Christian Lindner: Polemik um telefonische Krankschreibung

AU-Bescheinigung auf Papier.
Jens Büttner/dpa/Jens BüttnerIn Berlin spitzt sich die aktuelle Debatte um die telefonische Krankschreibung zu. Während Arbeitgeberverbände und Politiker wie Finanzminister Christian Lindner (FDP) eine Abschaffung fordern, verteidigen Ärztevertreter die Maßnahme vehement als medizinisch sinnvoll und notwendig.
Die Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, betont die positiven Aspekte der telefonischen Krankschreibung. Sie sieht darin eine der wenigen erfolgreichen Initiativen zur Entbürokratisierung des Gesundheitswesens. Auch Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt spricht sich klar für die Beibehaltung der Regelung aus.
Telefonische Krankschreibung und Krankenstand
Die Kritiker, allen voran Arbeitgeberverbände, vermuten einen Zusammenhang zwischen der telefonischen Krankschreibung und dem aktuell hohen Krankenstand. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, äußert Bedenken hinsichtlich möglichen Missbrauchs und fordert eine Rückkehr zum früheren Verfahren.
Die Ärzteschaft weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Aus ihrer täglichen Praxiserfahrung könnten sie keine missbräuchliche Nutzung bestätigen. Im Gegenteil warnen sie, dass eine Abschaffung besonders in den Infektmonaten die Patientenversorgung gefährden würde. Die Praxen hätten nicht die Kapazitäten, zusätzliche Patienten für einfache Krankschreibungen zu empfangen.
Telefonische Krankschreibung in Deutschland
Telefonische Krankschreibung seit Corona
Die während der Corona-Pandemie eingeführte Möglichkeit wurde im Dezember 2023 in eine dauerhafte Regelung überführt. Sie erlaubt Ärzten, bekannte Patienten mit leichten Erkrankungen telefonisch krankzuschreiben. Experten führen den aktuellen Höchststand bei Krankschreibungen vor allem auf vermehrte Atemwegserkrankungen zurück. Auch die zuverlässigere statistische Erfassung durch die elektronische Krankschreibung spiele eine Rolle. Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer „Wachstumsinitiative“ eine Überprüfung der Maßnahme angekündigt – trotz der neuen Corona-Variante XEC.