Zu viel los für Familien im Sommer: Der Juli ist der neue Advent

Liegt es an den Restriktionen während der Pandemie, dass der Juli so ein Feierbiest wurde?
imago images/Shotshop/Monkey Business 2 via www.imago-images.de„Der Juli ist der neue Advent“, sagte kürzlich eine Kollegin. Sie traf damit mein Lebensgefühl der vergangenen Wochen exakt. Und dabei geht es nicht mal um parallele Niederschlagsmengen (Advent: Frohe Botschaft; Juli: Regen), Zuckerpegel der Kinder (Advent: Gutsle; Juli: Eis) oder das Herbeisehnen eines großen Ereignisses (Advent: Weihnachten; Juli: Sommerferien). Sondern um die Dichte an Schul-Vereins-anderer-Feiern, Konzerten, Aufführungen, Festen, Basaren undsoweiterundsofort.
Vor ein paar Jahren habe ich mich in dieser Elternkolumne mal über den Dezember als anstrengendstem Monat des Jahres für Eltern beschwert – der „Spiegel“ titelte dazu: „Advent, Advent, die Mutter rennt“ –, aber mittlerweile macht ihm der Juli diesen Superlativ streitig.
Wir brauchen Kuchen fürs Büffet!
Kaum ein Wochentag und schon gar kein Wochenende, an dem nicht irgendeine Feierei oder außerplanmäßige Aktivität in der Schule, in den Sportvereinen oder halt der Stadtgesellschaft ansteht. Verbunden ist das mit fast täglichen Mails von anderen armen Eltern, die all das organisieren müssen, und nun um süße und salzige Spenden für Kuchen- und Grillbuffets bitten oder Bastelhilfe bei Erzieher- und Lehrerinnen-Geschenken anmahnen.
Zu allem Übel haben auch noch Verwandte, Freunde, Arbeitgeber den Juli als besten Zeitpunkt für Zusammenkünfte, Einladungen oder dieses Teambuilding identifiziert. Und drumherum tobt die Eventkultur mit Flohmärkten, Festivals, Kinder-Erlebnistagen, Gratis-Theater-Musik-Aufführungen, Stadtteilfeste undsoweiterundsofort. Uff!
Bevor Sie mir – völlig zurecht – Wohlstands-Jammerei, ausgeprägtes schwäbisches Bruddlerinnentum und notorische Beschwerdeführung (siehe Advents-Kolumne) vorwerfen, sei gesagt, dass freilich jedes dieser Ereignisse wichtig und liebevoll organisiert und fröhlich und überhaupt unvergesslicher Erinnerungsstoff fürs Familiengedächtnis ist. Aber mir ist es halt trotzdem zu viel!
Am Schweinebauch überfressen
Oder, um im Bild der rennenden Mutter zu bleiben: Man rast als Familie quasi auf die Sommerferien zu, überfrisst sich unterwegs an Grillwürsten und Schweinebäuchen, bringt zum Teambuilding aus Versehen die Igel-Muffins fürs Klassenfest mit, trinkt viel zu viele Spritze in der Sonne und liegt dann im Urlaub mutmaßlich kompletterschöpft in seiner sauteuren Ferienwohnung und ärgert sich, dass man einen „Aktivurlaub“ geplant hat.
Ob es an den Nachwirkungen der pandemischen Restriktionen liegt, dass der Juli zum Feierbiest avancierte? Ob das nun der berühmte Tanz auf dem Vulkan im Angesicht der Polykrisen allerorten ist? Oder ob es nur in diesem Jahr besonders heftig war, weil die EM auch noch dazu kam? Ich hab keine Ahnung. Und auch keine Lösung. Ich wollte es nur loswerden. In diesem Sinne: Schöne, erholsame Ferien allerseits.
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Lisa Welzhofer hat zwei Kinder (7 und 10 Jahre alt) und ist jeden Tag baff, wie großzügig die beiden über ihre Fehler als Mutter hinwegsehen.
