Vermisste Buben in den Niederlanden
: Julian (7) und Ruben (9) sind tot

Der eigene Vater soll erst seine Söhne und dann sich selbst umgebracht haben. Empörung richtet sich gegen die Jugendschutzbehörden, die dem Leiden der Kinder jahrelang zusahen. Derweil ereignet sich in Frankreich eine erschreckende Parallele.
Von
Helmut Hetzel
Stuttgart
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Trauer um zwei kleine Kinder. Kerzen erinnern an Julian und Ruben.

ANP

Utrecht - Die seit rund zwei Wochen vermissten niederländischen Buben Ruben (9) und Julian (7) sind tot. Ihre Leichen wurden am Pfingstsonntag in einem überdeckten Abwasserkanal bei dem Dorf Cothen nahe Utrecht gefunden. Die Fundstelle der Leichen ist nur wenige Kilometer von dem Erholungsgebiet Doornse Gat bei Doorn entfernt, in dem der Vater der Kinder, Jeroen Denis, sich umgebracht hat. Am 7. Mai war er erhängt an einem Baum aufgefunden worden. Seither suchte man in den Niederlanden fieberhaft nach Ruben und Julian.

Nach Angaben der Polizei müsse die Identität der beiden Leichen durch DNA-Analysen noch eindeutig festgestellt werden. Man gehe jedoch davon aus, dass es sich bei den Leichen um die sterblichen Überreste von Ruben und Julian handle.

Ihr Vater hatte Ruben und Julian am 6. Mai bei deren Zeist wohnender Mutter abgeholt und gesagt, er wolle mit seinen beiden Söhnen einen Kurzurlaub in Luxemburg machen. Die Eltern der beiden Buben trugen nach ihrer Scheidung einen heftigen Beziehungskrieg aus. Vermutlich hat der Vater seine beiden Söhne ermordet, bevor er sich selbst richtete. Die Mutter, Iris van der Schuit, wird ärztlich betreut und steht unter Schock.

Nach der Scheidung spitzte sich die Lage zu

Die Nachricht vom Tod der kleinen Buben löste überall in den Niederlanden Betroffenheit aus. Empört reagierten viele Bürger, als bekannt wurde, dass die Jugendschutzorganisationen nach der Scheidung der Eltern von Ruben und Julian im Jahr 2008 kläglich versagt haben. ,,Die Jugendschutzorganisationen untersuchten, analysierten, berichteten, konferierten, taten aber nichts,‘‘ stellt das „NRC-Handelsblad“ fest. Die Zeitung rekonstruiert den Ehekrieg zwischen Iris van der Schuit und Jeroen Denis auf zwei Sonderseiten: „Schon 2009 konstatierte die Meldestelle Kindermisshandlung, das gegen Ruben und Julian psychische Gewalt seitens der Eltern gebraucht wird.“ Daraufhin empfahl die Meldestelle, ein Gericht solle den Eltern das Sorgerecht für die Kinder entziehen, „weil sie nicht in der Lage sind, zusammenzuarbeiten und ihren Streit beizulegen“. Die Kinder würden dadurch ,,in ihrer Entwicklung ernsthaft beeinträchtigt“. Doch es geschah nichts, kein Jugendrichter schritt ein.

Der Raad voor de Kinderbescherming (Rat für Jugendschutz) beschäftigte sich zwischen 2009 und 2013 mit der Familie. Er sprach die Eltern, die Familienangehörigen auf deren Verhalten gegenüber Ruben und Julian an, auch die Lehrer. Er schickte Psychologen. Aber den Ernst der Lage hat anscheinend niemand von all diesen Fachleuten erkannt.

Im Februar 2012 ergreift Iris van der Schuit selbst die Initiative, und weist die Behörden darauf hin, dass sie sehr besorgt um ihre Söhne sei, wenn diese allein mit ihrem Vater unterwegs seien. Der Hilferuf der Mutter geht in den Aktenbergen der Jugendschützer unter. Dem ,,NRC-Handelsblad‘‘ liegen Akten der Melde stelle Kindesmisshandlung vor, dass der heute neunjährige Ruben bereits 2009 von seinem Vater misshandelt worden ist. Auch dieses schwerwiegende Signal wird von den Behörden ignoriert. Sie greifen nicht ein. Nun sind Ruben und Julian tot.