Trockenheit im Trentino: Sinkende Pegel: Gardasee verliert täglich 7,4 Milliarden Liter Wasser

Drohnenaufnahme der Insel San Biagio am 28. April 2023. Der Pegelstand des Gardasees war damals wie bereits ein Jahr zuvor aufgrund lange anhaltender Trockenheit deutlich abgesunken.
Imago/NurPhoto- Gardasee verliert täglich rund 7,4 Mrd. Liter Wasser – Pegel sinken spürbar.
- Hitze und Trockenheit halten an, Regen bleibt aus, Schneeschmelze fällt unterdurchschnittlich aus.
- Zuflüsse wie Sarca und Chiese führen weniger Wasser, die Etsch liegt 40 Prozent unter dem Mittel.
- Über den Mincio wird mehr Wasser zur Bewässerung in die Po-Ebene abgegeben.
- Experten sehen noch keine akute Notlage, warnen aber vor längerer Trockenperiode.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Über 300 Seen zählt man im Trentino. Die Region in Norditalien wird gerne als Klein-Finnland bezeichnet, allerdings bereichert durch die atemberaubende Kulisse der Dolomiten.
Erst kamen die Römer, dann die deutschen Kaiser
Lange, bevor die deutschen Kaiser im Mittelalter vor ihrer Krönung in Rom hier entlang ritten, hatten die Römer die strategische Lage der Region erkannt. Ausgrabungen unter der Altstadt von Trient haben ein ausgeklügeltes Kanalsystem des antiken Tridentum – so der lateinische Name von Trient – zutage gefördert.
Bis heute ist der Wasserreichtum der Grundstein des Reichtums der Region. Seit dem Zweiten Weltkrieg wird mit Wasserkraft Strom erzeugt, der bis heute andere Landesteile mit Strom versorgt. Auch mit dem Tourismus ist Wasser eine Verbindung eingegangen.
Region ächzt unter wochenlanger Hitze
Doch nun ächzt die Region unter der seit Tagen und Wochen anhaltenden Hitzewelle. Nach einem ungewöhnlich trockenen März verschärft sich die Lage der Flüsse in Norditalien. So liegt der Wasserpegel der Etsch aktuell rund 40 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Auch andere Gewässer sind betroffen. Sowohl der Sarca, der in den Gardasee abfließt, als auch der Chiese verzeichnen deutliche Rückgänge. Gleichzeitig bleibt der Regen aus und auch die Zuflüsse aus der Schneeschmelze in den Bergen sind unterdurchschnittlich.
Die in den Bergen gespeicherten Wassermengen in Form von Schnee und Eis liegen deutlich unter dem langjährigen Mittel. In einigen Einzugsgebieten beträgt das Defizit bis zu 50 Prozent. Die zuletzt gestiegenen Temperaturen haben zwar kurzfristig für mehr Schmelzwasser gesorgt, dieses reicht bislang aber lediglich aus, um die niedrigen Pegelstände zu stabilisieren, aber nicht, um sie nachhaltig zu erhöhen.

Luftaufnahme des Gardasees
Imago/Pond5 ImagesWiederholen sich die Dürrejahre 2022/2023?
Wie schon in den Dürrejahren 2022 und 2023 gerät besonders der Gardasee wieder in Fokus. Damals war das riesige Wasserreservoir von 370 Quadratkilometern Fläche und bis 346 Metern verstärkt zur Regulierung genutzt worden, um insbesondere den Wasserbedarf in der Po-Ebene zu decken.
Die Intervention führte zu massiv sinkenden Pegelständen, mit erheblichen Folgen für Schifffahrt, Tourismus und Ökosystem. Ob sich dieses Szenario in diesem Jahr wiederholen wird, hängt vor allem von den Niederschlägen in den kommenden Wochen und der weiteren Entwicklung der Schneeschmelze ab. Noch sehen Experten keine akute Notlage, doch sie warnen bereits vor den Folgen einer länger andauernden Trockenperiode.

Das Panorama zeigt die Stadt Riva del Garda am nördlichen Ende des Gardasees, umgeben von majestätischen Bergen. Die Altstadt mit ihren charakteristischen, bunten Gebäuden erstreckt sich entlang des Ufers.
Imago/BihlmayerfotografieGewaltige Wassermengen verdunsten
In der Region um den Lago di Garda sind die Temperaturen zuletzt auf rund 35 Grad gestiegen. Durch Abflüsse und Verdunstung verliert der Gardasee derzeit gewaltige Mengen an Wasser. Wie „L’Arena“ meldet summieren sich die täglichen Verluste auf rund 7,4 Milliarden Liter Wasser. Bei einer Seefläche von 370 Quadratkilometern und Temperaturen über 33 bis 34 Grad können laut der Zeitung bis zu zwei Zentimeter Wasser pro Tag von der Oberfläche verdunsten.
Die Gründe sind folgende:
- Die intensive Sonneneinstrahlung lässt enorme Mengen Wasser verdunsten.
- Der Hauptzufluss Sarca im Norden führt derzeit relativ wenig Wasser, weil die Schneeschmelze in den Alpen ist weitgehend abgeschlossen ist.
- Über Fluss Mincio im Süden des Sees wird mehr Wasser als üblich abgegeben, um die Agrarflächen in der Po-Ebene zu bewässern.
Doch (noch) gibt es keinen Grund zur Panik, dass der Gardasee austrocknen könnte. Aufgrund der maximalen Tiefe von 346 Meter und einer mittleren Tiefe von 133 Metern ist nicht zu befürchten, dass der See leerläuft.
Natürliche, saisonale Schwankungen.
Doch ein so großer Wasserverlust wie derzeit zeigt die angespannte Lage. Der Gardasee ist Italiens größtes Süßwasserreservoir und ein wichtiger Puffer für die norditalienische Landwirtschaft. Seit Jahren wird er durch Übertourismus, Zersiedlung, Bewässerung und Verschmutzung belastet.
Schon während der letzten großen Dürrephasen in den Jahren 2022 und 2023 sank der Pegel extrem ab und zahlreiche Felsplatten lagen frei. Tatsächlich handelt es sich jedoch um natürliche, saisonale Schwankungen.
