Karte: Wieder Südamerika
: In Kolumbien bebt die Erde: Was wir bisher wissen

Das schwere Erdbeben der Stärke 7,4 trifft vor allem den Westen des südamerikanischen Landes. Unter den Trümmern vieler Gebäude werden Menschen vermutet. Die Zahl der Toten dürfte noch steigen.
Von
Markus Brauer
Bogotà
Jetzt in der App anhören
Neben Cali sind unter anderem auch die Städte Pereira und Manizales stark getroffen worden. Allein Pereira verzeichnete nach jüngsten Angaben der Stadtverwaltung bisher 66 Tote und damit die meisten Opfer.

Neben Cali sind unter anderem auch die Städte Pereira und Manizales stark getroffen worden. Allein Pereira verzeichnete nach jüngsten Angaben der Stadtverwaltung bisher 66 Tote und damit die meisten Opfer.

Imago/Anadolu Agency
  • Kolumbien trifft ein Erdbeben der Stärke 7,4 – der Westen ist besonders betroffen.
  • Asocapitales meldet 132 Tote und Hunderte Verletzte, die Zahl dürfte weiter steigen.
  • Cali, Pereira und Manizales melden schwere Schäden; viele Menschen gelten als vermisst.
  • In Cali stürzten drei Krankenhäuser und etwa 40 Gebäude ein, 188 Personen werden vermisst.
  • Regierung ruft den Notstand aus, Flughäfen sind teils außer Betrieb, Nachbeben wurden registriert.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Stärke von 7,4

Schwankende Autos, klirrende Fensterscheiben, einstürzende Gebäude: Kolumbien ist von einem der schwersten Erdbeben der vergangenen Jahrzehnte mit einer Stärke von 7,4 heimgesucht worden. Die Zahl der Toten gab der gerade erst vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella am Montag (10. August) während eines Krisentreffens mit 111 an.

Der kolumbianische Verbund Asocapitales - ein Zusammenschluss der größten Städte des Landes - sprach in der Nacht zum Dienstag (11. August) bereits von 132 Toten und Hunderten Verletzten. Die Zahl dürfte noch deutlich steigen.

In der betroffenen Region im Westen des Landes rund um das Epizentrum nahe San José del Palmar brachte das Beben zahlreiche Gebäude entweder ganz zum Einsturz oder beschädigte sie. Unter vielen Trümmern werden noch Menschen vermutet. Alleine in der Millionenstadt Cali, die südlich des Epizentrums liegt, würden 188 Menschen vermisst, erklärte De la Espriella. „Darauf werden sich jetzt all unsere Kräfte konzentrieren.“

Erstes Krisenmanagement des neu gewählten Präsidenten

Neben Cali sind unter anderem auch die Städte Pereira und Manizales stark getroffen worden. Allein Pereira verzeichnete nach jüngsten Angaben der Stadtverwaltung bisher 66 Tote und damit die meisten Opfer. Elf weitere Menschen würden vermisst, 53 gelten als verschüttet. 58 Gebäude seien komplett eingestürzt.

Die Zahl der Opfer in Cali bezifferte De la Espriella mit 35 Toten und etwa 700 Verletzten. Drei Krankenhäuser und etwa 40 Gebäude stürzten seinen Worten zufolge völlig ein.

Allein in der Millionenstadt Cali, die südlich des Epizentrums liegt, werden 188 Menschen vermisst.

Allein in der Millionenstadt Cali, die südlich des Epizentrums liegt, werden 188 Menschen vermisst.

Imago/Anadolu Agency

Auch der Flughafen der Stadt am Rande des großen Kaffeeanbaugebietes Eje Cafetero sei nur noch eingeschränkt betriebsbereit. Cali selbst ist für die vielen Salsa-Schulen bekannt und ein beliebtes Reiseziel auch für Touristen aus Europa. Regierung und lokale Behörden mobilisierten alle Ressourcen und arbeiteten ungeachtet politischer Differenzen zusammen, sagte De la Espriella weiter.

Für den rechten Politiker, der vor seiner Wahl auf die Unterstützung von US-Präsident Donald Trump zählen konnte, ist die Naturkatastrophe die erste große Bewährungsprobe. „An erster Stelle steht die Rettung der Menschen, die unter den Trümmern begraben sind“, teilte der Staatschef mit. Er suchte gleich mehrere stark getroffene Städte hintereinander auf. Seine Regierung rief den Notstand aus.

Beben auch in Nachbarländern zu spüren

Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit nahe San José del Palmar im Departamento Chocó im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern, wie Kolumbiens Geologischer Dienst mitteilt.

Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Die Erschütterungen waren ebenfalls in Kolumbiens weiter östlich gelegenen Hauptstadt Bogotá sowie in den Städten Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.

Der kolumbianische Verbund Asocapitales - ein Zusammenschluss der größten Städte des Landes - spricht von 132 Toten und Hunderten Verletzten. Die Zahl dürfte noch deutlich steigen.

Der kolumbianische Verbund Asocapitales - ein Zusammenschluss der größten Städte des Landes - spricht von 132 Toten und Hunderten Verletzten. Die Zahl dürfte noch deutlich steigen.

Imago/Anadolu Agency

„So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt“

In den Straßen schwankten Autos, Fensterscheiben klirrten und Menschen verließen panisch ihre Häuser. „Zuerst dachte ich, es wäre etwas Leichtes. Aber als es dann immer stärker wurde und nicht aufhörte, dachte ich, wir würden sterben“, schildert eine Frau aus Manizales dem Sender „La FM“ den Moment des Bebens.

„Ein Teil meines Hausdachs ist eingestürzt und die Wände sind rissig“, erzählt Juan Bernal aus der Stadt Armenia. Selbst im mehrere hundert Kilometer vom Epizentrum entfernten Bogotá war die Erschütterung noch deutlich zu spüren: „Die ganze Wohnung, das ganze Gebäude hat geschwankt. So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt“, berichtet Kristin Wesemann von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit nahe San José del Palmar im Departamento Chocó im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern.

Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit nahe San José del Palmar im Departamento Chocó im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern.

Imago/Anadolu Agency

Anwohner helfen bei der Suche nach Überlebenden

„Wir haben hier ein vierstöckiges Gebäude, das vollständig eingestürzt ist. Wir haben bereits drei Personen lebend bergen können“, berichtet in Cali der diensthabende Feuerwehrchef im Viertel La Alameda gegenüber dem Sender „Caracol“. Zahlreiche Anwohner helfen demnach bei der Suche nach Erdbebenopfern in den Trümmern.

Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Manizales wurde auch die Kathedrale schwer beschädigt.

Die Erschütterungen waren ebenfalls in Kolumbiens weiter östlich gelegenen Hauptstadt Bogotá sowie in den Städten Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.

Die Erschütterungen waren ebenfalls in Kolumbiens weiter östlich gelegenen Hauptstadt Bogotá sowie in den Städten Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen.

Imago/Anadolu Agency

Experten: Kein Zusammenhang mit starken Beben in Venezuela

Das Beben in Kolumbien erinnerte an die schweren Erdstöße im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschütterten am 24. Juni innerhalb von wenigen Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen ums Leben.

Einen Zusammenhang sieht der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) indes nicht. Die beiden Beben wurden demnach durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela war die Karibische Platte beteiligt, in Kolumbien die vor der Pazifikküste liegende Nazca-Platte.

Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb.

Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb.

Imago/Anadolu Agency

Frühere Erdbeben in Kolumbien

Das zuvor heftigste Erdbeben ereignete sich 1958 vor der Küste zwischen Ecuador und Kolumbien mit einer Stärke von 7,6. Dabei kamen laut Geologischem Dienst lediglich 15 Menschen ums Leben.

Im Jahr 1999 wiederum waren in der Stadt Armenia und nahe gelegenen Gemeinden bei einem Erdbeben der Stärke 6,1 mehr als Tausend Menschen ums Leben gekommen. (Text: dpa-Agenturmaterial)