arbeitet heute als Steward bei einer spanischen Billig-Fluglinie. Als die Aufnahme in Siziliens Hauptstadt Palermo entstand, war er erst 17 Jahre alt. Sein Lächeln erklärte er kürzlich in der Tageszeitung „La Repubblica“ so: „Es war das Lächeln eines verlegenen Kindes. Denn ich sah, wie alle meine Freunde rundum laut gelacht haben, weil ich wie ein Priester angezogen war.“
In Rom ist das Werk als Kalender der „Preti Pin-Up“ („Pin-Up-Priester“) bekannt. Der Preis beträgt in der Regel weniger als zehn Euro. Seit vergangenem Jahr ist zudem ein ähnlicher Kalender auf dem Markt, der „Calendario Gregoriano“ - ebenfalls mit zwölf attraktiven, aber nicht unbedingt echten Geistlichen.
Bodybuilder-Priester und Popkultur
Während die Zahl der Kirchenmitglieder in Europa sinkt, sorgt ausgerechnet das Digitale für neue Aufmerksamkeit. Geistliche erreichen online mehr Follower, als in ihre Kirchen passen würden. Manche treten dabei mit ungewöhnlichem Image auf: Giuseppe Fusari aus Brescia etwa, muskulös und tätowiert, wird als „Bodybuilder“-Priester bekannt. Oder der anglikanische Pfarrer Chris Lee, der im Netz Hunderttausende erreicht.
Don Cosimo Schena aus Brindisi hat sogar mehr als eine Million Follower in den sozialen Medien. Man könnte sagen, dass Jesus der erste Influencer war, sagt der 48-Jährige. Schena studierte Informatik, war verlobt und entschied sich für das zölibatere Leben. Im Netz ist er als „Dichter der Liebe Gottes“ bekannt.
Im katholischen Italien begann die „sexy Priester“-Welle im Jahr 2004 mit dem „Calendario Romano“. Als augenzwinkerndes Souvenir zeigte er Bilder junger Männer im Priesterkragen, ob sie nun wirklich Geistliche waren oder nicht. Später griff die Popkultur das Bild auf: In der Serie „Fleabag“ etwa kämpfte ein attraktiver Priester (Schauspieler Andrew Scott) mit den Widersprüchen zwischen Glauben und Romanze.
In „The Young Pope“ (“Der junge Papst“) verkörperte Jude Law Pius XIII. – geheimnisvoll, charismatisch, sehr jung aber mit konservativer Botschaft.
Gen-Z entdeckt den Glauben neu?
Ähnlich ist es auch online: Die Verpackung mag modern erscheinen, dahinter steht oft etwas Konservatives. Das kritisiert auch Pfarrer Schena: Es gebe zu viele Konservative im Netz. „Man darf weder zu konservativ noch zu revolutionär sein“, erklärt er. „Ein Mittelweg ist das, was die heutige Zeit erfordert.“
Auch jenseits von Social Media gibt es Anzeichen neuer Dynamik: Studien deuten auf wachsendes religiöses Interesse unter Jugendlichen hin. Sei es aus Nostalgie, Sehnsucht nach Gemeinschaft oder als Reaktion auf Einsamkeit.
„Die Krankheit dieses Jahrhunderts ist wirklich die Einsamkeit“, betont il sacerdote Schena. „Wir sollten einander mehr zuhören, denn nur so können wir die Geschichte verändern.“ (mit dpa-Agenturmaterial)
