Ähnlichkeit mit verbotenem Nazi-Symbol: Warum Adidas und DFB den Verkauf von Trikot mit Nummer „44“ stoppen

Deutschlands Nationalspieler Jonathan Tah trägt beim Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Niederlande am 26. März 2024 in Frankfurt am Main das Adidas-Trikot mit der Rückennummer "4".
dpa/Christian CharisiusDer Sportartikelhersteller Adidas und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben auf Kritik am Design einer Nummer des neuen Trikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft reagiert und den Verkauf entsprechend angepasst. Die Rückennummer „44“ erinnert an die Rune der Schutzstaffel SS aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Trikot-Nummer „44“ aus Adidas-Sortiment gestrichen
Im Adidas-Store war eine Personalisierung der Trikots mit eigenem Namen und Nummer ab Montagmittag (1. April) nicht mehr möglich. Der DFB stoppte ebenfalls die Auslieferung von bestellten Kombinationen mit der Nummer „44“ im eigenen Onlineshop.
Zuvor hatten ein Journalist auf X und anschließend auch die „Bild“ über die Adidas-Pläne berichtet. In den sozialen Medien war die Kombination aufgefallen. Viele Menschen beteiligten sich an der Diskussion. „Für das Design der Namen und der Nummern zeichnet der DFB mit seinem Partner ‚11teamsports‘ verantwortlich“, sagte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen.
Bestimmte Namen mit Bezug zum Nationalsozialismus konnten bei Adidas und beim DFB bereits zuvor grundsätzlich nicht bestellt werden. „Das entspricht nicht unseren Richtlinien für die Personalisierung. Bitte versuch’s mit etwas anderem“, erschien bei Adidas als Hinweis bei einer entsprechenden Auswahl auf der Webseite.
In Deutschland verbotene NS-Symbole
Hakenkreuz
Die meisten verbotenen Symbole in Deutschland stammen aus der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945). Das Hakenkreuz ist das bekannteste Erkennungszeichen der NS-Diktatur, auch wenn das Hakenkreuz viel älter und keineswegs eine Erfindung der Nationalsozialisten ist.
Ausnahmen gibt es, wie etwa Hakenkreuze auf Armbinden von Uniformen aus der Zeit des Nationalsozialismus in einem Museum. In einem solchen und ähnlichen Fällen dient die Darstellung einem Bildungszweck oder der Aufklärung. Erlaubt ist es auch, wenn die Darstellung eindeutig Ablehnung symbolisiert, etwa ein durchgestrichenes Hakenkreuz.
SS-Rune
Dieses generelle Verbot gilt auch für die SS-Rune. Die Schutzstaffel - abgekürzt SS - war das wichtigste Terror- und Unterdrückungsorgan des Nationalsozialismus. Sie stand für unvorstellbare Kriegsverbrechen und war maßgeblich am Betrieb der Konzentrationslager sowie am Holocaust, dem Völkermord an 5,6 bis 6,3 Millionen europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs, beteiligt. In den Nürnberger Prozessen (20. November 1945 bis 1. Oktober 1946) wurde die SS als verbrecherische Organisationsform gebrandmarkt.
Das SS-Zeichen, bestehend aus zwei sogenannten „Sieg-Runen“, wurde nach dem Krieg ebenso verboten wie andere Kennzeichen der SS wie etwa Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen, Grußformen und Lieder.
Warum wurden Runen vom Nationalsozialismus instrumentalisiert?

„Sig-Rune“: Drei Trompeter des Jungvolk Musikzuges blasen zum Antreten im Hitlerjugend Lager (Österreich 1930er Jahre).
Foto: Imago/United Archives

Ein Musiker trägt eine Fahne mit Schwarzer Sonne, ein Symbol von Neonazis (Archivbild).
Foto: Imago/SeeligerArmanen-Runen: Dabei handelt es sich um 18 Pseudo-Runen, inspiriert von den historischen Runen des jüngeren Futhark, erfunden vom österreichischen Schriftsteller, Esoteriker und „germanischen Erwecker“ Guido von List (1848-1919).
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Info: Runen
Runenschrift
Seit Jahrhunderten versuchen Forscher, Runen genauer zu verstehen, um zu erfahren, wie die Menschen im frühen Europa die Welt sahen Archäologen fanden die geheimnisvollen Schriftzeichen – insgesamt wurden rund 6500 Inschriften entdeckt – eingeritzt vor allem in Stein, aber auch in Knochen, Holz, Metall, auf Waffen, Schmuck und Grabplatten.
Futhark
24 Runen umfasste das sogenannte gemeingermanische Alphabet, das von 150 v. Chr bis 800 n. Chr. bei allen germanischen Stämmen verbreitet war. Nach seinen ersten sechs Lauten wurde dieses Runenalphabet Futhark genannt. Runen stehen zum einen als Zeichen für einen Laut, zum anderen für die jeweiligen Begriffe, deren Namen sie tragen. Mit der Christianisierung der Germanen wurde die Runenschrift durch die lateinischen Buchstaben und in Russland durch die kyrillischen Buchstaben ersetzt. Nur in den nordischen Ländern hielt sich der Gebrauch der Runen bis ins 15. Jahrhundert.