Wohnung sollte nicht auskühlen: Ab wann heizen, um Schimmel zu vermeiden?

Wie beugt man dem Schimmel vor?
Catherine Waibel/dpa-tmn/dpaUm Schimmel vorzubeugen, sollte man nicht nach Kalender oder Außentemperatur heizen, sondern nach der Temperatur in der Wohnung. Regelmäßig genutzte Wohnräume sollten möglichst nicht unter etwa 18 Grad abkühlen. Für Schlafzimmer und wenig genutzte Räume gelten rund 16 Grad als untere Grenze. In schlecht gedämmten Gebäuden kann es sinnvoll sein, früher beziehungsweise stärker zu heizen.
Was empfiehlt das Umweltbundesamt?
Das Umweltbundesamt (UBA) beschäftigt sich ausführlich mit der Vermeidung von Schimmel in Wohnungen. Im aktuellen Schimmelleitfaden heißt es, dass Raumtemperaturen von 16 bis 18 Grad im Allgemeinen ausreichen können, um Feuchte- und Schimmelprobleme zu vermeiden. Wenig oder gar nicht genutzte Räume sollten trotzdem etwas beheizt werden.
Für bewohnte Räume fällt die Empfehlung des UBA vorsichtiger aus. In seinen Hinweisen zur Absenkung der Raumtemperatur warnt das Amt davor, Wohnräume während der Heizperiode auf weniger als 16 bis 18 Grad abkühlen zu lassen. Dadurch könne das Schimmelrisiko teilweise deutlich steigen. Das UBA empfiehlt deshalb für Wohnungen tagsüber mindestens etwa 19 bis 20 Grad und nachts ungefähr 18 Grad.
Für Schlafzimmer nennt das Umweltbundesamt eine konkrete Untergrenze: Die Raumtemperatur sollte möglichst nicht unter 16 Grad sinken.
Auch andere Behörden nennen 16 bis 18 Grad
Die Werte des Umweltbundesamtes sind kein Einzelfall. Empfehlungen anderer Behörden bewegen sich in einem sehr ähnlichen Bereich.
Die Hamburger Behörde für Justiz und Verbraucherschutz empfiehlt ausdrücklich, Wohnräume auf mindestens 16 Grad zu heizen. Für Schlafzimmer nennt sie 16 bis 18 Grad, für Wohnzimmer rund 20 Grad. Bei schlecht gedämmten Gebäuden können laut Behörde höhere Mindesttemperaturen notwendig sein.
Auch die Länderarbeitsgruppe Umweltbezogener Gesundheitsschutz (LAUG) nennt eine leicht verständliche Faustregel: Die Temperatur sollte tagsüber über 18 Grad und nachts über 16 Grad liegen. Die Empfehlung wird unter anderem vom Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales veröffentlicht.
Ähnlich äußert sich das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Es empfiehlt, alle Räume zu beheizen und die Temperatur nicht unter 16 Grad fallen zu lassen, weil niedrigere Temperaturen die Schimmelbildung begünstigen können. Für Schlafzimmer werden 16 bis 18 Grad genannt.
Warum erhöht Kälte das Schimmelrisiko?
Die Temperatur ist deshalb wichtig, weil bei niedrigen Raumtemperaturen auch Wände, Ecken und andere Oberflächen kälter werden.
Trifft warme und feuchte Raumluft auf eine kalte Außenwand, steigt dort die relative Feuchtigkeit. Im ungünstigen Fall bildet sich Kondenswasser. Für Schimmel ist vor allem diese Feuchtigkeit an der Oberfläche entscheidend. Das Umweltbundesamt nennt kalte Wände durch Wärmebrücken, schlechte Dämmung oder falsches Heizverhalten ausdrücklich als mögliche Ursache für Schimmelbildung.
Deshalb lässt sich auch keine Temperatur nennen, die in jedem Gebäude garantiert vor Schimmel schützt. In einem gut gedämmten Neubau können 17 Grad unproblematisch sein. In einem unsanierten Altbau kann eine Außenwand dagegen bereits bei 18 oder 19 Grad Raumtemperatur so kalt sein, dass sich dort Feuchtigkeit sammelt.
Heizen allein reicht nicht
Neben der Temperatur spielt die Luftfeuchtigkeit eine zentrale Rolle. Durch Duschen, Kochen, Wäschetrocknen und selbst durch Atmen gelangt ständig Feuchtigkeit in die Raumluft.
Die Hamburger Verbraucherschutzbehörde empfiehlt beispielsweise eine relative Luftfeuchtigkeit von ungefähr 40 bis 60 Prozent. Dauerhaft hohe Werte sollten vermieden werden. Regelmäßiges Stoß- oder Querlüften hilft, die entstandene Feuchtigkeit nach draußen zu transportieren.
Ein einfaches Hygrometer ist deshalb mindestens ebenso nützlich wie ein Thermometer.
Ab wann sollte man die Heizung einschalten?
Eine bestimmte Außentemperatur oder ein bestimmtes Datum lässt sich dafür nicht sinnvoll festlegen. Maßgeblich ist die Temperatur in der Wohnung.
Sinken regelmäßig genutzte Räume dauerhaft in Richtung 18 Grad, sollte man mit dem Heizen beginnen. Schlafzimmer und wenig genutzte Räume sollten möglichst nicht unter etwa 16 Grad auskühlen.
Besonders in älteren oder schlecht gedämmten Häusern sollte man nicht bis zu dieser Untergrenze warten. Dort sind Außenwände und Raumecken häufig deutlich kälter als die gemessene Raumluft.
Als praktische Faustregel lassen sich die Empfehlungen der Behörden deshalb so zusammenfassen:
Wohnräume bei mindestens 18 Grad halten, Schlafzimmer und wenig genutzte Räume nicht dauerhaft unter 16 Grad auskühlen lassen und gleichzeitig auf eine moderate Luftfeuchtigkeit achten. Bei schlecht gedämmten Gebäuden ist etwas mehr Wärme sinnvoll.
