Streit in Großbritannien
: Wo Makrele draufsteht, muss nicht immer Makrele drin sein

Wer in Großbritannien Makrele kauft, bekommt nicht immer das, was man erwartet. Händler ersetzen die Atlantikmakrele zunehmend durch Jack Mackerel.
Von
Katrin Jokic
Berlin
Jetzt in der App anhören
Makrele in Seenot / Neue wissenschaftliche Empfehlung fordert Fangmengenkürzung um 77 %

In Großbritannien wird die echte Makrele gerade vielerorts ersetzt.

C. Streeter/Marine Stewardship Council (MSC)/obs/dpa

In britischen Supermärkten verändert sich gerade ein beliebtes Dosenprodukt. Statt echter Makrele steckt in manchen Konserven inzwischen chilenische „Jack Mackerel“, zu Deutsch „Chilenische Bastardmakrele“. Der Fisch gilt als nachhaltiger – ist biologisch aber eine völlig andere Art. Kritiker warnen vor Verwirrung bei Verbrauchern.

Der Grund dafür ist vor allem die Krise der Makrelenbestände im Nordostatlantik. Doch der Wechsel sorgt für Diskussionen: Denn Jack Mackerel ist nicht nur eine andere Fischart, sondern unterscheidet sich auch bei Geschmack, Nährwert und Preis.

Jack Mackerel ist keine echte Makrele

Der Name klingt ähnlich, biologisch liegen die Fischarten jedoch deutlich auseinander.

Klassische Makrelen gehören zur Familie der Scombridae. Die Chilenische Bastardmakrele dagegen zählt zur Familie der Carangidae und ist mit der klassischen Makrele nicht eng verwandt.

Für Verbraucher ist dieser Unterschied nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar. Genau daran entzündet sich nun Kritik.

Nach Angaben aus dem britischen Handel enthält Jack Mackerel deutlich weniger Omega-3-Fettsäuren als klassische Makrele. Auch der Kaloriengehalt fällt niedriger aus. Einige Verbraucher berichten zudem von Unterschieden bei Konsistenz und Geschmack. Genannt werden unter anderem größere Gräten und weniger öliges Fleisch.

Der Grund für den Wechsel: Die Makrele wird knapp

Hinter der Umstellung steckt vor allem ein massives Problem in der Fischerei.

Die Bestände der Makrele im Nordostatlantik sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen- wohl um ungefähr drei Viertel in den letzten zehn Jahren.

Gleichzeitig lagen die tatsächlichen Fangmengen seit 2010 immer wieder deutlich über den empfohlenen Grenzen.

Das hat Folgen: Die Fischerei der Makrele besitzt derzeit keine Nachhaltigkeits-Zertifizierung des Marine Stewardship Council (MSC) mehr.

Chilenische Jack Mackerel ist dagegen MSC-zertifiziert.

Supermarktketten reagieren

Der Wechsel ist im britischen Handel längst sichtbar.

Der Hersteller Princes, der unter anderem Tesco und Sainsbury’s beliefert, hat Teile seines Sortiments bereits auf chilenische Jack Mackerel umgestellt. Auch Lidl führt entsprechende Produkte ein.

Auch außerhalb Großbritanniens verändert sich das Angebot. In den Niederlanden haben große Supermarktketten klassische Makrele teilweise aus dem Sortiment genommen. In Schweden werden ebenfalls Produkte auf Jack Mackerel umgestellt.

Warum die Bezeichnung für Kritik sorgt

Ein zentraler Streitpunkt ist die Kennzeichnung.

Bis Ende 2025 durfte die Fischart Trachurus in Großbritannien unter verschiedenen Bezeichnungen verkauft werden, darunter „horse mackerel“, „jack“, „scad“ oder „trevally“. Die Bezeichnung „jack mackerel“ war zunächst nicht zulässig.

Kurz nachdem neue Produkte unter genau diesem Namen auf den Markt gekommen waren, änderte die britische Umwelt- und Landwirtschaftsbehörde Defra die entsprechenden Regeln.

Seitdem darf der Fisch als „Jack Mackerel“ verkauft werden.

Die Behörde betont, dass die Art nicht als „Atlantic Mackerel“ bezeichnet werden dürfe. Kritiker halten die neue Regel trotzdem für problematisch. Ihr Argument: Viele Verbraucher könnten den Eindruck bekommen, weiterhin klassische Makrele zu kaufen.

Der Ersatzfisch ist deutlich günstiger

Auch der Preis sorgt für Diskussionen.

Marktdaten zufolge kostet chilenische Jack Mackerel im Großhandel nur ungefähr ein Drittel so viel wie klassische Atlantikmakrele.

Im Supermarkt ist dieser Unterschied allerdings kaum zu sehen.

Bei Tesco kostete eine Dose Princes Jack Mackerel laut dem Bericht beispielsweise 1,75 Pfund, während eine Dose klassische Makrele derselben Marke 1,95 Pfund kostete.

Damit ist der Ersatzfisch im Einkauf offenbar wesentlich günstiger, für Verbraucher aber nur geringfügig preiswerter.

Hinter der Makrelenkrise steckt ein internationaler Streit

Die Probleme rund um die Atlantikmakrele reichen weit über den Supermarkt hinaus.

Seit Jahren streiten sich Großbritannien, die EU, Norwegen, Island, die Färöer, Grönland und Russland über Fangquoten. Der Konflikt wird teilweise als „Mackerel War“ – Makrelenkrieg – bezeichnet.

Ein Grund dafür ist der Klimawandel. Durch wärmere Meere haben sich die Makrelenbestände weiter nach Norden verlagert. Dadurch schwimmen mehr Tiere in Gewässern vor Island und den Färöern.

Diese Länder fordern deshalb größere Anteile an den Fangquoten.

Gleichzeitig hat der Brexit die Lage zusätzlich kompliziert. Großbritannien verhandelt seit dem EU-Austritt als eigenständiger Küstenstaat über seine Fangrechte.

Aus einem Fischproblem wird ein Verbraucherproblem

Aus Sicht der Händler hat die Umstellung einen klaren Vorteil: Jack Mackerel stammt aus einer zertifizierten Fischerei und soll die stark belasteten Makrelenbestände entlasten.

Für Verbraucher ist die Situation komplizierter.

Der neue Fisch sieht ähnlich aus, trägt einen ähnlichen Namen und wird teilweise an derselben Stelle im Regal verkauft. Gleichzeitig unterscheidet er sich bei Fischart, Nährwert, Geschmack und Einkaufspreis deutlich vom Original.

Wer weiterhin klassische Makrele kaufen möchte, sollte deshalb genauer auf die Verpackung schauen.

Denn zumindest im britischen Supermarkt gilt inzwischen: Wo „Mackerel“ steht, muss nicht unbedingt die Makrele drin sein, die Verbraucher bisher kannten.