UK führt Kilometer-Steuer für E-Autos ein: Wie funktioniert sie genau?

Großbritannien führt eine Kilometer-Steuer für Elektrofahrzeuge ein.
Jan Woitas/dpaDie sogenannte Electric Vehicle Excise Duty, kurz eVED, betrifft reine Batterieautos, Wasserstoffautos und Plug-in-Hybride. Die Höhe der Abgabe richtet sich danach, wie viele Meilen beziehungsweise Kilometer ein Fahrzeug tatsächlich zurücklegt.
Die neue Abgabe ergänzt die bereits bestehende britische Kraftfahrzeugsteuer Vehicle Excise Duty. Zuständig für Erhebung und Abrechnung wird die britische Zulassungsbehörde DVLA sein.
Rund 2,19 Eurocent pro Kilometer für Elektroautos
Für reine Elektroautos und Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge beträgt die eVED zunächst drei britische Pence pro Meile. Umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 21. Juli 2026 entspricht das ungefähr: 3,52 Eurocent pro Meile oder 2,19 Eurocent pro Kilometer
Für Plug-in-Hybride gilt mit 1,5 Pence pro Meile der halbe Steuersatz. Das sind umgerechnet etwa: 1,76 Eurocent pro Meile oder 1,09 Eurocent pro Kilometer
Die Beträge sind Näherungswerte, da die Steuer in britischen Pfund festgesetzt und bezahlt wird. Der tatsächliche Euro-Gegenwert hängt daher vom jeweiligen Wechselkurs ab. Grundlage der Berechnung ist ein Kurs von rund 1,174 Euro je britischem Pfund.
Ab dem Steuerjahr 2029/2030 sollen die Tarife entsprechend der britischen Verbraucherpreisinflation angehoben werden. Dadurch soll der reale Wert der Einnahmen langfristig erhalten bleiben.
So hoch fällt die Steuer im Jahr aus
Für ein reines Elektro- oder Wasserstoffauto ergeben sich bei typischen jährlichen Fahrleistungen ungefähr folgende Kosten:
Wer mit einem reinen Elektroauto jährlich 15.000 Kilometer fährt, müsste demnach mit einer zusätzlichen Belastung von ungefähr 328 Euro pro Jahr rechnen. Bei einem Plug-in-Hybrid wären es etwa 164 Euro.
Die eVED wird zusätzlich zur regulären britischen Fahrzeugsteuer erhoben. Es handelt sich also nicht um einen Ersatz für die bestehende Vehicle Excise Duty.
Fahrer müssen ihren Kilometerstand melden
Die Steuer soll gemeinsam mit der bestehenden Fahrzeugsteuer verlängert und abgerechnet werden. Autofahrer müssen dazu den aktuellen Kilometerstand beziehungsweise den Stand des britischen Meilenzählers angeben.
Anschließend schätzen sie, wie viele Meilen sie im kommenden Steuerzeitraum – normalerweise innerhalb eines Jahres – voraussichtlich fahren werden. Auf Grundlage dieser Schätzung wird zunächst die Steuer berechnet.
Der Betrag kann entweder im Voraus bezahlt oder über das Jahr verteilt werden. Am Ende des Zeitraums wird der tatsächliche Kilometerstand erneut erfasst. Ist das Fahrzeug mehr gefahren als geschätzt, muss der Halter nachzahlen. Bei einer geringeren Fahrleistung wird die Differenz entsprechend verrechnet.
Keine permanente GPS-Überwachung vorgesehen
Die britische Regelung ist keine klassische Straßenmaut und sieht nach den bisher veröffentlichten Plänen keine permanente GPS-Ortung der Fahrzeuge vor. Entscheidend ist der am Fahrzeug angezeigte Kilometerstand.
Bei älteren Fahrzeugen kann die Behörde die Angaben mit den Daten aus der jährlichen MOT-Hauptuntersuchung vergleichen. Kilometerstände werden bei dieser Untersuchung bereits heute dokumentiert und sind für die meisten Fahrzeuge über das britische Regierungsportal abrufbar.
Für Fahrzeuge, die bereits regelmäßig zur MOT-Untersuchung müssen, sollen deshalb normalerweise keine zusätzlichen Kontrolltermine erforderlich sein. Die Regierung plant zugleich gesetzliche Vorgaben für Kilometerzähler, um Manipulationen und falsche Angaben verfolgen zu können.
Warum Großbritannien die Abgabe einführt
Die britische Regierung begründet die Steuer mit sinkenden Einnahmen aus der Kraftstoffsteuer. Fahrer von Benzin- und Dieselautos zahlen bei jedem Tankvorgang Fuel Duty. Fahrer reiner Elektroautos leisten bislang keine vergleichbare, von der Fahrleistung abhängige Zahlung.
Mit zunehmender Verbreitung von Elektrofahrzeugen dürften die Einnahmen aus der Kraftstoffsteuer langfristig zurückgehen. Gleichzeitig verursachen auch Elektroautos Verkehr, Straßenverschleiß und Infrastrukturkosten. Die eVED soll deshalb einen Teil der entfallenden Einnahmen ersetzen und dafür sorgen, dass Vielfahrer mehr zahlen als Personen, die ihr Auto nur selten nutzen.
Die Regierung hatte das Konzept im britischen Haushalt 2025 angekündigt. Anschließend lief bis zum 18. März 2026 eine öffentliche Konsultation mit mehr als 5.000 Rückmeldungen. Die endgültige Regierungsantwort und die konkreteren Umsetzungspläne wurden am 13. Juli 2026 veröffentlicht.
Mögliche Folgen für den Elektroautomarkt
Die Kilometersteuer ist Teil eines größeren Maßnahmenpakets für den Übergang zu emissionsfreien Fahrzeugen. Gleichzeitig räumt die Regierung ein, dass die zusätzliche Belastung den Absatz von Elektroautos leicht bremsen könnte.
Nach Berechnungen des Office for Budget Responsibility könnten die eVED und begleitende Haushaltsmaßnahmen den Verkauf von Elektroautos zwischen den Haushaltsjahren 2025/2026 und 2030/2031 um insgesamt etwa 120.000 Fahrzeuge reduzieren. Das entspräche ungefähr zwei Prozent der in diesem Zeitraum erwarteten Elektroautoverkäufe.
Einige Autofahrer könnten ältere Benzin- oder Dieselfahrzeuge dadurch länger behalten. Andere könnten sich für kleinere und günstigere Elektroautos entscheiden, um die zusätzlichen laufenden Kosten auszugleichen.
