Sex im Tierreich
: Lüsterne Löwen, prüde Pandas?

Die einen treiben es wild, die anderen nur äußerst selten. Sex im Tierreich ist zudem reich an bizarren Praktiken. Nur warum verschmelzen Tiefsee-Anglerfische miteinander – und haben Schweine wirklich 30-minütige Orgasmen? Wir haben nachgefragt.
Von
Simon Rilling
Stuttgart
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  • Ist die Löwin rollig, gibt es für das Männchen kein Halten mehr.

    imago/imagebroker/imageBROKER/Thomas Dressler
  • Es ist nicht, wonach es aussieht: Yuan Yuan (vorne) und Tuan Tuan (hinten) beim Spielen im Zoo von Taipei (Taiwan). Erst nach vier Jahren und mehreren künstlichen Besamungen brachte Yuan Yuan 2013 einen kleinen Panda zur Welt, im Sommer 2020 folgte ein zweiter.

    dpa/Taipei Zoo
  • Es ist genau das, wonach es aussieht: Zwei Pandabären beim Paarungsversuch in der chinesischen Provinz Sichuan, zusammen mit den Provinzen Gansu und Shaanxi Heimat der Tiere.

    Imago/Ardea
  • 2239 Riesenpandas, davon 1864 in freier Wildbahn, gab es bei der letzten Zählung im Jahr 2014. Hier bemühen sich der 13-jährige Ping Ping (links) und das 18-jährige Pandaweibchen Qing Qing 2004 im Zoo von Xi’an (Provinz Shaanxi) um Nachwuchs.

    dpa/ San Shi
  • Maximal 72 Stunden pro Jahr ist ein Panda-Weibchen fruchtbar. Hier versuchen Su Lin und Wu Gang in der Aufzuchtstation in Chengdu ihr Glück. Gegründet wurde die Station 1987 mit sechs Großen Pandas, Ende 2020 waren es 215.

    Imago/China Foto Press
  • Überschaubar königlich: „Panthera leo“ während des Beischlafs im Masai Mara Nationalpark in Kenia.

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  • Ist die Löwin brünstig, besteigt sie der Löwe bis zu 40-mal am Tag – und das tagelang. Hier eine Paarung im Hamburger Tierpark Hagenbeck.

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  • Auch der Akt selbst erinnert eher an ein Karnickel, als an den König der Tiere, wie hier im Serengeti Nationalpark in Tansania.

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  • Das Bild vom lüsternen Löwen ist freilich eine Projektion des Menschen, denn biologisch ergibt die permanente Paarung über Tage hinweg durchaus Sinn.

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  • Schließlich wird der Eisprung der Löwin erst durch den Akt an sich ausgelöst. Im Bild zwei Löwen in Hamburg.

    Imago/Strussfoto
  • Sex auf der Straße: Zwei Löwen im südafrikanischen Teil der Kalahari-Wüste.

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  • Zwei Hängebauchschweine bei der Paarung im Wildpark Poing bei München: Der Eber bietet ein für die Tierwelt durchaus ausgeprägtes Vorspiel.

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  • Dass die Sau einen bis zu 30-minütigen Orgasmus hat, ist laut Experten allerdings ein Ammenmärchen.

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  • Über Tiefsee-Anglerfische ist wenig bekannt, bislang wurden rund 160 Arten entdeckt.

    dpa/State University of New York
  • 2018 gelang es erstmals, ein Video eines lebendes Exemplars zu drehen – in 800 Meter Tiefe, inklusive angedocktem Männchen.

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  • Libellen können sich im Flug paaren.

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  • Weniger bekannt ist dagegen, dass die Männchen der meisten Libellen-Arten vor der Paarung die Spermien der Konkurrenz beseitigen.

    Imago/blickwinkel
  • Experten sprechen vom sogenannten „sperm removal“. Hier ein Paarungsherz der Gemeinen Federlibelle (Platycnemis pennipes).

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Stuttgart - Monogamie ist die Ausnahme, Gewalt die Regel: Wenn sich Tiere paaren, geht es oft ruppig zu. Auch an skurrilen Praktiken mangelt es im Tierreich nicht – zumindest aus menschlicher Sicht, ergibt in der Natur doch meist alles einen Sinn. Doch warum paaren sich Löwen bis zu 40-mal am Tag, Panda-Bären dagegen nur äußerst selten? Und stimmt es, dass der Orgasmus einer Sau 30 Minuten dauert?

Für immer vereint

Schwein gehabt?

Der Orgasmus einer Sau dauert 30 Minuten. Heißt es. „Das ist ein Ammenmärchen“, sagt der Tübinger Diplomagraringenieur und Experte für Schweinehaltung, Rudolf Wiedmann, „vielleicht aber auch eine Wunschvorstellung der Menschen“. Zwar veranstalte der Eber ein ausgeprägtes Vorspiel – etwa im Vergleich zum Bullen, der nach ein oder zwei Stößen bereits fertig sei. Aber der Fortpflanzungsakt dauere nicht länger als zehn Minuten, der Orgasmus selbst vielleicht eine Minute. „30 Minuten wären aus Evolutionsgründen auch viel zu lang. Das muss ja schnell gehen, vielleicht taucht inzwischen irgendein Raubtier auf.“

Alles muss raus!

Das Liebesspiel der Libellen grenzt an Akrobatik. Fast noch verblüffender ist, dass viele Arten vor dem Geschlechtsverkehr die Spermien der Konkurrenz entfernen oder die Weibchen dazu bringen, diese auszuscheiden. Erst dann werden die eigenen Spermien eingeführt. Um die Hinterlassenschaften der Konkurrenz zu beseitigen, verfügen die Männchen über ein spezielles Organ. „Mit Haaren, Borsten und einer Art Spatel. Fast wie ein Schweizer Taschenmesser aufgebaut“, erklärt Klaus Reinhold, Biologe an der Universität Bielefeld. Der Grund für das Verhalten ist simpel: „Die Wahrscheinlichkeit der eigenen Vaterschaft wird erhöht.“

Permanente Paarung

Löwen treiben es wild – und vor allem oft. Ist die Löwin rollig, paaren sich die Tiere bis zu 40-mal am Tag – und das tagelang. Die permanente Paarung soll die Wahrscheinlichkeit der Schwangerschaft erhöhen, denn „der Eisprung wird bei der Löwin erst über einen mehrfach wiederholten Geschlechtsakt ausgelöst“, erklärt Joachim Scholz, Löwen-Experte vom Senkenberg Forschungsinstitut in Frankfurt. „Also nicht erst Eisprung und dann ins Bett, sondern erst ins Bett, dann der Eisprung“. Je öfter eine Paarung stattfinde, desto höher und länger anhaltend sei die Hormonausschüttung, die den Eisprung auslöse. Um die Sache zu beschleunigen, „ist das Geschlechtsteil des Löwen mit kleinen Hornzähnchen besetzt, was allerdings der Löwin Schmerzen bereiten kann, weswegen sie nach vollzogener Paarung dem Löwen gerne eine scheuert“. „Für jedes Löwenjunge, das älter als ein Jahr wird, müssen Löwen ungefähr 3000-mal kopulieren“, erklärt Matthias Papies, Kurator am Tierpark Berlin. Auch sorgten die Männchen so dafür, dass sich kein anderer Löwe mit der rolligen Löwin paare.

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Schwierige Partnersuche

Pandas gelten als Sexmuffel. Das Problem ist freilich nicht die fehlende Lust. Panda-Weibchen sind nur 72 Stunden pro Jahr empfängnisbereit. „Eines der Hauptprobleme ist die Zerstückelung geeigneter Lebensräume, dadurch finden die Tiere in den entsprechenden drei Tagen noch schwerer den richtigen Partner“, sagt Katharina Sperling vom Berliner Zoo. Die Reproduktionsrate in menschlicher Obhut sei deutlich besser: „Hier betreibt das Erhaltungszuchtprogramm ja quasi einen Heiratsmarkt und bildet passende Paare, so dass es mit dem Nachwuchs hier besser klappt.“ Um die Chancen auf einen paarungswilligen Partner in der freien Wildbahn zu erhöhen, machten sich Große Pandas lautstark bemerkbar. „Sie rufen sich mit einer Art Meckern oder Blöken“, erklärt Sperling. „Nach der Paarung trennen sich die Wege des kurzzeitigen Pärchens auch direkt wieder.“

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