Harter Wettbewerb in Billionen-Branche: Zähmung von KI aus politischen und wirtschaftlichen Gründen kaum möglich

Das OpenAI Logo ist auf einem Smartphone zu sehen.
Imago/NurPhoto- US-KI-Chefs fordern langsamere Entwicklung, um Risiken besser zu verstehen und zu begrenzen.
- Auslöser sind Vorfälle mit KI-Systemen, die sich Zugang zum Internet verschafften und täuschten.
- Wettbewerb und Milliardeninvestitionen bremsen Selbstverzicht – Firmen planen Aufsichtsinstanz.
- Kritiker vermuten PR vor möglichem Börsengang; Haftungsrisiken werden als Motiv genannt.
- US-Regierung und China: Widerstand gegen Regulierung, Exportkontrollen für Chips werden gefordert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Chefs führender Entwickler von Künstlicher Intelligenz (KI) in den USA haben dazu aufgerufen, wegen der Gefahren der neuen Technologie ihre Entwicklung zu verlangsamen. Allerdings stehen dem zumindest der harte Wettbewerb in der Milliardenbranche, die Vorbehalte der US-Regierung sowie geopolitische Faktoren im Wege.
Was schlagen führende Vertreter der KI-Branche vor?
Der Chef des KI-Unternehmens Anthropic, Dario Amodei, rief am Samstag (2. September) in einem Essay auf seiner Website dazu auf, das Tempo zu „verlangsamen, mit dem wir die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern“. Die dadurch „gewonnene Zeit“ solle sinnvoll genutzt werden, um die durch KI entstehenden Risiken besser zu verstehen und einzudämmen.
Amodei bekam Unterstützung vom Chef des Konkurrenzunternehmens OpenAI, Sam Altman, dem Tech-Unternehmer Elon Musk, der hinter dem KI-Assistenten Grok steht, Microsoft-Chef Satya Nadella sowie DeepMind-Chef Demis Hassabis.
Wieso kommt der Aufruf jetzt?
In den vergangenen Monaten haben OpenAI und Anthropic mehrere Zwischenfälle gemeldet, bei denen KI-Systeme spontan aus ihrer vorgegebenen Umwelt ausbrachen, um sich Zugang zum Internet zu verschaffen und Websites und Plattformen zu attackieren. Diese KI-Systeme stellten damit ihre Fähigkeit unter Beweis zu koordiniertem Handeln, zur Täuschung und zum Verwischen von Spuren.
Anfang vergangener Woche warf der KI-Experte Jacob Coxon, der zuerst bei OpenAI und dann bei Anthropic gearbeitet und die Unternehmen verlassen hatte, beiden öffentlich laxe Sicherheitsstandards vor. Die beiden KI-Riesen spielten damit „mit unserem Leben“, warnt ihr Ex-Mitarbeiter.
Werden die Unternehmen selbst ihre KI-Entwicklung drosseln?
In der KI-Entwicklung stecken hunderte Milliarden Dollar. Entsprechend erbittert ist die Konkurrenz in der Branche und keine der Firmen ist bereit, das Risiko einer Drosselung der KI-Entwicklung allein auf sich zu nehmen.
Amodei hat sich zu einem abgestimmten Vorgehen mit den Anthropic-Konkurrenten ohne die KI-Entwickler in China bereit erklärt. Laut der Tech-Website „The Information“ diskutieren Anthropic, OpenAI und Google seit Juli über die Schaffung einer professionellen Aufsichtsinstanz. Bislang besteht die einzige konkrete Maßnahme von Anthropic und OpenAi allerdings in der Einbeziehung unabhängiger Experten, die intern die Maßnahmen des jeweiligen Unternehmens zur KI-Sicherheit überprüfen.
Ist der Appell eine PR-Aktion?
Während viele in der Branche Amodeis Appell begrüßen, hinterfragen andere seine Motive. Dem Unternehmer und KI-Experten Brian Roemmele kommt Amodeis Warnung wie eine Werbeaktion vor - nur wenige Wochen vor einem möglichen Börsengang von Anthropic. „Das ist die Börsengangsstory in Essay-Form: ‚Wir sind die verantwortungsvolle Firma; wir sind das Heilmittel, kauft die Premium-Sicherheit‘“, schreibt Roemmele auf X.
Auch Vertreter der in der Tech-Branche aktiven Private-Equity-Firmen warfen Anthropic vor, das Unternehmen wolle, dass staatliche Behörden eine Hierarchie in der KI-Branche mit Anthropic an der Spitze zementierten.
„Hört auf, so zu tun, als wäre das Motiv für die Drosselung vollkommen selbstlos“, kritisiert David Sacks, ein ehemaliger KI-Berater von US-Präsident Donald Trump, der im Weißen Haus weiterhin einflussreich ist. „Euch droht Produkthaftung in großem Ausmaß, wenn Eure Produkte eine wirklich schädliche Cyberattacke ermöglichen.“
Kann KI-Entwicklung ohne US-Regierung gedrosselt werden?
Der regulierungsfeindliche US-Präsident Trump wies die Warnungen aus der KI-Branche am Sonntag (13. September) zurück und sprach von „negativen Kräften“. Einige von Trumps Republikanern haben Vorbehalte dagegen geäußert, KI aktiv zu regulieren. Wie der republikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, darlegt, fürchten sie, dass ein staatliches Eingreifen Innovationen behindern könnte und dem großen Konkurrenten China die Möglichkeit geben würde, das Rennen um die Vorherrschaft bei der Künstlichen Intelligenz zu gewinnen.
Amodei hielt dem am Sonntag entgegen, dass eine staatliche Aufsicht unerlässlich sei. Wie Altman und Hassabis ist er der Überzeugung, dass von der Branche selbst aufgestellte Regeln nicht ausreichend sind.
Kann die Drosselung auch in China durchgesetzt werden?
Anthropic-Chef Amodei spricht sich für eine Koordinierung der Drosselung der KI-Entwicklung aus, die sich auf demokratische Länder beschränkt und China also nicht mit einschließt. Zugleich räumt er ein, dass der weltweite Wettbewerb in der KI-Branche und Chinas Fortschritte „das schwierigste Dilemma“ bei der Frage nach einer absichtlichen Verlangsamung der KI-Entwicklung darstellten.
Die USA wollen das Thema KI-Sicherheit auch am Rande des Washington-Besuchs von Chinas Staatschef Xi Jinping am 24. September ansprechen. Medienberichten zufolge steht Peking Versuchen, die US-Vorgaben zur KI-Regulierung auf China auszuweiten, misstrauisch gegenüber. Die Differenzen sind umso größer, als China sogenannte offene KI-Systeme fördert, die im Gegensatz zu den von US-Unternehmen bevorzugten geschlossenen KI-Systemen frei zugänglich und modifizierbar sind.
Offene KI-Modelle sind per Definition schwieriger zu kontrollieren, weil Nutzer ihre Parameter verändern können - und das potenziell auch für böswillige, kriminelle Vorhaben. Um es nicht-chinesischen Unternehmen zu ermöglichen, bei der KI-Entwicklung etwas auf die Bremse zu treten, ohne abgehängt zu werden, fordert Amodei strengere Kontrollen bei Exporten der modernsten US-Computerchips nach China sowie bessere Schutzmaßnahmen gegen die Aneignung westlicher KI-Technologie durch chinesische KI-Entwickler. (mit AFP-Agenturmaterial)
