Villa Vie Odyssey: Bis zu 440.000 Dollar für ein Zuhause auf See - jetzt müssen die Bewohner raus

Villa Vie Odyssey: Rund 200 Bewohner müssen ihr Zuhause auf See verlassen. Wie es nach dem Kreuzfahrt-Stopp in Kambodscha weitergeht, ist unklar.
IMAGO/Jam PressFür die Bewohner der „Villa Vie Odyssey“ sollte die Weltreise niemals enden. Statt eines gewöhnlichen Kreuzfahrturlaubs versprach der US-amerikanische Betreiber Villa Vie Residences ein dauerhaftes Zuhause auf See. Passagiere konnten Kabinen langfristig mieten oder Wohnrechte auf Lebenszeit erwerben – für bis zu 440.000 US-Dollar. Doch nun liegt das knapp 200 Meter lange Kreuzfahrtschiff im kambodschanischen Hafen Sihanoukville fest. Wegen finanzieller Schwierigkeiten hat der Betreiber den Betrieb ausgesetzt.
Villa Vie Odyssey: Bewohner mussten innerhalb weniger Stunden von Bord
Wie die BBC berichtet, wurden die Bewohner am Dienstagmorgen, dem 27. Oktober 2026, über das vorläufige Ende ihrer Reise informiert. Einige Passagiere erklärten, sie hätten lediglich von 6 bis 14 Uhr Zeit gehabt, das Schiff zu verlassen. Nach Angaben der örtlichen Behörden befanden sich 203 Passagiere und 156 Besatzungsmitglieder an Bord. Eigentlich sollte die „Villa Vie Odyssey“ nach einem Zwischenstopp in Kambodscha weiter nach Vietnam fahren. Besonders bitter: Für viele Bewohner war das Schiff längst ihr einziges Zuhause. Einige hatten ihr bisheriges Leben an Land aufgegeben, um dauerhaft die Welt zu bereisen.
Bis zu 440.000 Dollar für ein Leben auf See
Das Konzept der „Villa Vie Odyssey“ war ungewöhnlich. Statt einer klassischen Kreuzfahrt bot das Unternehmen ein dauerhaftes Leben auf dem Schiff an. Ein fünfjähriger Aufenthalt kostete ab rund 60.000 US-Dollar. Für ein langfristiges Wohnrecht wurden je nach Kabine zwischen 120.000 und 440.000 Dollar verlangt. Alternativ konnten Kabinen ab etwa 3.500 Dollar monatlich gemietet werden. Dafür versprach der Betreiber eine fortlaufende Weltreise mit Zwischenstopps in fast 150 Ländern. Im Oktober 2024 startete das Schiff von Belfast aus. Nach mehr als 750 Tagen wurde die Reise nun vorläufig gestoppt.
Explodierende Treibstoffkosten stoppen die Weltreise
Als Hauptgrund nennt Villa Vie Residences die stark gestiegenen Treibstoffpreise infolge des Irankriegs. Nach Unternehmensangaben erhöhten sich die monatlichen Treibstoffkosten pro Kabine in Teilen Asiens von rund 1.800 auf bis zu 8.000 US-Dollar. Der Betreiber versuchte gegenzusteuern: Das Schiff fuhr langsamer und blieb länger in Häfen. Doch die Einsparungen reichten nicht aus. Bereits zuvor hatte es Schwierigkeiten gegeben. Die Abfahrt 2024 verzögerte sich wegen Reparaturen um mehrere Monate. Zudem blieb die Auslastung nach Angaben eines Bewohners deutlich unter der maximal möglichen Zahl von 650 Passagieren.
Bekommen die Bewohner der Villa Vie Odyssey ihr Geld zurück?
Für die Betroffenen ist vor allem unklar, was mit den teilweise sechsstelligen Beträgen geschieht, die sie für ihr Leben auf See bezahlt haben. Villa Vie Residences kündigte an, innerhalb der kommenden 60 Tage neue Geldgeber zu suchen und das Unternehmen finanziell neu aufzustellen. Ob das gelingt, ist offen. Auch mögliche Rückzahlungen an die Bewohner sind bislang ungeklärt. Nach Angaben des Firmengründers gegenüber Bloomberg übernimmt das Unternehmen vorerst Unterkünfte und Transporte innerhalb Kambodschas. Die Kosten für eine Heimreise müssen die Betroffenen demnach selbst tragen. Einige Bewohner hoffen weiterhin auf eine Fortsetzung der Reise. Andere planen bereits ihre Zukunft an Land.
Ob die „Villa Vie Odyssey“ jemals wieder ablegt, ist derzeit ungewiss. Für rund 200 Menschen ist damit nicht nur eine Weltreise unterbrochen, sondern auch ihr bisheriges Zuhause verloren gegangen, zumindest vorerst.
