Migrantenansturm auf Exklave
: Madrid bestreitet Warnung des Geheimdienstes vor Ceuta-Krise

In Spanien läuft die Suche nach den Verantwortlichen des Migrantenansturms. Die Behörden kämpfen derweil mit überfüllten Aufnahmezentren und widersprüchlichen Zahlen.
Von
red/dpa
Madrid/Ceuta
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Migranten, die aus Marokko nach Spanien eingereist sind, schlafen an einem Strand in der spanischen Exklave Ceuta.

Bernat Armangue/AP/dpa
  • Madrid weist Vorwurf zurück, Geheimdienstwarnungen zur Ceuta-Krise ignoriert zu haben.
  • In Ceuta laufen Unterbringung, Rückführung und Suche nach weiteren Todesopfern weiter.
  • Opferzahlen sind umstritten: Madrid nennt 72 Tote, Regionalregierung spricht von mindestens 88.
  • Ankunftszahlen variieren stark – von 40.000 beabsichtigten bis zu 80.000 gemeldeten Ankünften.
  • Aufnahmezentren sind überlastet, besonders bei 862 unbegleiteten Minderjährigen bei nur 29 Plätzen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta hat die Regierung in Madrid Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Warnungen des Geheimdienstes CNI vor einer Massenankunft ignoriert. Man habe keine Geheimdienstberichte erhalten, die vor einer Migrationskrise dieses Ausmaßes gewarnt hätten, hieß es. Gleichzeitig dauern in Ceuta die Unterbringung und Rückführung verbliebener Migranten sowie die Suche nach weiteren Todesopfern an. Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid wurden bislang 72 Leichen geborgen.

Der Sprecher der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP), Miguel Tellado, sagte, es sei kaum vorstellbar, dass der CNI von der bevorstehenden „Menschenwelle“ nichts gewusst habe. Auch der Radiosender Cadena Ser berichtete von „mehrfachen Warnungen“. Regierungssprecherin Elma Saiz entgegnete: „Mit einem derart beispiellosen Ereignis hatte niemand gerechnet.“

Migranten, die nach Spanien eingereist sind, werden von spanischen Soldaten in Richtung der spanisch-marokkanischen Grenze begleitet, um von der spanischen Enklave Ceuta nach Marokko zurückgeführt zu werden.

Antonio Sempere/AP/dpa

Vor allem am Donnerstag waren Zehntausende von Marokko aus irregulär nach Ceuta gelangt - die meisten schwimmend, andere kletterten über den sechs Meter hohen Grenzzaun. Die genaue Zahl ist weiter unklar. Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach nun von 80.000 Ankünften, nachdem er zuvor von 60.000 ausgegangen war. Madrid hält an der Schätzung von 50.000 fest. Marokko teilte mit, rund 40.000 Migranten hätten Ceuta erreichen wollen.

Tausende Migranten halten sich noch in Ceuta auf

Unterschiedliche Angaben gibt es auch zur Zahl der vor allem vor der Küste der Exklave an der Straße von Gibraltar ums Leben gekommenen Migranten. Während Madrid weiterhin von 72 Todesopfern spricht, erklären Vertreter der konservativen Regionalregierung, es gebe mindestens 88 Leichen.

Nach übereinstimmenden Behördenangaben ist der größte Teil der Migranten bereits nach Marokko zurückgekehrt. Nach Schätzung der Regionalregierung halten sich jedoch noch 3.000 bis 5.000 Menschen in Ceuta auf. Die Lage habe sich zwar beruhigt, von Normalität könne aber keine Rede sein, sagte Vivas. Die Zentralregierung beziffert derweil die Zahl der verbliebenen Migranten auf rund 2.500 und teilt mit, die Rückführungsaktionen seien noch nicht zu Ende.

Aufnahmezentren überlastet

Besonders angespannt bleibt die Situation bei unbegleiteten Minderjährigen. Ceuta betreut seit dem Ansturm nach eigenen Angaben mindestens 862 Kinder und Jugendliche, obwohl regulär nur 29 Plätze zur Verfügung stehen. Deshalb werden zusätzliche Unterkünfte in umfunktionierten Gebäuden eingerichtet.

Auch das Aufnahmezentrum CETI für Erwachsene ist nach Angaben der Regionalregierung in Ceuta nicht erst seit dem Ansturm völlig überlastet. Es bietet Platz für rund 600 Menschen. Vor dem Gelände halten sich den Angaben zufolge etwa 1.000 weitere Migranten in provisorischen Lagern auf.