Stabilität des Rentensystems
: Kommt jetzt der „Boomer“-Soli für die Renten?

Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in Rente. Die Rentenkassen belastet dies. Fachleute machen einen neuen Vorschlag.
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Markus Brauer/dpa
Stuttgart
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Die Schere zwischen vermögenden und armen Rentnern in Deutschland wird immer größer.

Jens Büttner/dpa

Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) schlagen einen „Boomer-Soli“ vor, um die durch den Eintritt geburtenstarker Jahrgänge in den Ruhestand strapazierten Rentenkassen zu entlasten. Nach der Idee der Experten könnten die Renten so stabilisiert werden, ohne die Jüngeren direkt mehr zu belasten.

Die Baby-Boomer der 1950er und 1960er Jahre gehen jetzt nach und nach in den Ruhestand. Das umlagefinanzierte Rentensystem in Deutschland gerät dadurch zunehmend unter Druck, betonen die Experten des Berliner Instituts. 

Sonderabgabe rasch umsetzbar

Das Institut macht in seinem Wochenbericht zwei Reformvorschläge, die zu einer Umverteilung innerhalb der älteren Generationen führen würden. Der „Boomer-Soli“, eine Sonderabgabe auf alle Alterseinkünfte ab einer gewissen Höhe, wäre unmittelbar umsetzbar.

Die Einnahmen sollten nicht in den allgemeinen Bundeshaushalt fließen, „sondern in ein Sondervermögen, das für die Umverteilung der Alterseinkünfte geschaffen wird und nur für deren Zweck verwendet werden darf“. Vorgeschlagen werden Freibeträge, vor allem das oberste Einkommensfünftel würde belastet. 

Der andere Vorschlag: Rentenanwartschaften könnten umverteilt, also niedrige Renten auf- und höhere abgewertet werden. Das ließe sich aber nur langfristig realisieren.

Rentenkommission soll langfristige Vorschläge machen

„Die Politik wird in den kommenden Jahren bei der Rente mutige und weitreichende Reformen umsetzen müssen“, schreiben die DIW-Fachleute. Die Sicherungsfunktion der Rente zu erhalten, den Lebensstandard im Alter zu garantieren und gleichzeitig die Finanzierung zu stemmen, bedeute große finanzielle Herausforderungen. Eine Sonderabgabe auf alle Alterseinkünfte könnte dabei ein wichtiger Baustein sein.

Union und SPD wollen in den nächsten Wochen unter anderem eine künftige Absicherung des Rentenniveaus für die kommenden Jahre auf den Weg bringen. Dann soll sich eine neuerliche Rentenkommission Gedanken über die Zukunft machen. Die Einsetzung einer solchen Kommission hatten die Koalitionspartner in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart.

Sozialleistungen im Alter

In Deutschland gehen immer mehr Rentner arbeiten. Derzeit seien 1,123 Millionen Arbeitnehmer über 67 Jahre alt und hätten somit das reguläre Renteneintrittsalter überschritten. Die Zahl setzt sich demnach zusammen aus 251.000 sozialversicherungspflichtig sowie 872.000 ausschließlich geringfügig beschäftigten Rentner.

Wenn die Rente nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, können Rentner Sozialleistungen beantragen. In Deutschland beziehen so viele Rentner wie nie zuvor Grundsicherung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erhalten 3,4 Prozent der rund 21 Millionen Rentner Grundsicherung. Besonders von Altersarmut betroffen sind demnach Frauen. Den Daten zufolge bezogen zuletzt sechs von zehn Rentnerinnen Grundsicherung.

Wer erhält im Alter Grundsicherung?

Grundsicherung im Alter können alle Menschen beantragen, deren Einkünfte nicht ausreichen, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Der Regelsatz entspricht dem der Grundsicherung.

Die Rentenbezüge werden auf die Grundsicherung angerechnet. Das hat zur Folge: Steigt die Rente, sinkt automatisch die Grundsicherung und die Betroffenen gehen bei einer Rentenerhöhung leer aus.

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