25 Jahre nach den Anschlägen
: Mamdani öffnet 9/11-Akten und erhebt schwere Vorwürfe

New York veröffentlicht Akten über giftige Luft am Ground Zero, mögliche Versäumnisse der Behörden und den jahrelangen Kampf Erkrankter um Anerkennung.
Von
Katrin Jokic
Berlin
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25 Jahre nach dem 11. September 2001: ARCHIV - 11.09.2001, USA, New York: Rauch steigt aus den brennenden Zwillingstürmen des World Trade Center auf, nachdem entführte Flugzeuge in die Türme in Manhattan geflogen sind. (zu dpa: «Erinnerungen an 9/11: Als die Welt aus den Fugen geriet») Foto: Richard Drew/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Rauch steigt aus den brennenden Zwillingstürmen des World Trade Center auf, nachdem entführte Flugzeuge in die Türme in Manhattan geflogen sind.

Richard Drew/AP/dpa

23 Polizisten des NYPD starben am 11. September 2001. Seitdem kamen nach Angaben von New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani 450 weitere an Krankheiten ums Leben, die mit den Anschlägen und den Aufräumarbeiten in Verbindung gebracht werden. Bei der Feuerwehr FDNY starben am Tag der Anschläge 343 Einsatzkräfte, mehr als 600 weitere erlagen später 9/11-bedingten Erkrankungen.

Kurz vor dem 25. Jahrestag erinnert Mamdani damit an jene, die nach den Anschlägen über Wochen und Monate am Ground Zero arbeiteten. Während Tausende Menschen vor den einstürzenden Türmen flohen, seien Polizisten und Feuerwehrleute in Richtung der Gefahrenzone gelaufen, schrieb der Bürgermeister. Viele kehrten anschließend Tag für Tag zurück, suchten nach Vermissten, räumten Trümmer und halfen beim Wiederaufbau der Stadt.

170.000 Seiten sollen zeigen, was die Stadt wusste

Nun will New York erstmals einen umfassenden Einblick darin geben, was die Stadtverwaltung damals über die Gefahren wusste. Mamdani hat ein öffentliches Portal mit zunächst rund 170.000 Seiten an Dokumenten freischalten lassen. Die Akten betreffen unter anderem die Luftqualität, gesundheitliche Risiken und die Reaktion der Behörden nach den Anschlägen. Weitere Unterlagen sollen im Laufe des kommenden Jahres folgen.

Mamdani erhebt dabei schwere Vorwürfe gegen frühere Verantwortliche. Erkrankte New Yorker hätten nach 9/11 Antworten von ihrer Regierung verlangt, sagte er bei der Vorstellung des Portals. Stattdessen hätten mehrere Stadtverwaltungen ihre Anliegen ignoriert oder sich hinter juristischen Auseinandersetzungen und Bürokratie versteckt.

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Menschen seien krank geworden, nachdem ihnen Verantwortliche versichert hätten, die Luft sei sicher, obwohl sie giftige Stoffe enthielt, so Mamdani.

Kritik an früheren Behörden und Giuliani

Zu den veröffentlichten Unterlagen gehört auch ein interner Vermerk, der sich bereits wenige Wochen nach den Anschlägen mit der finanziellen Haftung der Stadt für mögliche 9/11-Folgen beschäftigte. Genau daran entzündet sich seit Jahren Kritik.

Der US-Komiker und Moderator Jon Stewart, der sich seit langem für erkrankte Einsatzkräfte engagiert, sprach von einem jahrelangen Kampf Kranker und Sterbender um Anerkennung. Für Menschen, die damals in Lower Manhattan lebten, sei offensichtlich gewesen, dass Giftstoffe in der Luft, in Wohnungen und auf Kleidung lagen und dort teilweise monatelang blieben.

Auch der demokratische Kongressabgeordnete Jerry Nadler wirft den damaligen Behörden schwere Versäumnisse vor. Er und andere Politiker hätten früh vor den gesundheitlichen Risiken gewarnt. Dennoch hätten unter anderem die damalige Spitze der US-Umweltbehörde EPA und New Yorks Bürgermeister Rudy Giuliani öffentlich erklärt, die Luft sei sicher.

Die Zurückhaltung von Unterlagen habe zudem den politischen Kampf um finanzielle Hilfen für Erkrankte erschwert, sagte Nadler.

Jahrelanger Rechtsstreit endet

Neben der Veröffentlichung der Akten beendet die Stadt auch einen jahrelangen Rechtsstreit mit der Organisation 9/11 Health Watch.

Außerdem sollen spezielle Mitarbeiter Betroffenen künftig dabei helfen, ihre damalige Anwesenheit im betroffenen Gebiet nachzuweisen und Leistungen aus den bundesweiten Gesundheits- und Entschädigungsprogrammen für 9/11-Betroffene zu beantragen.

Streit um Mamdanis Teilnahme am Gedenken

Die Veröffentlichung fällt in eine ohnehin aufgeladene Debatte um Mamdani selbst. Er ist der erste muslimische Bürgermeister New Yorks. Mehr als 100.000 Menschen haben eine Petition unterstützt, die sich gegen seine Teilnahme an der offiziellen Gedenkveranstaltung am Ground Zero richtet. Der Initiator, der seine Frau bei den Anschlägen verlor, begründet seine Ablehnung unter anderem mit Mamdanis muslimischem Glauben.

Für muslimische New Yorker reißt die Debatte dagegen alte Wunden auf. Nach den islamistischen Terroranschlägen wurden viele von ihnen pauschal unter Verdacht gestellt, Moscheen überwacht, Menschen angefeindet oder festgenommen. Dass nun ausgerechnet die Religion des Bürgermeisters zum Argument gegen seine Teilnahme am Gedenken wird, empfinden manche als Fortsetzung dieses Misstrauens.

Mamdani selbst versucht, die Debatte von seiner Person wegzuführen. Beim Gedenken, sagt er, solle es nicht um Politiker gehen, sondern um die Menschen, die am 11. September ermordet wurden, ihre Angehörigen, die Überlebenden und die Einsatzkräfte.

Transparenz 25 Jahre nach den Anschlägen

Mit der Öffnung der Akten setzt seine Regierung unmittelbar vor dem Jahrestag zugleich ein deutliches Zeichen: 25 Jahre nach den Anschlägen soll öffentlich werden, was die Stadt über die gesundheitlichen Gefahren wusste – und warum Betroffene so lange um Antworten kämpfen mussten.