Stiftung Warentest: ChatGPT überzeugt beim Symptomcheck

Mehr als die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer von KI-Chatbots vertraut laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom den Auskünften solcher Systeme in Gesundheitsfragen und zu Krankheitssymptomen.
picture alliance/dpa | Hendrik SchmidtSchmerzen in der Brust, ein Ziehen im Bein oder anhaltende Erschöpfung: Viele Menschen fragen inzwischen zuerst einen KI-Chatbot nach einer möglichen Diagnose. Ein Test der Stiftung Warentest zeigt, welche Systeme hilfreiche Hinweise liefern – und warum Nutzer ihren Antworten dennoch nicht blind vertrauen sollten.
Gesundheitliche Beschwerden werden immer häufiger zuerst mit einer künstlichen Intelligenz besprochen. Chatbots sind rund um die Uhr erreichbar, reagieren innerhalb weniger Sekunden und liefern oft ausführliche Erklärungen. Doch können ChatGPT, Gemini und andere KI-Dienste tatsächlich erkennen, welche Krankheit hinter bestimmten Symptomen steckt?
Die Stiftung Warentest hat fünf weitverbreitete KI-Chatbots getestet. Das Ergebnis fällt gemischt aus: Mehrere Systeme lieferten überwiegend hilfreiche Einschätzungen. Eine ärztliche Diagnose ersetzen sie jedoch nicht. Hinzu kommen erhebliche Bedenken beim Datenschutz.
Diese fünf KI-Chatbots wurden getestet
Untersucht wurden die kostenlosen Standardversionen von:
- ChatGPT
- Gemini
- Claude
- Meta AI
- DeepSeek
Die Chatbots erhielten typische Beschreibungen von fünf unterschiedlichen Erkrankungen. Sie sollten erkennen, ob die Symptome auf einen Bandscheibenvorfall, Angina pectoris, eine Depression, eine Blasenentzündung oder das Restless-Legs-Syndrom hindeuten.
Fachärzte sowie eine Psychotherapeutin bewerteten anschließend, ob die genannten Verdachtsdiagnosen plausibel waren und ob die empfohlenen nächsten Schritte zur jeweiligen Situation passten. Zusätzlich prüfte die Stiftung Warentest, welche Daten die Dienste übertragen.
ChatGPT erkennt im Test alle fünf Krankheitsbilder
Am besten schnitt ChatGPT ab. Der Chatbot ordnete alle fünf beschriebenen Fälle dem richtigen Krankheitsbild zu. Auch die Hinweise zum weiteren Vorgehen wurden von den Fachleuten überwiegend positiv bewertet.
Besonders wichtig: Bei potenziell dringenden Beschwerden empfahl ChatGPT zeitnah medizinische Hilfe. Das ist beispielsweise bei Symptomen entscheidend, die auf eine Herzerkrankung wie Angina pectoris hindeuten können.
Hinter ChatGPT landeten Claude und DeepSeek. Von der Nutzung von DeepSeek raten deutsche Datenschutzbehörden allerdings ab.
Testleiter Dr. Gunnar Schwan betont, dass einige KI-Systeme durchaus nützliche Diagnosevorschläge und Handlungsempfehlungen liefern können. Verbraucher sollten sich dennoch genau überlegen, ob sie persönliche Beschwerden mit einem Chatbot besprechen.
Bei Suizidgedanken reagieren alle Chatbots angemessen
Positiv fiel das Verhalten der Systeme im Testfall Depression auf. Als in der Unterhaltung Suizidgedanken erwähnt wurden, verwiesen alle getesteten Chatbots deutlich auf professionelle Hilfsangebote.
Besonders gut löste Claude diese Situation. Der Dienst zeigte direkt auswählbare Schaltflächen an, über die Nutzer beispielsweise Kontakt zur Telefonseelsorge aufnehmen konnten.
Gerade in psychischen Krisen kann eine schnelle Weiterleitung zu realen Ansprechpartnern hilfreich sein. Auch hier gilt jedoch: Ein KI-Chatbot ist keine Therapie und kein Ersatz für medizinische oder psychologische Unterstützung.
Warum eine richtige KI-Diagnose trotzdem Zufall sein kann
Selbst wenn ein Chatbot im Einzelfall die passende Krankheit nennt, bedeutet das nicht, dass er die medizinischen Zusammenhänge tatsächlich versteht.
Die Systeme berechnen, welche Antwort auf Grundlage ihrer Trainingsdaten und der eingegebenen Wörter wahrscheinlich ist. Sie untersuchen weder den Körper noch können sie Blutwerte, Vorerkrankungen oder andere medizinische Befunde zuverlässig berücksichtigen.
Entscheidend ist außerdem, wie genau Nutzer ihre Symptome beschreiben. Fehlt ein wichtiges Detail, kann sich die Einschätzung der KI vollständig verändern. Auch unklare oder missverständlich formulierte Angaben können zu einer falschen Empfehlung führen.
Besonders riskant wird es, wenn ein Chatbot eine ernste Erkrankung übersieht und dadurch ein notwendiger Arztbesuch hinausgezögert wird.
Keine Gesundheitsdaten ohne genaue Prüfung eingeben
Ein weiteres Problem betrifft den Umgang mit persönlichen Daten. Zwar übermittelten die getesteten Chatbots laut Stiftung Warentest kaum unnötige Informationen an fremde Drittanbieter. Unklar bleibt jedoch häufig, wie die Betreiber selbst die eingegebenen Inhalte speichern und weiterverwenden.
Gesundheitsinformationen gehören zu den sensibelsten persönlichen Daten. Je nach Anbieter können Eingaben auf Servern außerhalb Europas verarbeitet werden, unter anderem in den USA. Dort gelten teilweise andere Datenschutzstandards als in der Europäischen Union.
Bei DeepSeek besteht zusätzlich das Risiko, dass chinesische Behörden auf gespeicherte Daten zugreifen könnten.
Nutzer sollten deshalb möglichst keine Namen, Geburtsdaten, Adressen, Versicherungsnummern oder eindeutig zuordenbare Krankheitsinformationen eingeben. Soweit möglich, empfiehlt es sich, Chatbots ohne Benutzerkonto zu verwenden und Einstellungen zur Speicherung oder Nutzung von Unterhaltungen zu deaktivieren.
Symptom-Checker können die datensparsamere Alternative sein
Als mögliche Alternative nennt die Stiftung Warentest spezialisierte Symptom-Checker. Diese Programme stellen häufig strukturierte Fragen zu Beschwerden, Alter, Dauer der Symptome und möglichen Begleiterkrankungen.
In einem früheren Test konnten solche Anwendungen aus den Angaben teilweise gute Verdachtsdiagnosen ableiten. Auch Symptom-Checker können jedoch Fehler machen und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.
So lässt sich eine KI beim Symptomcheck sicherer nutzen
Wer einen Chatbot trotz der Risiken zu gesundheitlichen Beschwerden befragt, sollte dessen Antwort lediglich als unverbindliche Einschätzung betrachten.
Hilfreich ist es, Symptome möglichst konkret zu beschreiben: Seit wann bestehen sie? Wo treten sie auf? Wie stark sind sie? Gibt es Fieber, Atemnot, Schwindel oder weitere Auffälligkeiten? Auch bestehende Erkrankungen und eingenommene Medikamente können relevant sein.
Persönlich identifizierbare Angaben sollten dabei weggelassen werden. Bei starken, ungewöhnlichen oder plötzlich auftretenden Beschwerden ist es sinnvoller, direkt einen Arzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder im Notfall den Rettungsdienst zu kontaktieren.
Hilfreiche Orientierung, aber keine verlässliche Diagnose
Der Test zeigt, dass moderne KI-Chatbots typische Krankheitsbilder teilweise erstaunlich gut erkennen können. Vor allem ChatGPT lieferte bei den untersuchten Fällen plausible Verdachtsdiagnosen und angemessene Empfehlungen.
Verlässlich sind diese Ergebnisse trotzdem nicht. Die Qualität hängt stark von den eingegebenen Informationen ab, Fehldiagnosen bleiben möglich und der Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten ist bei keinem der getesteten Anbieter vollständig überzeugend.
KI kann deshalb eine erste Orientierung bieten. Die endgültige Diagnose und Behandlung sollte weiterhin medizinischem Fachpersonal überlassen werden.
