Drohne am Flughafen Leipzig: Was ist zu den Tätern bekannt?

Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle: ARCHIV - 05.08.2026, Sachsen, Schkeuditz: Eine Drohne der Polizei ist über einer Flugzeugtragfläche zu sehen.
Hendrik Schmidt/dpaWer die mit Sprengstoff bestückte Drohne am Flughafen Leipzig/Halle eingesetzt hat, ist weiterhin nicht geklärt. Deutsche Ermittler sprechen von einem professionell vorbereiteten Angriff und prüfen eine mögliche Beteiligung ausländischer staatlicher Akteure. US-Geheimdienstkreise gehen Medienberichten zufolge bereits deutlich weiter und sehen eine Verbindung nach Russland. Öffentlich überprüfbare Belege dafür liegen bislang allerdings nicht vor.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Fünf Tage nach dem mutmaßlichen Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle ist über die möglichen Täter erstaunlich wenig bekannt. Es gibt bislang keine öffentlich identifizierten Tatverdächtigen. Auch eine bestimmte Organisation oder ein Staat wurde von den deutschen Ermittlungsbehörden nicht als Urheber benannt.
Fest steht nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft jedoch, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Drohnenzwischenfall handelte. Die Behörde übernahm am 6. August wegen der „besonderen Bedeutung“ des Falls die Ermittlungen. Es gebe ausreichende tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass am Abend des 4. August auf dem Flughafengelände mithilfe einer Drohne eine Explosion verursacht werden sollte. An dem Fluggerät seien professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht gewesen. Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.
Damit hat sich auch die Frage nach den möglichen Hintermännern auf die Ebene des Staatsschutzes verschoben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht von einem „hybriden Anschlagsszenario“ und von einem professionellen Vorgehen. Die Täter hätten nach seiner Einschätzung ein hohes Maß an technischem Wissen und Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff benötigt. Zugleich vermied Dobrindt bislang eine konkrete Zuschreibung an Russland oder einen anderen Staat. Es werde in alle Richtungen ermittelt.
US-Geheimdienste sehen eine Verbindung nach Russland
Während die Bundesregierung bei der Urheberschaft zurückhaltend bleibt, gibt es aus den USA inzwischen eine wesentlich konkretere Einschätzung.
Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf US-Beamte, die mit Geheimdienstinformationen zu dem Fall vertraut seien, die Sprengstoffdrohne gehöre „wahrscheinlich“ der russischen Regierung. Das Blatt veröffentlichte allerdings keine Informationen darüber, auf welche konkreten Erkenntnisse sich diese Einschätzung stützt.
CNN ging noch einen Schritt weiter. Der Sender zitierte einen nicht namentlich genannten US-Verteidigungsbeamten in Europa mit der Aussage, die Vereinigten Staaten seien zu dem Schluss gekommen, dass die Drohne von einem russischen Geheimdienst stamme. Auch hier wurden die zugrunde liegenden Geheimdienstinformationen nicht öffentlich gemacht.
Russland spricht von einer „Provokation“
Moskau bestreitet eine Beteiligung. Die russische Botschaft in Berlin bezeichnete den Vorfall am 7. August als eine gegen Russland gerichtete Provokation. Nach Darstellung der diplomatischen Vertretung diene der Fall den Interessen Kiews und eines „militaristischen“ Teils der europäischen Politik und solle neue antirussische Stimmung in Deutschland erzeugen. Diese Darstellung wurde auch von russischen Medien wie Wedomosti verbreitet. Belege für die Behauptung, der Vorfall sei von der Ukraine oder anderen Akteuren inszeniert worden, legte die russische Seite öffentlich nicht vor.
