Stiftung Warentest warnt
: Zwei Kindersitze mit lebensgefährlichen Mängeln

Bei aktuellen Crashtests haben zwei Autokindersitze so schwere Sicherheitsmängel gezeigt, dass die Stiftung Warentest ausdrücklich vor der weiteren Nutzung warnt.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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Beim Frontal-Aufprall kann ein Baby aus dem Britax Römer Baby-Safe Pro mit Vario Base 5Z geschleudert werden.

Beim Frontal-Aufprall kann ein Baby aus dem Britax Römer Baby-Safe Pro mit Vario Base 5Z geschleudert werden.

ADAC

Bei zwei Autokindersitzen sind in aktuellen Crashtests gravierende Sicherheitsprobleme aufgetreten. Die Stiftung Warentest warnt deshalb vor dem Britax Römer Baby-Safe Pro in Verbindung mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z sowie vor dem Axkid Minikid Core. In bestimmten Sitzpositionen versagten bei einem simulierten Frontalunfall zentrale Rückhaltesysteme.

Die Ergebnisse stammen aus einem derzeit laufenden Gemeinschaftstest von Stiftung Warentest, ADAC und weiteren internationalen Partnerorganisationen. Die vollständigen Resultate der aktuellen Testrunde sollen Ende Oktober veröffentlicht werden.

Gurtschloss des Britax Römer Baby-Safe Pro versagt

Besonders problematisch zeigte sich der Britax Römer Baby-Safe Pro, wenn die Babyschale in geneigter Position mit der Isofix-Basis Vario Base 5Z verwendet wurde. Der Sitz ist für Kinder mit einer Körpergröße von 40 bis 85 Zentimetern zugelassen und damit vor allem für Babys und Kleinkinder bis etwa eineinhalb Jahre vorgesehen.

Beim simulierten Frontalaufprall wurde die Babyschale stark nach hinten gedrückt. Dabei hielten Teile des Gurtschlosses der Belastung nicht stand. Die Einrasthaken brachen, das Schloss öffnete sich und der verwendete Testdummy wurde aus dem Sitz geschleudert.

Die Stiftung Warentest rät deshalb davon ab, diese Kombination in der geneigten Position zu verwenden.

Wichtig ist allerdings die Einschränkung: In der aufrechten Position bestand die Kombination aus Baby-Safe Pro und Vario Base 5Z den Crashtest. Auch bei einer Befestigung der Babyschale direkt mit dem Sicherheitsgurt des Autos trat das Problem laut den Testern nicht auf. In diesem Fall bestand der Sitz sowohl in aufrechter als auch in geneigter Einstellung den Test.

Britax Römer untersucht nach eigenen Angaben derzeit die Ursache des Versagens. Eine abschließende Bewertung liegt bislang nicht vor. Einen Rückruf oder kostenlosen Austausch der betroffenen Kombination hat das Unternehmen nach Angaben der Stiftung Warentest bisher nicht angekündigt.

Das Gurtschloss des Axkid Minikid Core kann herausreißen und dadurch das Kind nach hinten geschleudert werden.

Das Gurtschloss des Axkid Minikid Core kann herausreißen und dadurch das Kind nach hinten geschleudert werden.

ADAC

Axkid Minikid Core: Stützfuß gibt beim Frontalcrash nach

Auch beim Axkid Minikid Core stellten die Tester einen schwerwiegenden Sicherheitsmangel fest. Der rückwärtsgerichtete Kindersitz ist für Kinder bis zu einer Körpergröße von 125 Zentimetern vorgesehen und wird mit dem Drei-Punkt-Gurt des Fahrzeugs befestigt.

Für den Crashtest kam ein Dummy zum Einsatz, der einem etwa sechsjährigen Kind entspricht. Getestet wurde der Sitz in seiner stärker nach hinten geneigten Position.

Beim Frontalaufprall hielt der Stützfuß den entstehenden Kräften nicht ausreichend stand. In der Folge riss das Gurtschloss zusammen mit dem Schrittgurt aus seiner Verankerung. Der Dummy wurde nach hinten über den Kopf geschleudert, wobei Beine und Körper stark auf den Nackenbereich einwirkten.

Die Tester sehen darin ein deutlich erhöhtes Verletzungsrisiko bei einem schweren Unfall und raten von der weiteren Nutzung des Sitzes ab.

Der Hersteller Axkid hat bereits reagiert. Nach Angaben der Stiftung Warentest wurde der Verkauf des Minikid Core gestoppt und ein freiwilliger Rückruf gestartet. Betroffene Kunden sollen direkt informiert werden und können den Sitz kostenlos austauschen. Eine Rückgabe beziehungsweise ein Austausch ist außerdem über die Internetseite des Herstellers möglich.

Betroffene Modelle lassen sich unter anderem an ihrer Zulassungsnummer erkennen: Diese beginnt laut Stiftung Warentest mit „E9“.

Stiftung Warentest empfiehlt schnelle Reaktion

Für Eltern, die einen der beiden Sitze verwenden, unterscheiden sich die Empfehlungen damit deutlich.

Beim Axkid Minikid Core empfiehlt die Stiftung Warentest, den Sitz nicht weiter zu benutzen und den angebotenen Austausch des Herstellers in Anspruch zu nehmen.

Beim Britax Römer Baby-Safe Pro betrifft das festgestellte Problem dagegen die Verwendung gemeinsam mit der Vario Base 5Z in der geneigten Position. In der aufrechten Einstellung sowie bei einer Befestigung der Babyschale mit dem Fahrzeuggurt zeigten sich die beschriebenen Probleme im Test nicht.

Die detaillierten Ergebnisse der gesamten aktuellen Kindersitz-Testrunde will die Stiftung Warentest Ende Oktober veröffentlichen. Insgesamt umfasst ihre Datenbank inzwischen mehr als 180 getestete Autokindersitze.