Weil das Laub noch an den Bäumen hängt: Bauernregel sagt langen Winter vorher

Das Laub hängt noch an den Bäumen.
Henning Kaiser/dpaDer Herbst zeigt sich auch Anfang November vielerorts noch von seiner farbenfrohen Seite. Während sich auf Gehwegen und in Gärten bereits Laubhaufen sammeln, hängen an zahlreichen Bäumen weiterhin gelbe, rote und braune Blätter. Ein Anblick, der gut zu einer alten Bauernregel passt: „Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein.“
Demnach könnte uns ein Winter bevorstehen, der sich bis weit ins kommende Frühjahr zieht. Doch lässt sich aus dem Zeitpunkt des Laubfalls tatsächlich auf die kommenden Wintermonate schließen?
Laubfall in diesem Jahr tatsächlich verzögert
Zumindest die Beobachtung, auf der die Bauernregel beruht, passt zum Herbst 2026. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereits Mitte Oktober berichtete, verlief die herbstliche Blattverfärbung in diesem Jahr etwas später als im langjährigen Durchschnitt.
Normalerweise ist die Blattverfärbung der Stieleiche, die als wichtiger Anhaltspunkt für die jahreszeitliche Entwicklung gilt, etwa Mitte Oktober abgeschlossen. In diesem Jahr zeigte sich jedoch eine Verzögerung. Auch der anschließende Laubfall setzte zunächst nur zögerlich ein.
Nach Angaben des Wetterdienstes ist der Blattfall der Stieleiche im Durchschnitt um den 7. November abgeschlossen. Dass Anfang November noch zahlreiche Blätter an den Bäumen hängen, ist daher nicht grundsätzlich ungewöhnlich. In diesem Jahr könnte sich der Prozess allerdings etwas länger hinziehen.
Warum verlieren die Bäume ihre Blätter später?
Wie lange Bäume ihr Laub behalten, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind vor allem die Tageslänge, die Temperaturen und die Witterung im Herbst.
Werden die Tage kürzer, bereiten sich die Bäume auf die kalte Jahreszeit vor. Sie bauen den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll ab und ziehen wertvolle Nährstoffe aus den Blättern zurück. Dadurch kommen die typischen gelben, orangefarbenen und roten Herbstfarben zum Vorschein.
Kühle Nächte können diesen Vorgang beschleunigen. Bleibt es hingegen vergleichsweise mild, kann sich die Blattverfärbung verzögern. Auch der anschließende Laubfall kann später einsetzen.
Bauernregel verspricht langen Winter – doch stimmt das?
Bauernregeln entstanden aus jahrhundertelangen Beobachtungen der Natur. Lange bevor moderne Wettermodelle zur Verfügung standen, versuchten die Menschen, aus wiederkehrenden Erscheinungen Rückschlüsse auf die kommenden Wochen und Monate zu ziehen.
Die Regel vom späten Laubfall gehört zu diesen überlieferten Wetterweisheiten. Sie deutet darauf hin, dass ein langer Herbst einen ebenso langen Winter nach sich ziehen könnte.
Wissenschaftlich belegen lässt sich dieser Zusammenhang allerdings nicht. Der Deutsche Wetterdienst weist ausdrücklich darauf hin, dass die Bauernregel auf keiner belastbaren Grundlage steht. Aus dem Zeitpunkt des Laubfalls lässt sich weder zuverlässig auf die Dauer noch auf die Strenge des kommenden Winters schließen.
Ein milder Herbst bedeutet also nicht automatisch, dass die Kälte später besonders lange anhält.
Auch der Martinstag spielt bei Bauernregeln eine Rolle
Eine weitere überlieferte Wetterregel nimmt den 11. November in den Blick: „Wenn’s Laub nicht vor Martini fällt, kommt eine große Winterkält’.“
Mit Martini ist der Martinstag gemeint. Auch bei dieser Regel soll lange an den Bäumen verbleibendes Laub auf einen kalten Winter hindeuten.
Ob die Bäume bis dahin einen Großteil ihrer Blätter verloren haben werden, bleibt abzuwarten. Für Naturbeobachter ist der Martinstag jedenfalls ein weiterer interessanter Zeitpunkt, um den Verlauf des Herbstes zu verfolgen.
Wie wird der Winter 2026/2027?
Ob der bevorstehende Winter besonders lang, kalt oder schneereich wird, lässt sich aus dem Laubfall nicht ableiten. Dafür spielen zu viele andere Faktoren eine Rolle, darunter großräumige Luftströmungen, die Entwicklung von Hoch- und Tiefdruckgebieten sowie die Temperaturen von Meeren und Atmosphäre.
Fest steht bislang nur: Die herbstliche Entwicklung der Vegetation hat sich 2026 etwas verzögert. Damit passt der diesjährige Herbst durchaus zu der alten Bauernregel.
