Ein Leben für die Gerechtigkeit: US-Bürgerrechtsikone Dolores Huertag (96) gestorben - Kurz vor ihrem Tod brach sie ihr Schweigen
US-Bürgerrechtsikone Dolores Huerta ist mit 96 Jahren gestorben. Kurz vor ihrem Tod erhob sie schwere Missbrauchsvorwürfe gegen César Chávez.
IMAGO/ZUMA PressDie USA trauern um eine der bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Bürgerrechtsbewegung. Dolores Huerta ist am Mittwoch (28. Oktober) im Alter von 96 Jahren gestorben. Ihre Familie bestätigte den Tod der Aktivistin in einer Mitteilung in den sozialen Medien. „Wir sind zutiefst traurig, bekannt geben zu müssen, dass unsere geliebte Mutter Dolores Huerta heute im Alter von 96 Jahren verstorben ist“, erklärte die Familie. Zugleich bat sie um Privatsphäre in dieser schweren Zeit. Nach Angaben der „New York Times“ war Huerta an Krebs erkrankt.
Dolores Huerta brach nach 60 Jahren ihr Schweigen
Erst im März 2026 hatte die Bürgerrechtlerin mit einer erschütternden Enthüllung für Schlagzeilen gesorgt. Die damals 95-Jährige beschuldigte ihren langjährigen Mitstreiter César Chávez, sie in den 1960er-Jahren sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Chávez, der bereits 1993 starb, hatte gemeinsam mit Huerta die amerikanische Landarbeiterbewegung entscheidend geprägt. Über Jahrzehnte hatten beide Seite an Seite für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft.
Huerta erklärte, Chávez habe sie zunächst zu sexuellen Handlungen gedrängt. Bei einem weiteren Vorfall im Jahr 1966 habe er sie nach ihren Angaben vergewaltigt. Beide Übergriffe hätten zu Schwangerschaften geführt. Die Kinder seien anschließend bei anderen Familien aufgewachsen. Fast 60 Jahre lang hatte die Aktivistin über ihre Erlebnisse geschwiegen. Sie habe befürchtet, dass eine öffentliche Anschuldigung die Bürgerrechtsbewegung beschädigen könnte, für die sie ihr Leben lang gekämpft hatte. Erst eine umfangreiche Recherche der „New York Times“, in der auch weitere Frauen schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Chávez erhoben, veranlasste Huerta, ihre eigene Geschichte öffentlich zu machen. Die Vorwürfe lösten in den USA eine breite Debatte über das Vermächtnis des Gewerkschaftsführers aus.
Barack Obama zeichnete die Bürgerrechtsikone aus
Dolores Huerta wurde am 10. April 1930 im US-Bundesstaat New Mexico geboren und wuchs in Kalifornien auf. Zunächst arbeitete sie als Lehrerin. Die Armut vieler Kinder aus Landarbeiterfamilien bewegte sie schließlich dazu, sich politisch zu engagieren. 1962 gründete sie gemeinsam mit César Chávez die National Farm Workers Association, aus der später die Gewerkschaft United Farm Workers hervorging. Mit Streiks, Demonstrationen und Boykotten setzten sie sich für bessere Löhne und menschenwürdigere Arbeitsbedingungen ein.
Huerta engagierte sich darüber hinaus für Frauenrechte, die Gleichberechtigung von Minderheiten und soziale Gerechtigkeit. Auch im hohen Alter nahm sie noch an Demonstrationen teil. Von ihr stammt zudem der berühmte spanische Slogan „Sí se puede“ („Ja, wir können es schaffen“), der später auch durch Barack Obamas Wahlkampfmotto „Yes We Can“ internationale Bekanntheit erlangte. 2012 zeichnete der damalige US-Präsident Obama sie mit der Presidential Medal of Freedom aus, der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Mit Dolores Huerta verliert die amerikanische Bürgerrechtsbewegung eine ihrer einflussreichsten Stimmen. Ihre Familie kündigte an, zu einem späteren Zeitpunkt über die Pläne zur Würdigung ihres Lebenswerks zu informieren.
