Deutsche Fregatte in der Taiwanstraße
: „Wir bewegen uns innerhalb des Seerechts“

Im Rahmen ihrer Pazifik-Mission wird eine deutsche Fregatte voraussichtlich die Taiwanstraße durchqueren, eine Meerenge zwischen China und Taiwan. China wertet dies als Provokation. Carsten Breuer, Generalinspekteur der Bundeswehr, verweist auf internationales Recht.
Von
Fabian Kretschmer
Stuttgart
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Die Fregatte Baden-Württemberg ist 2019 in Dienst gestellt worden.

dpa/Ingo Wagner

Erstmals seit 22 Jahren könnte ein deutsches Kriegsschiff die Taiwanstraße durchqueren – sehr zum Ärger der Machthaber in China. Carsten Breuer, als Generalinspekteur der Bundeswehr Deutschlands ranghöchster Soldat, weist die Kritik aus Peking zurück.

Herr Breuer, Sie haben gerade die Fregatte Baden-Württemberg besichtigt, die im südkoreanischen Incheon angelegt hat. Haben Sie dort jene Kriegstüchtigkeit erlebt, die Sie mehrfach gefordert haben?

Ja, absolut. Ich habe dort ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft erlebt. Und auch gesehen, wie die Besatzung trotz teils widriger Umstände aufeinander eingestimmt ist. Wie sich jeder engagiert und sich selbst zurücknimmt, um für die gemeinsame Sache nach vorne zu gehen. Das ist der mentale Teil von Kriegstüchtigkeit.

Die Fregatte könnte in den nächsten Tagen als erstes deutsches Kriegsschiff seit 22 Jahren durch die Taiwanstraße fahren. Können Sie dies bestätigen?

Ich möchte dazu nichts sagen und werde dazu nichts sagen. Das ist eine Entscheidung, die zum richtigen Zeitpunkt getroffen und dann auch kommuniziert wird.

Die Taiwanstraße

Foto: Locke

Es heißt von der Besatzung, dass es die operative Sicherheit des Schiffs gefährden würde, wenn man die Route vorher bekannt gäbe. Auf welche Szenarien muss sich die Crew einstellen?

Wir müssen zunächst einmal sagen, dass wir uns innerhalb des internationalen Seerechts bewegen. Und wenn wir über Operational Security (Anm: operative Sicherheit) sprechen, dann geht es dabei immer um den Schutz der Besatzung und den Schutz des Schiffes. Das entscheidet der jeweilige Kommandeur, der genau darauf achtet, dass nur das preisgegeben wird, was der militärischen Sicherheit nicht entgegenstehen würde.

Das chinesische Außenministerium wertet eine mögliche Durchfahrt durch die Taiwanstraße als schwere Provokation, da es die Taiwanstraße als innerchinesisches Gewässer betrachtet. Wieso riskiert die Bundeswehr die Provokation Chinas?

Ich glaube nicht, dass wir die Provokation Chinas riskieren, sondern eher umgekehrt; dass mit der Wahrnehmung und den Punkten, die China hier mit hineinbringt, genau dieses internationale Recht infrage gestellt wird. Und insofern sehe ich da eigentlich nichts, wofür man sich in irgendeiner Form rechtfertigen müsste.

Carsten Breuer

Foto: dpa/Patrick Pleul

Sehen sie China als Herausforderung für diese regelbasierte Ordnung?

Ich sehe nicht nur China als Herausforderung für die regelbasierte Ordnung, sondern verschiedene autoritäre Staaten. Ich würde auch Russland dort mit hineinnehmen, auch den Iran – Staaten, die einfach das westliche Gesellschaftsmodell und die westliche Art zu leben und darüber hinaus auch die regelbasierte Ordnung in Frage stellen. Und das ist eine Bedrohung für die Art und Weise, wie wir zusammenleben.

Die chinesische Flotte hat die Fregatte Baden-Württemberg während ihrer Mission über weite Strecken verfolgt und aus der Distanz beobachtet. Wie bewerten sie dieses Verhalten?

Die chinesische Volksmarine hat ein großes Interesse daran zu sehen, wie wir mit anderen Marinen zusammen kooperieren. Und sie haben sicherlich auch ein Interesse daran zu sehen, welche Technik in der Fregatte steckt. All das führt dazu, dass eben eine solch enge Begleitung stattfindet.

Generalinspekteur

Rang
Carsten Breuer (59) ist als Generalinspekteur der Bundeswehr Deutschlands ranghöchster Soldat.

Einsatz
Der im nordrhein-westfälischen Letmathe geborene Breuer diente unter anderem in Afghanistan. Zudem leitete er zwischen 2021 und 2022 den Corona-Krisenstab der Bundesregierung. 

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