Standorte kämpfen um Zukunft
: Galeria prüft fünf Filialen in Baden-Württemberg

Freiburg, Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen stehen auf der Prüfliste der Warenhauskette Galeria. Bundesweit sind 33 Filialen betroffen.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Galeria Karstadt Kaufhof - Oldenburg: ARCHIV - 22.02.2023, Niedersachsen, Oldenburg: Ein Logo hängt an einer Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof in der Innenstadt. (zu dpa: «Zwei Galeria-Filialen in Niedersachsen droht das Aus») Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Fünf Galeria-Filialen in Baden-Württemberg droht das Aus. (Symbolbild)

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Für fünf Galeria-Standorte in Baden-Württemberg beginnt eine Phase großer Unsicherheit. Das angeschlagene Warenhausunternehmen überprüft bundesweit 33 seiner derzeit 83 Filialen auf ihre wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit. Im Südwesten betrifft dies die Häuser in Freiburg am Europaplatz, Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen.

Eine Schließung der Standorte ist noch nicht beschlossen. Galeria will zunächst mit den Eigentümern der Immobilien über niedrigere Mieten, veränderte Vertragsbedingungen und kleinere Verkaufsflächen sprechen. Sollten dabei keine wirtschaftlich tragfähigen Lösungen gefunden werden, könnte der Betrieb einzelner Filialen eingestellt werden.

Fünf Innenstädte im Südwesten betroffen

In Baden-Württemberg werden folgende Filialen überprüft:

  • Freiburg
  • Heilbronn
  • Mannheim
  • Offenburg
  • Singen

Wie viele Beschäftigte an den einzelnen Standorten arbeiten, teilte Galeria zunächst nicht mit. Bundesweit beschäftigt die Warenhauskette noch rund 12.000 Menschen. Für die Mitarbeiter der fünf baden-württembergischen Filialen bleibt damit vorerst offen, ob ihre Arbeitsplätze langfristig erhalten werden können.

Miete und Ertragskraft entscheiden

Nach Angaben des Unternehmens wurden die 33 Standorte unter anderem anhand ihrer Mietbelastung und ihrer Ertragskraft ausgewählt. Ziel sei es, sämtliche Warenhäuser dauerhaft profitabel zu betreiben.

Gerade bei großflächigen Innenstadtimmobilien sind die Mietkosten ein entscheidender Faktor. Galeria prüft deshalb nicht nur Preisnachlässe, sondern auch eine Verkleinerung der genutzten Flächen. Denkbar sind zudem Umzüge in passendere Gebäude. Gleichzeitig schließt das Unternehmen nach eigenen Angaben sogar Neueröffnungen an wirtschaftlich attraktiveren Standorten nicht grundsätzlich aus.

Die Überprüfung beschränkt sich nicht auf die 33 besonders gefährdeten Häuser. Auch für die übrigen 50 Filialen will Galeria mit den Vermietern über bessere Konditionen sprechen. Das zeigt, wie groß der wirtschaftliche Druck auf das gesamte Filialnetz weiterhin ist.

Neue Kreditlinie ist an Sanierung gebunden

Galeria hatte sich zuletzt eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro gesichert. Das Geld wird von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereitgestellt. Die Finanzierung ist jedoch an die Umsetzung eines Sanierungsplans gekoppelt, der weitere Filialschließungen ausdrücklich vorsieht.

Mit dem Kapital soll unter anderem ein Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital abgelöst werden. Außerdem will das Unternehmen offene Mietforderungen begleichen. Mehrere Vermieter hatten zuvor erklärt, dass Zahlungen teilweise verspätet, nur anteilig oder gar nicht eingegangen seien.

Galeria verwies in diesem Zusammenhang auf Schwankungen bei der verfügbaren Liquidität. Das Unternehmen bestätigte zudem, Vermieter um eine Stundung von Zahlungen gebeten zu haben.

Dritte Insolvenz innerhalb weniger Jahre

Die aktuelle Standortprüfung ist ein weiterer Einschnitt in der langen Krisengeschichte des Warenhauskonzerns. Anfang 2024 hatte Galeria zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Eine wesentliche Ursache war die finanzielle Schieflage des damaligen Eigentümers Signa.

Nach dem Insolvenzverfahren wurden im Sommer 2024 bereits neun Warenhäuser geschlossen. Anschließend übernahmen die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz den Konzern.

Trotz der neuen Eigentümer und der zusätzlichen Finanzierung bleibt Galeria unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Das klassische Warenhausmodell kämpft seit Jahren mit hohen Kosten, wachsender Konkurrenz durch den Onlinehandel und einem veränderten Einkaufsverhalten.

Diese Filialen werden bundesweit geprüft

Neben den fünf Standorten in Baden-Württemberg stehen 28 weitere Häuser auf der Liste. Betroffen sind unter anderem Filialen in München, Berlin, Hamburg, Köln, Mainz, Münster und Magdeburg.

In Nordrhein-Westfalen werden mit insgesamt acht Häusern besonders viele Standorte überprüft. Auch Berlin ist mit vier Filialen stark betroffen. Insgesamt erstreckt sich die Prüfung auf zwölf Bundesländer.

Ob und wie viele der 33 Warenhäuser tatsächlich schließen müssen, ist derzeit offen. Entscheidend wird sein, ob Galeria und die jeweiligen Vermieter bei Mieten und Flächennutzung zu einer Einigung kommen. Für Freiburg, Heilbronn, Mannheim, Offenburg und Singen dürfte damit in den kommenden Monaten viel auf dem Spiel stehen.