Sorge über zu viele Ausländer wächst: Japan verschärft Regeln für Einwanderer

Japan hat zum 01. Oktober die Einwanderungsregeln verschärft.
Rie Kikuchi/Pool AFP/AP/dpaJapan macht es Ausländern schwerer, dauerhaft im Land zu bleiben. Seit dem 1. Oktober gelten deutlich höhere Gebühren für die Permanent Residency. Gleichzeitig hat die Einwanderungsbehörde neue Richtlinien veröffentlicht, die künftig genauer festlegen, wer eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhalten soll.
Die Verschärfung fällt in eine Zeit, in der die wachsende Zahl ausländischer Einwohner in Japan zunehmend kritisch diskutiert wird. Laut der Japan Times gibt es in Teilen der Bevölkerung wachsende Sorge über die Entwicklung. Parallel dazu behandelt auch die Regierung Zuwanderung stärker als gesellschaftspolitische Frage: Bei Entscheidungen über Permanent Residency können unter anderem Bevölkerungsentwicklung, Arbeitskräftebedarf und die Auswirkungen auf die japanische Gesellschaft berücksichtigt werden.
Rund 1.116 Euro statt 56 Euro
Besonders deutlich wird die Verschärfung bei den Gebühren.
Für die Erteilung einer Permanent Residency werden seit dem 1. Oktober 200.000 Yen fällig – rund 1.116 Euro. Zuvor waren es nur 10.000 Yen, also etwa 56 Euro.
Damit steigt die Gebühr auf das Zwanzigfache.
Einkommen wird wichtiger
Auch die finanziellen Anforderungen werden konkreter.
Künftig soll stärker geprüft werden, ob das Einkommen eines Haushalts dauerhaft auf dem Niveau vergleichbarer japanischer Haushalte liegt. Bei Alleinstehenden zählt das eigene Einkommen, bei Familien kann das gemeinsame Haushaltseinkommen berücksichtigt werden.
Eine einheitliche Einkommensgrenze für alle Antragsteller gibt es damit nicht. Dennoch wird die Prüfung deutlich strenger und stärker an messbaren wirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet.
Auch die spätere Rente zählt
Neu ist außerdem, dass nicht nur das aktuelle Einkommen betrachtet wird.
Auch die voraussichtliche finanzielle Lage im Rentenalter soll stärker berücksichtigt werden. Dabei spielen unter anderem bisherige Beitragszeiten, Einkommen und die erwartete spätere Rente eine Rolle.
Das kann vor allem Menschen treffen, die erst spät nach Japan gezogen sind oder nur geringe Rentenansprüche im japanischen System aufgebaut haben.
Japanischkenntnisse werden zum Kriterium
Auch Sprache und Integration bekommen mehr Gewicht.
Die neuen Richtlinien sehen Japanischkenntnisse auf ungefähr B1-Niveau als relevanten Maßstab vor. Gemeint ist ein Niveau, mit dem man sich im Alltag weitgehend selbstständig verständigen kann.
Daneben können auch Kenntnisse über japanische Regeln und gesellschaftliche Systeme sowie bei Familien der Schulbesuch schulpflichtiger Kinder eine Rolle spielen.
Die meisten neuen Regeln greifen ab April 2027
Die Reform wird schrittweise umgesetzt.
Die höheren Gebühren gelten bereits seit 1. Oktober 2026. Die meisten neuen Anforderungen sollen auf Anträge angewendet werden, die ab 1. April 2027 gestellt werden.
Teile der neuen Einkommensprüfung können jedoch bereits laufende Verfahren betreffen.
Japan steckt in einem Widerspruch
Japan steht damit vor einem grundlegenden Problem.
Das Land braucht wegen seiner alternden Bevölkerung und des Arbeitskräftemangels zunehmend ausländische Beschäftigte. Gleichzeitig wächst in Teilen der Bevölkerung die Sorge, dass die Zahl ausländischer Einwohner zu schnell steigt.
