UN-Bericht zu weltweiten Emissionen: Ausstoß von Treibhausgasen ist so hoch wie nie zuvor

Den UN-Berechnungen zufolge wurden 2023 weltweit Treibhausgase mit einer Klimawirkung von 57,1 Gigatonnen Kohlendioxid (Kohlendioxidäquivalenten) ausgestoßen – ein Höchststand.
Imago/DepositphotosWenn die Pariser Klimaziele keine Utopie bleiben sollen, muss schnell gehandelt werden . Mit viel Geld und noch mehr Maßnahmen: So lassen sich die Forderungen des sogenannten Emission Gap Reports des UN-Umweltprogramms (UNEP) zusammenfassen, der nun veröffentlicht wurde.
Emissionen von Treibhausgasen erreichen Höchstwerte

Der Energiesektor hat den größten Anteil an den weltweiten Emissionen.
Foto: Imago/Depositphotos
Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssten die Emissionen drastisch und vor allem schnell reduziert werden.
Foto: Imago/DepositphotosJährliche Bestandsaufnahme
In der alljährlichen Bestandsaufnahme, die wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku veröffentlicht wird, geht es um die Lücke zwischen den real zu erwartenden Emissionen von Treibhausgasen in den kommenden Jahren und den Werten, die für ein Erreichen der Pariser Klimaziele notwendig wären. Treibhausgase in der Atmosphäre, insbesondere Kohlendioxid, spielen eine Rolle beim weltweiten Temperaturanstieg.
Wegen der Erderwärmung gibt es in vielen Regionen häufiger und öfter extremes Wetter, also Hitzewellen und Dürren, Stürme und Überflutungen. Dies kann ganze Regionen unbewohnbar machen, Ernten zerstören und damit Hungerkrisen verschärfen. Außerdem steigt der Meeresspiegel, was Küstenregionen und kleine Inselstaaten bedroht.

Wegen der Erderwärmung gibt es in vielen Regionen häufiger und öfter extremes Wetter, also Hitzewellen und Dürren, Stürme und Überflutungen.
Foto: Imago/Depositphotos
Gefordert sind vor allem die großen Industriestaaten, die den größten Beitrag zum Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre leisten.
Foto: Imago/Pond5 ImagesGlobale Mobilisierung gefordert
Gefordert sind vor allem die großen Industriestaaten, die den größten Beitrag zum Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in die Atmosphäre und damit zu globalen Temperaturanstieg leisten. „Im Wesentlichen bräuchten wir eine globale Mobilisierung in einem noch nie dagewesenen Ausmaß und Tempo“, fordert UNEP-Chefin Inger Andersen.
Dem Bericht zufolge drängt die Zeit: Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssten sich die Staaten der Welt gemeinsam dazu verpflichten, die jährlichen Treibhausgasemissionen bis 2030 um 42 Prozent und bis 2035 um 57 Prozent im Vergleich zu 2019 zu senken. Derzeit liegen die Zusagen weit darunter.

Häuser der Stadt Rheidt vor dem Braunkohlekraftwerk Niederaussem in Bergheim (NRW).,
Foto: Imago/BlickwinkelZeit für schöne Worte ist vorbei
Um diese globalen Reduktionsziele zu erreichen, müssten vor allem die G20-Staaten – mit Ausnahme der Afrikanischen Union – „«Schwerstarbeit“, mahnt Andersen. Der Titel des UNEP-Berichts, „No more hot air, please“ (Bitte keine heiße Luft mehr) klingt doppeldeutig und mahnend zugleich: Die Erderwärmung soll gestoppt werden. Und die Zeit für schöne Worte ist vorbei.
Der Bericht nimmt die G20-Staaten wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz im aserbaidschanischen Baku in die Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen und zu investieren, um Emissionen zu senken: Diese Gruppe sei noch nicht einmal auf Kurs, um die aktuellen nationalen Beitragsziele zu erfüllen, heißt es.
Die Mitglieder mit den höchsten Emissionen müssten „die Führung übernehmen, indem sie jetzt und in den neuen Zusagen ihre Maßnahmen und Ambitionen drastisch erhöhen.“

Braunkohletagebau mit Absetzer und Kraftwerken in Garzweiler (NRW).
Foto: Imago/Zoonar
Kraftwerk im englischen Yorkshire.
Foto: Imago/DreamstimeWeltweit große Unterschiede bei Emissionen
Denn die G20-Mitglieder ohne die Afrikanische Union waren den Angaben zufolge im Jahr 2023 für 77 Prozent der Emissionen verantwortlich. Die Aufnahme der Afrikanischen Union als ständiges G20-Mitglied erhöhe den Anteil nur um fünf Prozent auf 82 Prozent. Dies zeige die Notwendigkeit differenzierter Verantwortlichkeiten zwischen den Nationen.
Die Pro-Kopf-Berechnungen der Kohlendioxid-Emissionen (Kohlendioxidäquivalente pro Einwohner) für verschiedene Länder und Regionen machen die globalen Unterschiede deutlich. So betrug dem Bericht zufolge der Wert 2023:

Die G20-Mitglieder ohne die Afrikanische Union waren den Angaben zufolge im Jahr 2023 für 77 Prozent der Emissionen verantwortlich.
Foto: Imago/Pond5 ImagesWWF fordert Ausstieg aus fossilen Energien
„Wir müssen dringend den Ausstieg aus den fossilen Energien vorantreiben, sonst gelangen immer weitere gigantische Mengen an CO2 in unsere Atmosphäre und befeuern die Erderhitzung“, fordert Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland, zu dem UNEP-Bericht. „Alles, was wir jetzt nicht dafür investieren, müssen wir später doppelt und dreifach ausgeben.“
Die Erkenntnisse müssten sich in der weltweiten Finanzierung niederschlagen genau wie im deutschen Haushalt. Raddatz: „Wir brauchen mindestens die zugesagten sechs Milliarden Euro aus Deutschland für den Klimaschutz weltweit. Wir brauchen die zugesagten 100 Milliarden US-Dollar jährlich von den Staaten des Globalen Nordens bis 2025 und wir brauchen in Baku die Einigung auf ein höheres Finanzierungsziel ab 2026.“