Unglück in den Alpen
: Warum der Montblanc der gefährlichste aller Berge ist

Der Montblanc ist laut Unfallstatistik der tödlichste Berg der Welt. Jetzt sind wieder zwei deutsche Alpinisten beim Besteigen von Europas höchstem Gipfel gestorben. Wir sprachen mit dem Bergführer und Montblanc-Spezialisten Jörn Heller über das Unglück.
Von
Markus Brauer
Stuttgart
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  • Rettungsaktion am Montblanc: Auf 4250 Metern hat die französische Bergwacht die Leichen der beiden Deutschen gefunden.

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  • Mit 4810 Metern ist der in den Savoyer Alpen zwischen Frankreich und Italien gelegene Montblanc der höchste Berg Europas.

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  • Der 4248 Meter hohe Montblanc du Tacul von der Aiguille du Midi aus gesehen.

    Foto: Wikipedia commons/Alexandre Buisse CC BY-SA 3.0
  • Der Normalweg startet bei der Aiguille du Midi (3842 Meter) oder der Cosmique-Hütte (3613 Meter). Von dort erfolgt der Aufstieg zunächst als Abstieg auf den Gletscher und über diesen zur Nordwestflanke.

    Wikipedia commons/CC BY-SA 3.0
  • Der Montblanc de Courmayeur ist eine Erhebung an der Südostschulter des Montblanc mit einer Höhe von 4748 Meter. Er ist dem Montblanc 800 Meter südöstlich gegen die Stadt Courmayeur hin vorgelagert und erscheint von dort aus gesehen als Gipfel des Montblanc. Er ist vom Montblanc durch den Col-Major-Sattel (4740 Meter) getrennt.

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  • Blick auf die Nordostseite des Glacier du Géant mit dem Arete du Diablo. Die Aiguilles du Diable (deutsch: Teufelsspitzen) sind fünf Felsnadeln über 4000 Meter Höhe auf dem Südostgrat (auch Teufelsgrat) des Montblanc du Tacul.

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  • Die Aiguille du Midi (3842 Meter) ist ein felsiger Vorposten im Montblanc-Massiv südlich von Chamonix. Der Gipfel ist durch eine Seilbahn für den Tourismus erschlossen und stellt einen der beliebtesten Aussichtspunkte auf dem höchsten Gebirgszug der Alpen dar.

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  • Das Refuge des Cosmiques ist eine Schutzhütte im französischen Montblanc-Massiv und ein wichtiger Stützpunkt bei der Besteigung des Montblanc.

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  • Die Hütte liegt südlich von Chamonix auf einer 3613 Meter hohen Eis- und Felskuppe, etwa 500 Meter nördlich des 3532 Meter hohen Sattels Col du Midi, der den Montblanc du Tacul (4248 Meter) mit der Aiguille du Midi (3842 Meter) verbindet.

    Wikipedia commons/Franco56 CC BY-SA 3.0
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Stuttgart/Chamonix - Am frühen Montagmorgen, den 8. August, waren die beiden Bergsteiger aus dem baden-württembergischen Ortenaukreis aufgebrochen, um den 4248 Meter hohen Montblanc du Tacul zu besteigen. Die schwierige Route über den Teufelsgrat ist den Männern aus dem Raum Lahr zum Verhängnis geworden. Am Dienstagabend hatten Rettungskräfte ihre Leichen auf 4250 Meter gefunden. Todesursache sei Unterkühlung, teilte die Hochgebirgs-Gendarmerie im französischen Chamonix mit.

Aufbruch auf 3613 Metern gegen zwei Uhr

Die beiden 40 und 50 Jahre alten Männer hatten die Cosmique-Hütte auf 3613 Metern am Montagmorgen gegen zwei Uhr verlassen. Zuletzt waren sie am Montag gegen 14 Uhr von anderen Bergsteigern gesichtet worden. Angehörige benachrichtigten am Dienstagabend die Bergwacht, weil sich die Bergsteiger nicht mehr gemeldet hatten.

Der Montblanc du Tacul befindet sich in den Savoyer Alpen in der Montblanc-Gruppe zwischen dem eigentlichen Montblanc und dem Aiguille du Midi. Die Talorte für Besteigungen des Gipfels sind Chamonix und Courmayeur. Die Erstbesteigung war am 8. August 1855. Der Teufelsgrat (Arete du Diable) ist eine der anspruchsvollsten Touren in den Alpen.

Tragödie am Montblanc

Schätzungsweise 6000 bis 8000 Tote am Montblanc

Jedes Jahr zieht es Zehntausende Bergsteiger und Wanderer in das Montblanc-Gebiet. Aufgrund der hohen Zahl an Besuchern wird, anders als bei den Achttausendern im Himalaja, keine offizielle jährliche Unfallstatistik geführt. 2014 starben am Montblanc binnen zwei Monaten 20.

Mit schätzungsweise 6000 bis 8000 tödlich verunglückten Bergsteigern führt der Montblanc die weltweite Berg-Unfallstatistik an. Wir sprachen mit dem Bergführer Jörn Heller, einem der besten Montblanc-Kenner über das Unglück und die Gefährlichkeit des höchsten Gipfels Europas.

Herr Heller, wie gefährlich ist Europas höchster Gipfel für Bergsteiger und Wanderer?

Der Montblanc ist ein sehr hoher Berg, der den Wetterbedingungen extrem ausgesetzt ist. Der Teufelsgrat am Mont Blanc du Tacul ist eine schwierige Route. Es ist hochalpines Klettern in Eis und Fels.

Immer wieder kommt es hier zu schweren Unglücken. Ist das auf mangelnde Erfahrung und Vorsicht zurückzuführen?

Der Montblanc ist ein Brennpunkt des Bergsteigens. Aus der ganzen Welt kommen die Menschen nach Chamonix. Es ist logisch, dass es im Verhältnis zu anderen Bergen weltweit hier so viele Unfälle gibt. Zum anderen wird der Montblanc stark unterschätzt, weil er technisch auf der Normalroute nicht besonders schwer ist. Angesichts der stark wechselnden Wetterbedingungen und der Höhe sind der Montblanc und der Montblanc du Tacul allerdings sehr anspruchsvolle Berge. Viele, die hinauf wollen, sind schlecht akklimatisiert und nehmen sich nicht die notwendige Zeit für die Gewöhnung an die Höhe.

Als die beiden deutschen Bergsteiger am Montagmorgen aufgebrochen, war das Wetter noch gut. Plötzlich schlug es um und es entwickelte sich ein Sturm mit Spitzengeschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde. Ist das typisch für die Montblanc-Region?

Das Unwetter ist nicht plötzlich hereingebrochen. Der Sturm war vorhergesagt worden. Ich habe meine eigenen Tourenveranstaltungen im Wallis abgesagt, weil klar war, dass zu Wochenbeginn das Wetter umschlägt und eine Front mit hohen Niederschlagsmengen und sinkenden Temperaturen aufzieht. Alle Wetterprognosen haben schon vor einer Woche konstant auf schlechtes Wetter hingewiesen.

Trotzdem sind die beiden Deutschen aufgebrochen. War das Leichtsinn oder Selbstüberschätzung?

Das weiß ich nicht. Ich möchte das auch nicht bewerten. Es ist ein tragischer Unfall. Aber Fakt ist: Die Wetterinformationen gab es. Den Montblanc und die Montblanc-Gruppe kenne ich besonders gut. Ich war schon über hundert Mal dort. Auch wenn viele behaupten, das sei ein Spaziergang: Der Montblanc hat ein so breites Anforderungsprofil wie nur wenige andere Berge in den Alpen.

Werden die Gefahren am Berg unterschätzt?

Das glaube ich schon. Respekt ist ein ganz wichtiges Kriterium im Alpinismus. Ich habe den Eindruck, dass mitunter dieser Respekt fehlt. Ein bisschen mehr Demut vor den Bergen könnte nicht schaden. Wenn so etwas wie jetzt geschieht, ist es einfach nur tragisch und schlimm. Aber natürlich sollten solche Unglücke immer eine Warnung sein.

Der Freiburger Diplompädagoge ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Guide de Haute Montagne und zertifizierter Sachverständiger für Alpinunfälle. Seit 23 Jahren arbeitet er als Bergführer. In den vergangenen 30 Jahren stand er mehr als hundert Mal auf dem Gipfel des Mount Blanc. Er gilt unter Alpinisten als Spezialist für das Dach Europas.