Alpenidyll
: So süß sind die kleinen Wölfe von Liechtenstein

Ein turbulenter Morgen im Bergwald: Welpen beim Spielen ertappt. In Liechtenstein ist man stolz, doch ein Nachbarland könnte womöglich die Jagd eröffnen.
Von
Michael Maier
Malbun
Falknisrudel

In Liechtenstein hat ein Wildhüter erstmals Wolfswelpen dokumentiert.

Fürstentum Liechtenstein

Das Fürstentum Liechtenstein erlebt eine echte Naturpremiere. Was sich wochenlang wie ein leiser Verdacht durch den Kleinstaat zog, ist nun offiziell und begeistert Naturbegeisterte weit über die Grenzen hinaus. Liechtenstein hat sein allererstes bestätigtes Wolfsrudel, und der niedliche Nachwuchs verzaubert das gesamte Land. Mitte August gelang dem Wildhüter Dominik Frick ein spektakulärer Nachweis. Rund eine halbe Stunde lang durfte er aus sicherer Distanz beobachten, wie sechs tapsige Wolfswelpen neugierig das Gelände erkundeten, zwischen Felsen und Nadelbäumen fangen spielten und ausgelassen wuselten.

Es herrschte ein regelrechtes Durcheinander, denn ein Haufen herumtollender Jungwölfe sei gar nicht so einfach zu zählen, schilderte der Wildhüter seine Beobachtung in lokalen Medien. Fachleute schätzen das Alter der munteren Rasselbande auf etwa zwölf bis sechzehn Wochen. In diesem Alter verlassen junge Wölfe ihre Wurfhöhle und ziehen auf sogenannte Rendezvous-Plätze um. Das sind gut geschützte Treffpunkte im Dickicht, an denen sie spielen und lernen, während die Eltern auf Nahrungssuche unterwegs sind.

Wolfsromanze in den Alpen

Ganz überraschend kam der Kindersegen allerdings nicht, denn die Entwicklung bahnte sich über Monate an:

  • Die Anbahnung (Februar bis April 2026): Bereits seit Ende des Winters tappten immer wieder zwei Wölfe gemeinsam in Fotofallen. DNA Analysen zeigten: Es handelte sich um den erfahrenen Rüden M411 und die neu zugewanderte Wölfin F369.
  • Das Indiz (Juli 2026): Als der Wildhüter die Fähe im Juli vor die Linse bekam, fielen ihm deutlich angeschwollene Milchleisten auf, denn das Weibchen war eindeutig laktierend und säugte Junge.
  • Der Fotobeweis (August 2026): Nun folgte der endgültige und unumstößliche Nachweis mit dem ersten Welpen-Foto – insgesamt sind es sechs.

Willkommen im Falknisrudel

Da Wölfe keine Landesgrenzen kennen und ihre Territorien oft weit über hundert Quadratkilometer umfassen, erhalten Rudel in internationalen Registern traditionell die Namen markanter Berge ihres Streifgebiets. In enger Abstimmung zwischen Liechtenstein und den Nachbarbehörden im Schweizer Kanton Graubünden wurde das Rudel auf den Namen Falknisrudel getauft. Namensgeber ist der markante Berggipfel Falknis an der Grenze zum Bündner Rheintal.

Schutz der Jungtiere geht vor

Wo genau sich die sechs Jungwölfe aufhalten, behält das Amt für Wald, Natur und Landwirtschaft streng für sich. Um die junge Familie vor Schaulustigen, Fotografen und unnötiger Unruhe zu schützen, bleibt der genaue Aufenthaltsort geheim.

Für die Jungtiere beginnt nun die Zeit des Heranwachsens. Sie müssen kräftiger werden und lernen, wie das Überleben im Hochgebirge funktioniert, bevor der erste alpine Winter einbricht. Erst nach etwa ein bis zwei Jahren werden die Jungwölfe schrittweise das elterliche Revier verlassen, um eigene Wege zu gehen.

Wolf-Europaeischer Grauwolf in Deutschland in Aktion. Wolf-Grauwolf *** Wolf: European Gray Wolf in Action in Germany Wolf: Gray Wolf

Wolfsmahlzeit in freier Natur – hier in Neuhaus am Rennweg (Thüringen).

IMAGO/Martin Wagner

Tirol lässt Wölfe wieder abschießen

So herzerwärmend die Bilder der kleinen Welpen sind, so klar ist auch, dass mit der ersten Rudelbildung ein neues Kapitel für die Region beginnt. Die dauerhafte Anwesenheit einer Wolfsfamilie erfordert künftig eine noch engere Zusammenarbeit beim Herdenschutz und klare Maßnahmen für die Alpwirtschaft. Das vor einigen Jahren aktive Calanda-Rudel im benachbarten Graubünden hatte aufgrund seiner Schafsrisse in der Bevölkerung nicht nur Fans. Mittlerweile ist es laut Naturbeobachtern allerdings wieder von der Bildfläche verschwunden.

In Tirol und Vorarlberg werden unterdessen großzügig Abschussgenehmigungen für Wölfe erteilt, was regelmäßig zu Diskussionen und Beschwerden von Tierschützern führt. Den neu geborenen Tieren könnte das eines Tages zum Verhängnis werden, denn ihr Revier im Dreiländereck grenzt unmittelbar auch an Österreich an.