Gefährliche Weichmacher in Sonnencreme
: Kinder und Jugendliche mit verbotenem Stoff belastet

Das Umweltbundesamt hat in einer Untersuchung bei 92 Prozent von Urinproben von Kindern und Jugendlichen ein gesundheitsgefährdendes Abbauprodukt eines Weichmachers nachgewiesen. Dieses lässt sich auf Sonnencreme zurückführen. Strengere EU-Grenzwerte greifen erst 2027.
Von
David Hahn
Stuttgart
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Das Umweltbundesamt hat die Ergebnisse einer Untersuchung von April bis Juli 2025 zu den Rückständen von Weichmachern in Sonnencreme bei Kindern und Jugendlichen veröffentlicht.

picture alliance/dpa | Annette Riedl

Auch zwei Jahre nach den ersten Funden weist das Umweltbundesamt (UBA) weiterhin eine weitverbreitete Belastung von Kindern und Jugendlichen mit einem fortpflanzungsschädigenden Weichmacher-Abbauprodukt nach. In 92 Prozent der im Frühjahr und Sommer 2025 untersuchten Urinproben wurde der Stoff MnHexP festgestellt. Als Quelle gilt erneut eine Verunreinigung in bestimmten Sonnencremes.

Weichmacher in Sonnencreme: Hohe Nachweisquote in aktuellen Proben

Für die jüngste Analyse untersuchte das UBA 259 Urinproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 17 Jahren. Die Proben wurden zwischen April und Juli 2025 entnommen. Das Ergebnis: In fast allen Proben (92 Prozent) wurde MnHexP nachgewiesen. Der große Anteil belasteter Proben sowie teils hohe Konzentrationen hätten die Fachleute überrascht, erklärte UBA-Präsident Dirk Messner. In zwei Fällen wurde der vom UBA festgelegte Beurteilungswert von 60 Mikrogramm pro Liter Urin deutlich überschritten. Gemessen wurden Konzentrationen von 83 beziehungsweise 107 Mikrogramm pro Liter.

Was ist MnHexP?

MnHexP ist ein Abbauprodukt des Weichmachers Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP). Dieser Stoff gilt als fortpflanzungsschädigend und ist in der Europäischen Union nicht zugelassen. Bereits 2024 hatte das Umweltbundesamt erstmals über belastete Urinproben berichtet. Parallel dazu entdeckte auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima in Nordrhein-Westfalen entsprechende Rückstände bei Kindergartenkindern. Zunächst war unklar, woher die Belastung stammt.

Sonnencreme: Verunreinigung in UV-Filter als Ursache

Inzwischen gilt die Quelle als identifiziert: eine Verunreinigung eines häufig eingesetzten UV-Filters in Sonnencremes. Nach Angaben des Umweltbundesamts kann DnHexP bei der Herstellung des UV-Filters Diethylamino-Hydroxybenzoyl-Hexylbenzoat (DHHB) entstehen. Gelangt der Weichmacher als Nebenprodukt in das Endprodukt, kann er über die Haut aufgenommen werden und später als MnHexP im Urin nachgewiesen werden. Bei Produktuntersuchungen wurde laut UBA deutlich, dass die Konzentration des Weichmachers im DHHB schwankt und auch Sonnencremes mit dem UV-Filter, aber ohne Verunreinigung, am Markt existieren.

Strengere EU-Regeln erst ab 2027

Für Sonnenschutzmittel, die den UV-Filter DHHB enthalten, werden in der Europäischen Union erst ab Januar 2027 strengere Grenzwerte für den maximal zulässigen DnHexP-Gehalt gelten. Bis dahin bleibt die Situation regulatorisch unverändert. Das Umweltbundesamt weist jedoch darauf hin, dass Produkte möglichst frei von solchen Verunreinigungen sein sollten.

Umweltbundesamt: Sonnenschutz bleibt wichtig

Trotz der aktuellen Befunde betont das UBA ausdrücklich, dass die Verwendung von Sonnenschutzmitteln weiterhin essenziell ist, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Sonnenschutz sei ein zentraler Bestandteil der Prävention von Hautkrebs. Die Behörde fordert vor allem eine konsequente Minimierung von Verunreinigungen in der Herstellung.

Gesamtbelastung mit Weichmachern weiterhin hoch

DnHexP ist nach Angaben des Umweltbundesamts nicht der einzige fortpflanzungsschädigende Stoff, dem Menschen ausgesetzt sind. In der letzten UBA-Analyse lag die Gesamtbelastung durch entsprechende Weichmacher bei einem Großteil der untersuchten Kinder und Jugendlichen, insbesondere bei jüngeren Kindern, über der als tolerierbar definierten Aufnahmemenge. Die aktuellen Ergebnisse verdeutlichen damit nicht nur ein einzelnes Problem in der Produktkette, sondern auch die anhaltende Herausforderung durch die kombinierte Exposition gegenüber mehreren Weichmachern. Besonders vor diesem Hintergrund sei es wichtig, vermeidbare Quellen fortpflanzungsschädigender Stoffe zu eliminieren und wichtige Produkte wie Sonnencreme frei von Verunreinigungen zu halten.