Flut aus dem Nichts: Meteo-Tsunami überschwemmt kroatischen Urlaubsort an der Adria

Mali Lošinj: Es ist Montag, der 20. Juli. Das Wasser kommt wie aus dem Nichts. In seinen gurgelnden Fluten versinken die Cafés und Restaurants an der Uferpromenade , treiben Stühle und Tische davon. Und niemand ist vorbereitet.
Imago/Pond5 Images- Kroatische Adria: In Mali Lošinj überflutete ein Meteo-Tsunami plötzlich die Uferpromenade.
- Cafés und Restaurants standen unter Wasser, Stühle und Tische trieben davon – es herrschte Panik.
- Ursache sind rasche Luftdruckänderungen bei Unwettern, die in Buchten Wellen resonant verstärken.
- Phänomen tritt auch an Nord- und Ostsee auf; Warnungen sind schwierig, Ereignisse dauern oft kurz.
- Forschende erwarten durch Extremwetter mehr Meteo-Tsunamis in Europa, Frühwarnsysteme sollen helfen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Tsunami im Mittelmeer? Oder in der Nord- und Ostsee? Unmöglich? Mitnichten! Die großen Wellen im Hafen - wie das japanische Wort Tsunami übersetzt heißen -, entstehen nicht nur, wenn Erdbeben oder Vulkanausbrüche den Meeresboden erschüttern.
Auf hoher See ist diese Welle gewöhnlich nicht größer als wenige Meter und wird von Schiffen oft gar nicht bemerkt. Ein Grund ist auch der große Abstand zwischen den einzelnen Wellen. Doch in flachen Küstengewässern und engen Buchten läuft die Flutwelle zu enormen Höhen von mehreren Dutzend Metern auf und kann ganze Landstriche verwüsten.
Tiefe Wasserschichten setzen sich in Bewegung
Im Gegensatz zu normalen oberflächlichen Wellen ist ein Tsunami deshalb so gefährlich, weil sich die tiefen Wasserschichten in Bewegung setzen. Die Flutwellen breiten sich rasend schnell mit bis zu 800 Kilometern pro Stunde aus. Sie können so binnen weniger Stunden ganze Ozeane durchqueren.
Das höchste Tsunami-Risiko besteht wegen der großen Aktivität der Erdkruste rings um den Pazifik. Bei der Tsunami-Katastrophe Ende Dezember 2004 in Südostasien kamen mehr als 230.000 Menschen ums Leben. Ein starkes Beben der Stärke 9,0 mit anschließendem Tsunami führte im März 2011 zur Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima.
Dann gilt: Bei Erdbeben in Küstennähe und Tsunamiwarnungen sofort vom Wasser entfernen und sich in höher gelegene Bereiche im Landesinneren begeben. Jeder Höhenmeter zählt und schützt, falls es zu einem Tsunami kommt. Gibt es keine natürlichen Erhöhungen, soll man sich auf die Dächer stabiler mehrstöckiger Stahlbetongebäude retten.
Aber was passiert, wenn man ganz gemütlich in einem kleinen Hafen im Cafe sitzt. Und urplötzlich überschwemmt das Meer ganze Uferbereiche, die kurz davor noch trocken waren, mit meterhohen Wellen. So geschehen im nordkroatischen Adria-Städtchens Mali Lošinj.
Es ist Montag, der 20. Juli. Das Wasser kommt wie aus dem Nichts. In seinen gurgelnden Fluten versinken die Cafés und Restaurants an der Uferpromenade , treiben Stühle und Tische davon. Und niemand ist vorbereitet.
Ein Tsunami an der Adria. Sie hören richtig. An ihrer idyllischen Küste gibt es schnell ansteigende Pegel und Überflutungen in Form sogenannter Meteo-Tsunamis. Šćiga oder Seš nennen Einheimische das Wetterphänomen.
Was war zuvor geschehen? Am frühen Morgen geht ein Unwetter über die Region nieder. Schnell beruhigt sich die Wetterlage wieder. Alles scheint wie immer an einem ganz normalen Sommertag. Doch dann schlägt das Meer zurück.

Mali Lošinj an der kroatischen Adria.
Imago/Pond5 Images„Wir saßen beim Kaffee, als das Meer innerhalb von Sekunden stieg und die gesamte Riva überflutete. Die Menschen flohen, die Gastronomen räumten Tische. Es herrschte Panik“, berichtet ein Augenzeuge gegenüber dem Onlineportal Jutarnji list. Videos der kroatischen Wetterplattform Crometeo zeigen das Ausmaß der Wellen.
Der Meeresspiegel stieg dabei laut Dalmacija Danas um rund 30 Zentimeter an und überflutete Cafés und Restaurants auf der kroatischen Insel in der Kvarner Bucht. Das Wetterereignis dauerte kaum länger als 20 Minuten, dann zog sich das Wasser wieder zurück.
Für die Regionen Gospić, Knin, Rijeka, Split und Dubrovnik sowie für die Westküste Istriens, die Kvarner- und Kvarnerić-Region, den Velebit-Kanal und Norddalmatien gab das Staatliche Hydrometeorologische Institut (DHMZ) eine gelbe Warnung aus.
Bereits am 16. Juli wurde die kroatische Insel Hvar von einem Meteo-Tsunami – also einer einer durch Luftdruck und Wind bedingten Wettererscheinung – heimgesucht.
Warum ist die Adriaküste betroffen?

„Wir saßen beim Kaffee, als das Meer innerhalb von Sekunden stieg und die gesamte Riva überflutete. Die Menschen flohen, die Gastronomen räumten Tische. Es herrschte Panik“, berichtet ein Augenzeuge gegenüber dem Onlineportal Jutarnji list (Archivfoto).
Imago/PanthermediaEin Meteo-Tsunami entsteht nicht wie im Pazifik durch Erdbeben, sondern durch plötzliche Luftdruckveränderungen während starker Unwetter. Der Druckschub erzeugt Meereswellen, die in flachen Buchten und Häfen durch Resonanz stark verstärkt werden kann.
Dass dies immer wieder hat Gründe. Die Adria habe viele Buchten und Häfen, deren Geometrie solche Wellenentwicklungen begünstige, berichtet tportal. Demnach sind die Hafenorte Stari Grad und Vela Luka auf den Inseln Kvar und Korcula in der Region Split im Süden Kroatiens ideal für die Entstehung von Meteo-Tsunamis.
Die Bedingungen für das Entstehen eines Meteo-Tsunamis an der nördlichen Adriaküste waren seit dem Wochenende gut. Starkregen, Hagel und Gewitter hatten ein Wetterchaos verursacht. An der Adria und in Teilen Westkroatiens herrschte am Montagvormittag (20. Juli) unbeständiges Wetter.
Im nördlichen Adriaraum entwickelte sich ein Sturmtief, das Teile Istriens, der Kvarner-Region, Gorski raj, Pula sowie einen kleineren Teil des äußersten Nordens Dalmatiens erfasste.

Ohne Tsunami ist es in dem kroatischen Ferienort malerisch schön.
Imago/Pond5 ImagesŠćiga, Seš„ Rissaga, Seebär
Im Mittelmeer – etwa um, Mallorca – wird dieses Phänomen Rissaga genannt. In Nordeuropa werden sie auch als Seebären bezeichnet. Der Spitzname hat mit den tierischen Vierbeiner nichts zu tun. Das Wort stammt vom norddeutschen „boeren“ (heben).
Meteo-Tsunamis sind nur ein tsunamiähnliches Phänomen, das in flachen Gewässern entsteht und sich an der Küste zu meterhohen Wellen aufbauen kann. Meit ohne größere Schäden zu verursachen. Weltweit sind einige Fälle dokumentiert, in denen an der Küste und in Häfen teilweise Verwüstungen auftraten. Aber das sind Ausnahmen.

Ein Strandwächter warnt Badegäste an der Costa Verde vor einem Tsunami (Archivfoto).
Imago/Newscom / GDAWie entstehen Meteo-Tsumanis?
Wetterforscher gehen davon aus, dass sich rasche Luftdruckveränderungen in der Atmosphäre auf das Meer übertragen und dabei eine Resonanz zwischen den Luftdruckschwankungen und den Meereswellen auslösen.
Nähern sich die dadurch verstärkten Wellen flachen Küstengewässern, können sich Wellen aufbauen, die mitunter meterhoch auflaufen können. Vorhersagen sind schwierig, weil Meteo-Tsumanis sehr plötzlich auftreten. Warnungen können daher kaum ausgegeben werden.
Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach heißt es,, dass sich bei Meteo-Tsunamis die Auslöser wie Gewitter mit ihren spezifischen Böenlinien recht gut vorhersagen lassen. Allerdings müssten „zusätzlich kleinräumige Luftdruck- und Meerespegelschwankungen gemessen werden“.

Tsunami-Warnschild.
Imago/DepositphotosBlick in die Geschichte
En Blick in die Geschichte zeigt, wie relativ häufig das Wetterphänomen ist:
- 1858: Forscher der Universität Kiel fanden heraus, dass die deutschen Inseln Helgoland, Sylt und Wangerooge sowie Küstenabschnitte in Dänemark, in den Niederlanden, Frankreich und England nahezu zeitgleich am 5. Juni 1858 bei windschwachem Wetter von einer riesigen Welle getroffen wurden. An der Nordseeküste zwischen Sylt und dem dänischen Limfjord überschwemmte eine sechs Meter hohe Flutwelle ohne Vorwarnung die Küste.
- 1957: Am 5. Juli 1957 überschwemmte eine Welle Strände und Deichvorlande an der Nordseeküste. Die Badesandbank vor St. Peter-Ording, die sonst nur bei Sturmfluten unter Wasser gerät, wurde innerhalb weniger Minuten völlig überspült.
- 1964: Beim Seebären im Juni 1964 wurde auf der Insel Sylt ein Mensch verletzt.
- 1976: Am 21. Januar 1976 wurde eine schwere Sturmflut auf der Insel Helgoland durch eine Welle erhöht, ebenso am 30. März 2010 im schottischen North Berwick Harbour.
- 2010: Am 30. März 2010 wurde im schottischen Hafen North Berwick eine Sturmflut ebenfalls durch eine weitere Welle deutlich erhöht.
- 2025: Im vergangenen Jahr spülte eine nächtliche Welle zahlreiche Strandkörbe auf Sylt ins Meer.
- 2026: Im Mai dieses Jahres wurden Teile der niederländischen Küste von einer rund 2,5 Meter hohen Flut überrascht. In beiden Fällen gab es keinerlei seismische Aktivitäten unter dem Meeresboden, stattdessen waren spezifische meteorologische Bedingungen ausschlaggebend.

Tsunamis treten plötzlich auf - nicht nur nach Seebeben, sondern auch nach Wetterextremen (Archivfoto).
Imago/Newscom / GDAMit dem Klimawandel kommern mehr Meteo-Tsunamis
Forscher prognostizieren, dass durch den Klimawandel bedingte Extremwetter und rapide Luftdruckänderungen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Meteo-Tsunamis in Europa zukünftig erhöhen könnten.
Das Problem: In engen Buchten können sich die Wassermassen stark aufstauen. Außerdem fließt das Wasser im Vergleich zu normalen Wellen nur sehr langsam wieder ab. Deshalb sei es wichtig, so Experten, die Frühwarnsysteme zu verbessern, um Bewohner und Touristen rechtzeitig zu evakuieren und küstennahe Infrastrukturen zu schützen.
