Wetter-Aussichten
: Hagel-Chaos im Norden: Ist jetzt der Südwesten an der Reihe?

Zerbeulte Autos, kaputte Dächer: Im Norden Deutschlands hat schwerer Hagel große Zerstörungen angerichtet. Sogar Radlader mussten zum Räumen anrücken. Drohen jetzt auch im Südwesten ähnliche Unwetter?
Von
Markus Brauer
Heidenau/Stuttgart
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 Hagelkörner liegen auf einer Fahrbahn bei Wagenfeld in Niedersachsen, während sich ein Blitz im Hintergrund entlädt. Schwere Unwetter sind über Teilen Niedersachsens niedergegangen.

Hagelkörner liegen auf einer Fahrbahn bei Wagenfeld in Niedersachsen, während sich ein Blitz im Hintergrund entlädt. Schwere Unwetter sind über Teilen Niedersachsens niedergegangen.

Thomas Lindemann/Nord-West-Media TV /dpa
  • Schwere Unwetter mit bis tennisballgroßem Hagel trafen Teile von Niedersachsen und MV.
  • In Heidenau wurden Autoscheiben zerstört, Dächer beschädigt – zahlreiche Notrufe gingen ein.
  • Im Landkreis Ludwigslust-Parchim lag Hagel wie Schnee, Räumung mit Radladern – keine Verletzten.
  • Baden-Württemberg bleibt heiß, doch das Wetter wird wechselhaft mit Gewittergefahr.
  • DWD: Ab Nachmittag starke Gewitter möglich – teils Starkregen, orkanartige Böen und Hagel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bis zu tennisballgroße Hagelkörner sind bei Unwettern in Norddeutschland gefallen. Im niedersächsischen Heidenau (Landkreis Harburg) zertrümmerten laut Polizei die zentimetergroßen Körner unter anderem Scheiben von Autos und schlugen Dellen in den Lack. Auf Videos war zu sehen, dass auch Dächer teils stark beschädigt wurden.

„Es hat alles kaputt gemacht“, sagt eine Anwohnerin r zu dem ungewöhnlich starken Hagel. Die Körner seien über ihr Mehrfamilienhaus und den Balkon gezischt. „Es ist nichts mehr heile, es regnet durchs Dach, in die Wohnungen rein.“ Das nagelneue Auto ihres Mitbewohners sei nun „Schrott“. „Ich wohne jetzt 18 Jahre in Heidenau, ich habe so was noch nie erlebt, so ein Chaos.“

In Niedersachsen gingen laut Polizei allein am Montagabend zwischen 21 Uhr und 1 Uhr in der Nacht rund 250 Notrufe deswegen ein. Die Feuerwehr rückte gut 600 Mal in dem Bundesland aus, wie es weiter heißt.

Wie winterlicher Schneefall

Tennisballgroße Hagelkörner haben sich im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Boden angesammelt, so dass der Hagel mit Radladern weggeräumt werden musste, teilt die Leitstelle Westmecklenburg mit. Es habe ausgesehen wie nach winterlichem Schneefall. Über Verletzte war der Leitstelle nichts bekannt, auch zu Sachschäden konnte sie zunächst keine Angaben machen.

In dem Landkreis gingen innerhalb einer Stunde etwa 168 wetterbedingte Notrufe ein, wie ein Sprecher der Leitstelle berichtet. Die Feuerwehr musste Keller auspumpen und umgestürzte Bäume beseitigen.

Ein Mann zeigt Hagelkörner nach dem Unwetter bei Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern

Ein Mann zeigt Hagelkörner nach dem Unwetter bei Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern

Ralf Drefin/SWM DV Studio/dpa

Auch im Südwesten drohen Schauer

In Baden-Württemberg bleibt es der Wettervorhersage zufolge zwar zunächst hochsommerlich, ganz durchgehend sonnig dürfte es aber nicht werden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet zunehmend wechselhaftes Wetter. Und im Laufe der Woche könnten die Temperaturen etwas zurückgehen.

Am heutigen Dienstag (14. Juli) liegen die Temperaturen demnach bei bis zu 35 Grad, doch es scheint nicht mehr überall von früh bis spät die Sonne. Insgesamt soll es wechselhafter werden, wie ein DWD-Sprecher mitteilt.

Am Dienstagvormittag kann es laut DWD von West nach Ost gebietsweise leichte Gewitterschauer geben, örtlich aber auch Starkregen. Ab Nachmittag wird sogar mit starken Gewittern gerechnet. Vor allem im Mittelgebirgsraum sind auch Unwetter durch heftigen Starkregen, orkanartige Böen und Hagel möglich.

Gegen Ende der Woche wird es frischer

Am Mittwoch (15. Juli) bleibt es den Wetterfachleuten nach teils sonnig, teils wolkig. Im Laufe des Tages kommen stellenweise auch Unwetter mit heftigem Starkregen vor. Die Höchstwerte liegen dabei zwischen 24 und 32 Grad.

Der Donnerstag (16. Juli) wird dann etwas freundlicher: Schauer und Gewitter ziehen dann wohl vor allem übers Bergland.

Am Freitag (17. Juli) kann man sich den Angaben zufolge flächendeckend mehr Wolken vorstellen  und die Temperaturen gehen in den hohen Lagen auf etwa 24 Grad zurück.

Gewitter- und Regenwolken bilden sich hinter einem Getreidefeld bei Uttenweiler in baden-Württemberg.

Gewitter- und Regenwolken bilden sich hinter einem Getreidefeld bei Uttenweiler in baden-Württemberg.

Thomas Warnack/dpa

Wie entsteht Hagel?

Voraussetzung für Hagel sind Gewitterwolken. Diese bilden sich, wenn zwischen der Luft direkt über dem Boden und der Atmosphäre ein großer Temperaturunterschied herrscht – also vor allem im Sommer, wenn die Sonne den Erdboden erwärmt.

Während wir unten schwitzen, herrschen in bis zu elf Kilometern Höhe eisige Minusgrade. Dadurch können sich innerhalb der Wolke starke Aufwinde bilden, die entscheidend für die Entstehung von Hagel sind.

So entsteht Hagel.

So entsteht Hagel.

dpa-Infografik

Am warmen Erdboden verdampft Wasser, das in der kühlen Atmosphäre wieder kondensiert. Durch die herrschenden Aufwinde werden die Wassertröpfchen höher und höher getragen, bis sie zu Eiskristallen gefrieren. Das schwere Eisteilchen fällt durch die Schwerkraft hinab und wird durch die Aufwinde immer wieder nach oben geschleudert.

Bei jedem Vorgang wächst die Eisschicht, die Körner werden größer und größer, bis sie schließlich zu schwer werden, um von den Aufwinden getragen zu werden. Sie fallen als Hagel hinab. (mit dpa-Agenturmaterial)