Rekordförderung von fossilen Brennstoffen: Mit noch mehr Gas und Öl in den Klima-Abgrund

Die Entwicklung der Produktion von fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle kennt nur eine Richtung: nach oben.
Imago/ZoonarDie klimaschädliche Öl- und Gasproduktion der großen Förderunternehmen weltweit hat einer Analyse von Umweltorganisationen zufolge 2023 einen Höchststand erreicht. Das geht aus der „Global Oil & Gas Exit List“ hervor, die die Organisation Urgewald gemeinsam mit mehr als 30 Partnern jährlich aktualisiert.

Länder mit dem höchsten Treibhausgasausstoß.
Foto: dpa-Infografik„Alarmierender Negativrekord“

Ein Arbeiter bedient die Steuerung in einem Bohrturm.
Foto: Imago/Blickwinkel„Dieser Negativrekord ist alarmierend. Wenn wir die fossile Expansion nicht aufhalten und keinen kontrollierten Produktionsrückgang einleiten, wird das 1,5-Grad-Limit unerreichbar. Hier müssen wir bei den Klimaverhandlungen in Baku vorankommen“, sagt Nils Bartsch, Leiter der Öl- und Gasrecherche bei Urgewald. Gemeint ist das internationale Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Erdölraffinerie im schottischen Grangemouth,
Foto: Imago/BlickwinkelFossile Investitionen unvereinbar mit Klimazielen
Auf der Weltklimakonferenz in Dubai hatte sich die Weltgemeinschaft 2023 erstmals darauf geeinigt, die Abkehr von fossilen Energien einzuläuten. Tatsächlich investiert die fossile Branche allerdings weiter in einem Ausmaß, das in keiner Weise mit jeglichen Klimazielen vereinbar ist – nicht zuletzt mit Zielen der Unternehmen selbst.

Auf Gewinne verzichten für das Klima? Die globale fossile Industrie weitet ihre Produktion trotz immer neuen Klimarekorden und allen Warnungen zum Trotz weiter aus.
Foto: Imago/ImagebrokerDer Analyse zufolge erschließen Öl- und Gasfirmen schon aktuell Felder, deren Ausbeutung die Erderwärmung auf mehr als zwei Grad ansteigen lassen könnte. 95 Prozent der 1769 erfassten Förderunternehmen sind auf der Suche nach neuen Öl- und Gasfeldern oder erschließen diese bereits.

Volldampf voraus in die Klima-Katastrophe. Kohlekraftwerk Neurath im nordrhein-westfälischen Grevenbroich.
Foto: Imago/BlickwinkelAuch die Internationale Energieagentur (IEA) betont, die Öl- und Gasindustrie müsse ihre Investitionen deutlich verlagern, um die Energiewende zu beschleunigen. Bislang würden bei führenden Unternehmen der Branche Investitionen, die nichts mit Öl und Gas zu tun haben, nur etwa fünf Prozent der Geschäfte ausmachen – etwa Solar- oder Windprojekte.
Ausstieg aus Öl und Gas für 1,5-Grad-Ziel notwendig
„Es können noch so viele Erneuerbare zugebaut werden, die Welt wird die Erderwärmung nicht auf 1,5 Grad begrenzen können ohne einen schrittweisen Ausstieg aus Öl und Gas“, warnt Energie- und Finanzexpertin Regine Richter von Urgewald.
Die „Global Oil & Gas Exit List“ zieht vor allem Jahresberichte und Investoreninformationen von Unternehmen sowie Daten der Dienstleister Rystad Energy sowie des Global Energy Monitor heran.