Drohne am Flughafen Leipzig: Was ist zu den Tätern bekannt?

Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle.
Hendrik Schmidt/dpaKonkrete Hinweise auf einzelne Täter, eine Organisation oder einen staatlichen Auftraggeber gibt es bislang jedoch nicht. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt warnte bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend, dem 5. August, ausdrücklich vor voreiligen Schlussfolgerungen.
„Alle Spekulationen“ über die Herkunft der Drohne, die Sprengstoffkonstruktion und mögliche Hintermänner seien Gegenstand der laufenden Untersuchungen, sagte Dobrindt. Die Ermittler müssten derzeit in alle Richtungen arbeiten. Vermutungen, die aktuell öffentlich geäußert würden, könnten sich als „grundfalsch“ erweisen.
Dobrindt spricht von professionellem Vorgehen
Fest steht aus Sicht des Innenministers bislang vor allem eines: Die Tat dürfte nicht von unerfahrenen Hobbydrohnenpiloten ausgeführt worden sein. Nach Dobrindts Einschätzung waren für die Vorbereitung und Umsetzung ein hohes Maß an technischem Wissen sowie Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff notwendig.
Das Vorgehen deute deshalb nicht auf Amateure hin, erklärte der Minister. Er sprach von einer „professionellen hybriden Bedrohungslage“. Die Drohne sei nach bisherigen Erkenntnissen offenbar so konstruiert worden, dass sie vorhandene Systeme zur Drohnenerkennung oder -abwehr umgehen konnte. Trotzdem sei sie entdeckt und schließlich unschädlich gemacht worden.
Ob hinter dem Vorfall eine extremistische Gruppierung, ein terroristisches Motiv oder möglicherweise ein ausländischer Akteur steht, ist bislang offen. Dobrindt sagte, der Fall könne auch fremde Mächte einschließen. Dabei handelte es sich jedoch nicht um eine konkrete Beschuldigung, sondern um eine der Ermittlungsrichtungen, die nun geprüft werden.
Keine Festnahmen und keine gesicherte Zuordnung
Zu möglichen Verdächtigen, Festnahmen oder Durchsuchungen machten die Behörden bei der Pressekonferenz keine Angaben. Auch zur Herkunft der Drohne und ihrer einzelnen Bauteile liegen bislang keine öffentlich bestätigten Ergebnisse vor.
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden und das Landeskriminalamt Sachsen haben die Ermittlungen übernommen. Zuständig ist nach Angaben der Behörden die Zentralstelle Extremismus Sachsen. Untersucht werden insbesondere die Identität der Verantwortlichen, der genaue Tatablauf, die Herkunft der Drohne und der Sprengvorrichtung sowie die Frage, ob weitere Personen beteiligt waren.
Dabei würden sämtliche denkbaren strafrechtlichen und politischen Hintergründe geprüft – einschließlich eines extremistischen oder terroristischen Motivs. Eine Festlegung auf eine bestimmte Motivation wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös, hieß es bei der Pressekonferenz.
Im Raum stehen unter anderem Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz und ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr. Welche Straftatbestände tatsächlich zur Anwendung kommen, soll sich erst aus den weiteren Ermittlungen ergeben.
Ermittler suchen nach möglicher zweiter Drohne
Zusätzlich prüfen die Behörden Hinweise auf ein weiteres Flugobjekt. Während des Vorfalls soll ein Frachtflugzeug nach einem abgebrochenen Landeanflug mit einem bislang nicht eindeutig identifizierten Objekt kollidiert sein. Die Maschine konnte später mit leichten Schäden in Hannover landen. Nach möglichen Teilen einer zweiten Drohne wird gesucht.
Ob beide Vorgänge zusammenhängen und von denselben Verantwortlichen ausgelöst wurden, ist bisher nicht geklärt. Auch daraus lassen sich derzeit keine belastbaren Rückschlüsse auf die Täter ziehen.
Behörden sprechen von neuer Gefahrenqualität
Die mit Sprengstoff bestückte Drohne wurde im Sicherheitsbereich des Flughafens entdeckt und von Spezialkräften der Bundespolizei entschärft beziehungsweise kontrolliert gesprengt. Verletzt wurde niemand. Dobrindt bezeichnete den Vorfall als eine neue Gefahrenqualität und als mutmaßliches hybrides Anschlagsszenario.
Anders als bei gewöhnlichen Drohnensichtungen in der Nähe von Flughäfen gehe es nicht um eine versehentlich falsch gesteuerte Freizeitdrohne. Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden war das Gerät gezielt vorbereitet worden. Dobrindt betonte zugleich, dass Professionalität allein noch keinen Rückschluss auf einen bestimmten Staat, eine Gruppe oder ein konkretes Motiv zulasse.
