Tödliche See: Titanic, Wilhelm Gustloff, Estonia, Doña Paz
: Die größten Schiffsunglücke der Moderne

85 Schiffe sind 2016 weltweit auf hoher See verloren gegangen – halb so viel wie vor zehn Jahren. Auch die Zahl der Schiffsunglücke ist zurückgegangen.
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Markus Brauer/dpa
Stuttgart
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  • Am 15. April gegen 2.20 Uhr sank die Titanic, nachdem sie am 14. April um 23.40 Uhr im Nordatlantik – etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland – einen Eisberg gerammt hatte. 1514 der über 2200 an Bord befindlichen Menschen kamen dabei ums Leben.

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  • 9000 Tote: Das deutsche Passagierschiff Wilhelm Gustloff wird am 30. Januar 1945 von dem sowjetischen U-Boot S-13 in der Ostsee versenkt. Eine Stunde nach dem Torpedobeschuss sinkt das Schiff 23 Seemeilen vor der Küste Pommerns. Rund 9000 Menschen an Bord, davon 8800 Flüchtlinge, ertrinken. Der Untergang der Wilhelm Gustloff gilt als die größte Schiffskatastrophe der Seefahrtsgeschichte (bezogen auf ein einzelnes Schiff).

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  • 8500 Tote: Das japanische Handelsschiff Tango Maru wird am 25. Juni 1944 von dem amerikanischen U-Boot Rasher versenkt. Rund 3500 Menschen – vor allem Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter – kommen ums Leben. Nur wenige Stunden später versenkt dasselbe U-Boot den Truppentransporter Ryusei Maru, auf dem sich 6600 Soldaten befinden. Mindestens 5000 von ihnen ertrinken.

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  • 7000 Tote: Die Goya (im Bild zu sehen ist die Steuben, die dasselbe Schicksal erlitt), ein Frachtschiff der Reederei „A/S J. Ludwig Mowinckels Rederi“, wird Anfang 1940 in Dienst gestellt. Nach der deutschen Besetzung Norwegens im April 1940 wird die Goya von der Kriegsmarine beschlagnahmt. Das mit Tausenden Flüchtlingen beladene Schiff wird am 16. April 1945 durch das sowjetische U-Boot L-3 versenkt. Dabei kommen über 7000 Menschen ums Leben.

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  • 4500 Tote: Das in der Neustädter Bucht (einer Unterbucht der Lübecker Bucht) ankernde deutsche Passagierschiff Cap Arcona wird am 3. Mai 1945, fünf Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs, durch britische Jagdbomber in Brand geschossen und versenkt. Von 4600 an Bord befindlichen Häftlingen aus dem KZ Neuengamme kommen bis auf 100 alle ums Leben.

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  • 4386 Tote: Die philippinische Fähre Doña Paz kollidiert am 20. Dezember 1987 in der Nähe der Insel Mindoro mit dem Tanker Vector. Die Schiffe explodieren und brennen aus. Nur 24 Menschen der Doña Paz und zwei Besatzungsmitglieder der Vector überleben die Havarie. Die amtliche Untersuchung zählt später 4386 Tote: 4317 Passagiere, 58 Besatzungsmitglieder der Doña Paz und elf Besatzungsmitglieder der Vector. Es handelt sich um das schwerste Schiffsunglück in Friedenszeiten.

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  • 4000 Tote: Das deutsche Passagierschiff Steuben hat 2800 Verwundete, 800 Flüchtlinge und 500 Soldaten sowie Sanitäter an Bord, als es in den Nachtstunden des 10. Februar 1945 vor Stolpmünde (Pommern) von dem sowjetischen U-Boot S-13 torpediert und versenkt wird. Mindestens 4000 Menschen kommen ums Leben.

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  • 3520 Tote: Am 4. Dezember 1948 verlässt das chinesische Passagierschiff Kiang Ya den Hafen von Shanghai. Aufgrund des Bürgerkriegs ist das Schiff mit Flüchtenden vollkommen überladen. In der Mündung des Flusses Huangpu Jiang ereignet sich eine Explosion – vermutlich durch eine Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Kiang Ya sinkt innerhalb kurzer Zeit und reißt 3520 Menschen mit sich in den Tod.

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  • 2967 Tote: Die tansanische Fähre Spice Islander I sinkt in den frühen Morgenstunden des 10. September 2011 zwischen den Inseln Unguja und Pemba (Sansibar-Archipel) infolge von Überladung. Obwohl nur für 700 Personen ausgelegt, sind über 3500 Menschen an Bord. Nur 619 von ihnen können gerettet werden.

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  • 1863 Tote: Am 26. September 2002 gerät die senegalesische Fähre Le Joola vor der Küste Gambias in einen Sturm. Nach fünf Minuten kentert das Schiff. 1863 Menschen kommen ums Leben, darunter viele Studenten, die unterwegs in die sengalesische Hauptsatdt Dakar waren.

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  • 1500 Tote: Am 10. April 1912 bricht die Titanic, das größte Schiff der Welt, zu ihrer Jungfernfahrt auf. Der Weg führt von Southampton nach New York. 2223 Menschen sind an Bord des als unsinkbar geltenden Luxusliners. Am 14. April gegen 23.40 Uhr rammt die Titanic bei voller Fahrt einen Eisberg und sinkt nach nur zwei Stunden und 40 Minuten. Da es viel zu wenig Rettungsboote gibt, ertrinken und erfrieren 1514 der über 2200 an Bord befindlichen Menschen.

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  • Bis zu 1400 Tote: Die ägyptische Fähre Salem Express läuft am 14. Dezember 1991 auf der Fahrt von Dschidda nach Safaga kurz vor dem Zielhafen auf ein Korallenriff auf und sinkt innerhalb von zehn Minuten. Nach offiziellen Angaben sterben von 654 Personen an Bord 448. Die tatsächliche Opferzahl könnte aber bei bis zu 1400 Toten liegen.

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  • 1153 Tote: Das japanische Fährschiff Toya Maru sinkt am 26. September 1954 in einem Taifun vor der japanischen Insel Hokkaido. Offiziell sterben 1153 Menschen. Die Eisenbahnfähre gehörte der Japanischen Staatsbahn, welche die Insel Hokkaidō über die Tsugaru-Straße mit der Insel Honshū verband.

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  • 1026 Tote: Am 2. Februar 2006 sinkt die ägyptische Autofähre Al-Salam Boccaccio 98 auf dem Weg vom saudi-arabischen Dhiba ins ägyptische Safaga im Roten Meer nach einem Feuer an Bord. Von 1414 Passagieren und Mannschaftsmitgliedern können nur 388 gerettet werden.

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  • Mindestens 1000 Tote: Am 17. Februar 1993 sinkt die haitianische Fähre Neptune auf dem Weg in die Hauptstadt Port-au-Prince in der Nähe der Île de la Gonâve. Angeblich wird das völlig überladene Schiff durch eine Panik unter den Passagieren zum Kentern gebracht. Da es weder Rettungsboote noch Schwimmwesten an Bord gibt, ertrinken mindestens 1000 Menschen. Nur 300 Überlebende können gerettet werden.

    AP
  • 852 Tote: Es ist der 28. September 1994. Fünf Stunden nach Abfahrt, gegen 1 Uhr morgens, bricht der Verschluss der Bugklappe der Ostseefähre Estonia. Wasser dringt ein. Die Fähre bekommt starke Schlagseite und sinkt innerhalb kürzester Zeit vor der finnischen Insel Utö. 852 Menschen verlieren ihr Leben. Nur 137 Menschen überleben die Katastrophe.

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  • 800 Tote: Die tansanische Fähre Spice Islander I kentert am 10. September 2011 auf dem Victoriasee bei der Fahrt von Bukoba nach Mwanza etwa 30 Kilometer nordwestlich des Zielhafens. Rund 800 Menschen kommen ums Leben, 120 konnten gerettet werden. Es ist eine der größten Schiffkatastrophen auf einem Süßwassersee.

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  • 800 Tote: Die philippinische Fähre Princess of the Stars ist auf dem Weg von Manila nach Cebu City, als sie in den Taifun Fengshen gerät. Am 22. Juni 2008 sinkt das Schiff vor der Küste der philippinischen Insel Sibuyan. Von rund 850 Menschen an Bord können nur 56 lebend geborgen werden.

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  • 700 Tote: Im Meer zwischen der libyschen Küste und der italienischen Insel Lampedusa kentert in der Nacht vom 18. auf den 19. April 2015 ein Flüchtlingsboot mit Hunderten Menschen an Bord. Nur 28 Überlebende werden durch ein Handelsschiff gerettet. Die Zahl der Toten wird auf rund 700 geschätzt.

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Stuttgart/München - Die Schifffahrt ist so sicher wie noch nie. Im vergangenen Jahr gingen weltweit 85 Schiffe verloren, hat die Allianz-Spezialversicherungsgesellschaft AGCS am Dienstag in München mitgeteilt. Das seien 16 Prozent weniger als im Vorjahr und lediglich halb so viele wie noch vor zehn Jahren.

In der Mehrzahl der Fälle sind die Schiffe gesunken, oft bei schwerer See. Sie können aber auch ausgebrannt sein oder nach einer Havarie so stark beschädigt, dass sie verschrottet werden müssen. Die Zahl der Schiffsunglücke verringerte sich ebenfalls leicht um vier Prozent auf 2611.

„Die Schifffahrt ist mit neuen Risiken konfrontiert“

„Obwohl der langfristige Abwärtstrend bei den Totalschäden ermutigend ist, gibt es keinen Anlass, sich zurückzulehnen“, sagt Baptiste Ossena von der AGCS. „Die Schifffahrt ist mit neuen Risiken konfrontiert.“ Dazu zähle vor allem die wirtschaftliche Notlage der Branche. Insolvenzen nehmen zu und bei hohen Schulden und sinkenden Erträgen versuchten Reedereien, die Kosten für Wartung, Schulung und Besatzungsstärke zu senken.

Niedrige Sicherheitsstandards seien in Teilen Asiens ein Problem. Mehr als ein Viertel der Totalschäden entfallen auf Südchina, Indochina, Indonesien und die Philippinen. Zweitgefährlichste Ecke der Schifffahrt sind das östliche Mittelmeer und das Schwarze Meer.

Ein besonders spektakulärer Schiffsunfall lockte im Februar 2016 auch viele Besucher an die Unterelbe. Der Containerriese „CSCL Indian Ocean“ steckte im Elbsand fest und konnte erst nach mehreren Tagen wieder freigeschleppt werden.