Dänemarks Schulen: Radikale Regeln: Handy verboten, körperliches Eingreifen der Lehrer erlaubt

Smartphones an Schulen sind zunehmend ein Problem.
Sina Schuldt/dpa- Dänemark plant ein Gesetz: Lehrkräfte dürfen in Ausnahmen körperlich eingreifen.
- Erlaubt wäre Festhalten oder das Entfernen aus dem Klassenraum bei Gefahr oder starker Störung.
- Parlament in Kopenhagen muss zustimmen – der Lehrerverband begrüßt klare Regeln.
- Kritik aus Deutschland kommt von der GEW Thüringen, die von einem „nicht guten Signal“ spricht.
- Parallel verschärft Dänemark Regeln zu KI und will Handys an Schulen umfassend verbannen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Schüler körperlich zu züchtigen war in der DDR seit 1949 offiziell verboten. In der Bundesrepublik wurde die Prügelstrafe an Schulen erst 1973 offiziell abgeschafft , zumindest fast überall. Bayern folgte erst sieben Jahre später. Im Augenblick ist keine pädagogische Strömung bekannt, die daran ernsthaft etwas ändern möchte. In Dänemark soll diese Regelung nun allerdings gelockert werden. In Ausnahmefällen soll dort auch physisches Eingreifen durch Lehrer wieder erlaubt sein.
Störende Schüler hart anfassen
Ein entsprechender Gesetzentwurf sieht vor, dass Pädagogen Schüler unter bestimmten Voraussetzungen körperlich festhalten oder gegen ihren Willen aus dem Klassenzimmer bringen dürfen. Das berichtet die französische Zeitung „Le Monde“. Die geplanten Regelungen sollen demnach dazu beitragen, Konflikte frühzeitig zu entschärfen und die Sicherheit an Schulen zu verbessern. Nach angaben des dänischen Bildungsministers Magnus Heunicke solle das zum Beispiel möglich sein, wenn ein Schüler eine Gefahr für sich und andere darstellt und Dinge zerstört, oder wenn ein Schüler „erheblich stört“ oder „psychische Straftaten begeht“.

Das dänische Parlament muss der Regel noch zustimmen.
Steffen TrumpfNoch ist die Neuregelung nicht beschlossen. Das Parlament in Kopenhagen muss noch über den Gesetzentwurf entscheiden. Sollte es verabschiedet werden, würde sich Dänemark vom Großteil Europas unterscheiden. Körperliche Gewalt dürfen Lehrer bisher nur in England anwenden. Dies darf allerdings nicht als Bestrafung, sondern ausschließlich zur Gefahrenabwehr geschehen.
Beim Dänischen Lehrerverband kommt der Vorstoß gut an. „Wir dringen schon seit Langem auf klarere und besser anwendbare Regeln in diesem Bereich“, sagt dessen Vorsitzender Gordon Madsen. Erste Reaktionen aus Deutschland auf die dänische Gesetzesinitiative fallen indes wesentlich kritischer aus. So spricht Kathrin Vitzthum, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Thüringen, von einem „nicht guten Signal“.
Das Dänische Schulsystem befindet sich derzeit in einem drastischen Wandel. Seit Jahren gilt das Land als Vorreiter bei der Digitalisierung von Schulen. Tablets und Laptops gehören zum Unterricht, auch Prüfungen werden teilweise digital geschrieben. An manchen Schulen sind Bücher weitgehend Geschichte. Doch nun gibt es einen Trend in die gegenteilige Richtung.
KI wird stärker kontrolliert
Seit dem Beginn des aktuellen Schuljahres gelten verschärfte Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Schulen sollen während Prüfungen Überwachungssoftware einsetzen und so den Zugriff auf KI-Dienste sperren. Zudem sollen mehr Aufgaben in der Schule erledigt werden, um zu verhindern, dass sie von der KI gemacht werden.
Dänemarks Regierung will zudem Handys vollständig aus der Grundschule verbannen. Kinder sollen ihr Gerät morgens abgeben und es erst nach Schulschluss zurückbekommen. Das Verbot soll im Klassenzimmer und auf dem Schulhof gelten, auch in den Pausen. Anlass ist die aktuelle Pisa-Studie. Dänemarks 15-Jährige haben darin so schlecht gelesen und gerechnet wie nie zuvor. Auch an Gesamtschulen, auf die in Dänemark alle Kinder bis zur neunten Klasse gehen, soll es ein Verbot von mobilen Telefonen geben.
