Jerusalem: Provokantes jüdisches Gebet auf dem Tempelberg – Polizei untätig

Felsendoms in Jerusalem: Juden haben offenbar erstmals mit Duldung der Polizei Gebetbücher auf das Areal der Al-Aqsa-Moschee und des Felsendoms gebracht und öffentlich daraus gebetet (Archivfoto).
IMAGO/Middle East Images- Auf dem Haram al-Scharif beteten Juden öffentlich, offenbar mit Duldung der Polizei.
- Israelische Medien zeigten Bilder des Vorfalls, der am Sonntag stattfand.
- Der Status quo erlaubt dort nur Muslimen das Gebet – Juden beten an der Westmauer.
- Ein Aktivist nannte die Aktion historisch, die Polizei verwies auf politische Anweisungen.
- Seit Itamar Ben-Gvir im Kabinett ist, wurden Einschränkungen mehrfach gelockert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Juden haben offenbar erstmals mit Duldung der Polizei Gebetbücher auf das Areal der Al-Aqsa-Moschee und des Felsendoms in Jerusalem gebracht und öffentlich daraus gebetet. Israelische Medien veröffentlichten Bilder von dem Vorfall, der am Sonntag stattfand. Nach dem Status quo, der das Zusammenleben der Religionen in Jerusalem regelt, ist das öffentliche Gebet an dem Ort, der zu den heiligsten Stätten des Islam zählt, Muslimen vorbehalten. In der Antike befand sich dort der jüdische Tempel.
Der rechte jüdische Aktivist Arnon Segal bezeichnete die Aktion als historisch. Es sei zwar „noch immer keine pauschale Genehmigung“, aber „ein erster Versuch, um sicherzustellen, dass der Nahe Osten deswegen nicht ausrastet“. Die Polizei erklärte laut israelischen Medien, man handle „gemäß den Anweisungen der politischen Führung, den geltenden Vorschriften für den Ort und operativen Einschätzungen“.
Immer weiter aufgeweicht
In der Vergangenheit hatte die israelische Polizei das Mitbringen von jüdischen Gebetbüchern und religiösen Gegenständen wie Gebetsschals ebenso unterbunden wie das öffentliche Beten. Seitdem der Rechtsradikale Itamar Ben-Gvir Mitglied des Kabinetts von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist, wurden die Einschränkungen wiederholt gelockert. Ben-Gvir selbst unternahm im besetzten Ostjerusalem regelmäßig provozierende Besuche auf der Anhöhe, die je nach Standpunkt Haram al-Scharif oder Tempelberg genannt wird.
Bilder von betenden Juden hatten wiederholt für Empörung in der muslimischen Welt gesorgt. Ministerpräsident Netanjahu betonte indessen mehrfach, es werde zu keinen Änderungen am Status quo kommen. Dieser geht zurück auf eine Vereinbarung zwischen Jordanien und Israel nach dem Sechstagekrieg 1967 und legt fest, dass das Gebet auf dem Haram al-Scharif Muslimen vorbehalten ist, während Juden an der auch als Klagemauer bezeichneten Westmauer beten.
Heilig und umstritten
Der Haram al-Scharif beziehungsweise Tempelberg ist für Juden, Muslime und Christen eine wichtige heilige Stätte. Bis zur Zerstörung durch die Römer im Jahr 70 befand sich an dieser Stelle der jüdische Tempel, zentrales Heiligtum Israels. Zahlreiche biblische und religiöse Überlieferungen wie die Erschaffung Adams und Evas, die Opferung Isaaks oder aufseiten des Islam die Himmelsreise Mohammeds sind mit dem Ort verbunden.
An Besuchen nationalistischer Israelis auf dem Tempelberg sowie an jüdischen Forderungen nach Gebetsrechten auf dem Areal entzündete sich in der Vergangenheit wiederholt teils gewalttätiger Protest von Palästinensern.
