Wie geht es dem Papst?
: „Krankenhaus der Päpste“ – das passiert mit Leo XIV. in der Gemelli-Klinik

Erneut blickt die katholische Welt auf die Gemelli-Klinik in Rom. Papst Leo XIV. lässt sich dort an der Lunge operieren. In dem Krankenhaus ist für einen kranken Pontifex immer ein Bett frei.
Von
Markus Brauer
Rom
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Papst Leo XIV. ist erst ein Jahr im Amt - und schon sorgt sich die Weltkirche ernsthaft um seine Gesundheit.

Papst Leo XIV. ist erst ein Jahr im Amt – und schon sorgt sich die Weltkirche ernsthaft um seine Gesundheit.

Gregorio Borgia/AP/dpa
  • Papst Leo XIV. wird in der Gemelli-Klinik an der Lunge operiert – Schutzmaßnahmen gelten.
  • Die übliche Papst-Suite wird renoviert, daher nutzt er neu hergerichtete Räume auf derselben Etage.
  • Sicherheitskräfte sichern Klinik und Umfeld, ein selektives Flugverbot gilt ab Dienstagmorgen.
  • Patientendaten werden speziell verschlüsselt, die Gendarmerie kontrolliert die Zugänge.
  • Bei Ausfall regiert er vom Krankenzimmer; Parolin und Rudelli bereiten Akten zur Unterschrift vor.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Anders als seine Vorgänger wird Papst Leo XIV. in den kommenden Tagen nicht in der üblichen „Papst-Abteilung“ der römischen Gemelli-Klinik untergebracht sein.

Wie die römische Tageszeitung „Il Messaggero“ am Dienstag (13. Oktober) berichtet, wird diese aus mehreren Räumen und einer Kapelle bestehende Suite im zehnten Stock derzeit renoviert. Zuletzt hatte der an einer beidseitigen Lungenentzündung erkrankte Papst Franziskus (Amtszeit von 2013 bis 2025) dort im Februar und März 2025 fünf Wochen verbracht.

Flugverbot und Datenschutz

Wie die Zeitung weiter berichtet, wurden in der Klinik auf derselben Etage neue Räume für Papst Leo XIV. hergerichtet. Auch sie sind demnach durch strenge Zugangskontrollen der vatikanischen Gendarmerie abgeschirmt. Sicherheitsbeamte in Uniform und in Zivil kontrollierten zudem die Umgebung und den Eingangsbereich der Klinik.

Andere Sicherheitsmaßnahmen beinhalten dem Bericht zufolge ein selektives Flugverbot in der Umgebung der Klinik, das am Dienstagmorgen in Kraft treten sollte. Um die Patientendaten des Papstes gegen Hacker-Angriffe zu schützen, würden diese in besonderer Weise digital verschlüsselt.

Klinik der kranken Heiligen Väter

Die Gemelli-Klinik in Rom ist seit Jahrzehnten für die Behandlung von Päpsten zuständig. Das Krankenhaus auf dem Hügel Monte Mario im Nordwesten der italienischen Hauptstadt liegt nur fünf Kilometer Luftlinie vom Vatikan, dem kleinen katholischen Kirchenstaat, entfernt. Wegen ihrer besonderen Rolle wird die Klinik oft als „Krankenhaus der Päpste“ bezeichnet.

Das Policlinico Universitario Agostino Gemelli ist das Lehrkrankenhaus der Katholischen Universität Sacro Cuore (Heiliges Herz). Es wurde 1964 gegründet und gilt als eines der besten Krankenhäuser Italiens. Benannt ist die Klinik nach dem Franziskanerpater und Mediziner Agostino Gemelli (1878-1959).

Johannes Paul II. und Franziskus waren nicht selten dort

Die Tradition, dass Päpste im Gemelli behandelt werden, besteht seit der Amtszeit von Johannes Paul II. Als Patient war er zehnmal dort, das erste Mal nach dem Attentat auf ihn 1981. In seinen letzten Lebensjahren war der polnische „Jahrhundertpapst“ oftmals sehr krank und Patient dort.

Auch Leos Vorgänger Franziskus war nicht selten in der Klinik. Erstmals 2021 für eine Darmoperation. Im März 2023 wurde er dort wegen einer Lungenentzündung behandelt, im Juni unterzog er sich einer Bauchoperation. Im Frühjahr 2025 war er dort für mehr als fünf Wochen wegen einer beidseitigen Lungenentzündung. Einen Monat nach seiner Entlassung starb er im Vatikan.

Das Policlinico Universitario Agostino Gemelli ist das Lehrkrankenhaus der Katholischen Universität Sacro Cuore (Heiliges Herz). Es wurde 1964 gegründet und gilt als eines der besten Krankenhäuser Italiens. Benannt ist die Klinik nach dem Franziskanerpater und Mediziner Agostino Gemelli (1878-1959).

Das Policlinico Universitario Agostino Gemelli ist das Lehrkrankenhaus der Katholischen Universität Sacro Cuore (Heiliges Herz). Es wurde 1964 gegründet und gilt als eines der besten Krankenhäuser Italiens. Benannt ist die Klinik nach dem Franziskanerpater und Mediziner Agostino Gemelli (1878-1959).

Andrew Medichini/AP/dpa

Was geschieht bei längerer Ausfallzeit?

Die entscheidende Frage lautet nun: Ist der kleine Knoten in seiner Lunge doch gefährlicher als zunächst gedacht? Und wird er sein anstrengendes Reiseprogramm durchhalten können, oder sollte er sich lieber länger schonen? Neben diesen bangen Sorgen beschäftigt viele Menschen noch eine andere Frage: Wie geht es weiter im Vatikan, wenn ein Papst länger ausfällt?

Als älteste Wahlmonarchie der Welt hat der Vatikan Erfahrung mit solchen Phasen. In den letzten Lebensmonaten von Papst Franziskus waren sie, wie schon einst unter Johannes Paul II. (1978-2005), beinahe alltäglich. Das Oberhaupt der katholischen Christenheit war nur noch begrenzt handlungsfähig, Tod oder Rücktritt schienen damals jederzeit denkbar.

Was in kürzeren oder längeren Ausfallzeiten des Papstes geschieht, ist in der katholischen Kirche relativ klar, aber nicht restlos geregelt. Dazu zählt der Grundsatz, dass es für den Kern des Papstamtes keine Stellvertretung gibt.

Deshalb müssen wichtige Audienzen mit Staatsoberhäuptern oder Regierungschefs schlichtweg verschoben werden. Aber auch da gibt es Ausnahmen, wie es Italiens Premierministerin Giorgia Meloni in der Spätphase von Papst Franziskus vormachte. Im Februar 2025 schaute sie auf eigene Faust in der Klinik vorbei, um dem schwerkranken Papst gute Besserung zu wünschen – und niemand verwehrte es ihr.

Regieren vom Krankenzimmer

Ansonsten wird erwartet, dass Leo XIV. in der vorerst auf eine Woche veranschlagten Erholungsphase die Weltkirche vom Krankenzimmer aus regiert. Erzbischof Paolo Rudelli, seit April als Substitut – eine Art Kanzleramtsminister – die Nummer drei im Vatikan, kann dem Kirchen- und Staatsoberhaupt dringliche Ernennungen und Dekrete in der Gemelli-Klinik zur Unterschrift vorlegen.

Ähnliches gilt auch für Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Da Leo XIV. der erste Papst mit Smartphone-Kompetenz ist, könnte er zudem einige Dinge, die keine päpstliche Unterschrift erfordern, auch per Mail oder Messengerdienst regeln.

Sonderfall Koma

Aber was passiert, wenn der Papst infolge von Narkose oder OP längere Zeit nicht ansprechbar sein oder gar ins Koma fallen sollte? Parolin wäre im Fall einer dauerhaften Verhinderung des Papstes vermutlich eine Schlüsselfigur.

Unklar ist, ob der noch vergleichsweise junge Papst Leo XIV. – so wie mehrere seiner Vorgänger – bereits zu Beginn seines Pontifikats beim Kardinalstaatssekretär die berühmte „bedingte Rücktrittserklärung“ hinterlegt hat. Sie träte dann in Kraft, wenn der Papst dauerhaft handlungsunfähig wäre.

Ein solcher Fall ist in der Praxis allerdings noch nie eingetreten. Deshalb ist unter Kirchenrechtlern umstritten, wer einer solchen Erklärung zustimmen müsste. Mindestens, das ist Konsens, der Dekan des Kardinalskollegiums, das ist seit vergangener Woche Kurienkardinal Luis Tagle (69) von den Philippinen. Der Ranghöchste im Kardinalskollegium hätte beim Rücktritt wie auch beim Tod des Papstes die Aufgabe, die Kardinäle aus aller Welt nach Rom zusammenzurufen, um einen neuen Papst zu wählen. (mit dpa/KNA)