Konflikt im Nahen Osten
: Volksgruppen in Syrien: Wer sind die Drusen?

Syrien beheimatet neben der sunnitischen Mehrheit auch Alawiten, Drusen und Jesiden. Ihre unterschiedlichen religiösen Traditionen prägen die sozialen und politischen Spannungen im Land.
Von
Markus Brauer
Stuttgart
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Scheich Hammoud al-Hinawi, ein prominentes geistliches Oberhaupt der drusischen Gemeinschaft in Syrien.

Moawia Atrash/dpa

Israel will die religiöse Minderheit der Drusen in Syrien schützen und hat deshalb Ziele im Süden des Nachbarlandes angegriffen. Der Schritt folgte auf den Einzug syrischer Soldaten in den mehrheitlich von Drusen bewohnten südlichen Ort Suwaida. 

Israel wolle verhindern, dass Syriens Regierung der drusischen Minderheit Leid zufüge, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz. Zudem wolle das Land eine Entmilitarisierung des grenznahen Gebiets sicherstellen. Die syrischen Regierungstruppen und ihre Waffen stellten eine Gefahr für Israel dar. 

Die Mehrheit der Einwohner Syriens gehört dem sunnitischen Islam an. Doch auch andere Volksgruppen spielen in dem Bürgerkriegsland eine Rolle:

Drusen

Die Religion ist zu Beginn des elften Jahrhunderts aus dem ismailitischen Islam schiitischer Prägung hervorgegangen, gilt aber nicht als islamische Richtung, sondern als eigenständige Religion. Die Drusen sind überzeugt, dass alles von Gott vorbestimmt wird. Man kann nur als Druse geboren werden, Missionierung oder Konvertierung wird kategorisch abgelehnt.

Wie die Schiiten glauben sie an die Rückkehr des Imams, der Gottes Reich auf Erden errichten wird. Im Gegensatz zu Schiiten und Sunniten glauben sie auch an die Seelenwanderung. Radikale Islamisten betrachten die Religion der Drusen als Irrglauben.

Von den weltweit etwa eine Million Anhängern lebt die Mehrheit in Syrien, ebenso etwa in Israel, Jordanien, im Libanon und in den von Israel besetzten Golan-Höhen.

Sunniten

Im Islam gibt es verschiedene Glaubensgruppen, von denen die Sunniten eine der größten ist. Etwa 85 Prozent der Muslime weltweit gehören zum sunnitischen Islam. Der Begriff Sunniten stammt vom arabischen Wort für Überlieferung (Sunna). Sunniten glauben, dass der Kalif durch Konsens und Wahl aus der Gemeinschaft bestimmt werden sollte.

Schiiten hingegen sind überzeugt, dass die Nachfolge in der Familie des Propheten bleiben muss, insbesondere bei Ali, dem Schwiegersohn von Mohammed. Diese Meinungsverschiedenheit führte zu religiösen, politischen und sozialen Unterschieden, die bis heute bestehen.

Im Gegensatz zu den Schiiten folgen die Sunniten den vier islamischen Rechtsschulen, die sich seit dem 9. Jahrhundert als Repräsentanten der prophetischen Sunna und der Gemeinschaft der Muslime etablierten. Sie glauben, dass der Islam so weitergegeben wurde, wie er von den ersten Muslimen praktiziert wurde. Vor dem Syrienkonflikt 2011 machten Sunniten Schätzungen zufolge etwa drei Viertel der syrischen Bevölkerung aus. Da die letzte Volkszählung 1962 stattfand, sind die Zahlen jedoch unsicher.

Alawiten

Die religiöse Minderheit mit schiitischen Wurzeln lebt heute vor allem in Syrien. Ihr Glauben verbindet verschiedene Einflüsse miteinander, darunter Elemente aus dem Islam, Christentum und älteren Religionen. Ihre Religion reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück. Glaubenslehren und religiöse Rituale sind nur eingeweihten Männern zugänglich. Frauen sind von den Zeremonien ausgeschlossen, da sie als sündig gelten. Zu den religiösen Festen gehören unter anderem das persische Neujahr, Weihnachten und das islamische Fastenbrechen.

In Syrien sind die Alawiten seit 1966 politisch einflussreich. Während ein Teil der Religionsgruppe in Syrien an ihrem Glauben und den Ritualen festhält, wenden sich andere dem schiitischen Islam zu. Für die Aleviten in der Türkei und die Alawiten in Syrien spielt zwar die Verehrung Alis eine herausragende Rolle, hinsichtlich ihrer geschichtlichen Traditionslinien, Glaubensvorstellungen, Rituale und Sozialstrukturen überwiegen die Unterschiede jedoch bei weitem.

Jesiden

Der Glaubensgemeinschaft gehören weltweit geschätzt eine Million Menschen an. Die monotheistische Religion ist rund 4000 Jahre alt und vereint Elemente altorientalischer Religionen. Jesiden kennen keine heilige Schrift, sie geben ihren Glauben mündlich weiter.

Im Mittelpunkt ihrer religiösen Symbolik steht die Figur des Pfauenengels (Melek Taus) als Gottes Stellvertreter auf Erden, dessen Geschichte der des gefallenen Engels ähnelt, was dazu geführt hat, dass die Jesiden fälschlicherweise als Teufelsanbeter bezeichnet werden.

Anhänger der Religion gibt es vor allem im Nordirak, aber auch im Iran, in der Türkei und in Syrien. Jesiden werden oft von ihren muslimischen Landsleuten diskriminiert. Zehntausende flohen etwa 2014, als die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) große Gebiete im Nordirak überrannte. Der IS tötete wohl die meisten jesidischen Männer und verkaufte die Frauen als Sklavinnen. Viele Jesiden flohen daraufhin auch aus Syrien.