Neuer Ministerpräsident
: Große Fußstapfen für den Zweimetermann

In Rheinland-Pfalz geht eine Ära zu Ende. Der neue Ministerpräsident Alexander Schweitzer gilt als Ziehsohn von Kurt Beck.
Von
Gerhard Kneier
Stuttgart
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Alexander Schweitzer folgt auf Malu Dreyer.

dpa/Arne Dedert

Nicht alle Äußerungen von Alexander Schweitzer darf man wörtlich nehmen. „Ich trete in große Fußstapfen“, sagte der 50-jährige SPD-Politiker, als er in Mainz als Nachfolger der populären Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorgestellt wurde. Der 2,06 Meter große Pfälzer räumte sofort ein, dass der Spruch bei der im Vergleich zu ihm schon fast zierlich wirkenden Regierungschefin nicht so ganz passend ist und fügte verschmitzt hinzu: „Mir ist nichts Besseres eingefallen.“

Heute steht im rheinland-pfälzischen Landtag Schweitzers Wahl zum neuen Ministerpräsidenten an. Unmittelbar zuvor wird Malu Dreyer wie angekündigt nach elf Jahren zurücktreten. Damit geht eine Ära zu Ende. Die erste Frau in dieser Position hat zwei Mal entgegen dem Bundestrend für die SPD Wahlen in Rheinland-Pfalz gewonnen, die zu Beginn des Landtagswahlkampfs eigentlich schon als verloren galten. Mit Charme, Glaubwürdigkeit und Authentizität wurde sie zur allseits beliebten und vom politischen Gegner gefürchteten „Landesmutter“, auch wenn sie den Begriff selbst nicht sonderlich mag. Für Schweitzer wird es also in der Tat nicht leicht sein, ihre Rolle zu übernehmen. Doch immerhin erfolgt der mit der angeschlagenen Gesundheit begründete Schritt der 63-Jährigen so rechtzeitig, dass ihr designierter Nachfolger bis zur nächsten Landtagswahl 2026 noch fast zwei Jahre Zeit hat, sich mit Amtsbonus im Land zu profilieren. Schweitzer hat Dreyer schon einmal abgelöst, nämlich als Sozialminister in Mainz, nachdem sie 2013 überraschend von SPD-Urgestein Kurt Beck zu seiner Nachfolgerin als Ministerpräsidentin vorgeschlagen wurde.

Gemeinsamkeiten zwischen Dreyer und Schweitzer

Aber die Amtszeit an der Spitze dieses Ministeriums ist längst nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen der scheidenden Regierungschefin und dem neuen Mann an der Spitze des Landeskabinetts. Beide kommen aus der Pfalz – Dreyer wurde in Neustadt an der Weinstraße geboren, Schweitzer im südpfälzischen Landau. Auch, dass ihre Karriere von Kurt Beck gefördert wurde, haben sie gemeinsam. Der ebenfalls aus der Südpfalz stammende heute 75-jährige hat Dreyer zu seiner Nachfolgerin als Ministerpräsident gekürt und gilt als politischer Ziehvater Schweitzers, den er schon seit dessen Studienzeit kennt. Becks Motto „Nah bei de Leut“ lebt auch Schweitzer, der als ausgesprochen volkstümlich gilt und sonntags in seinem Wahlkreis regelmäßig Bürgersprechstunde hält.

Einträchtige Ampelkoalition mit FDP und Grünen

Politisch unterscheidet Dreyer und Schweitzer wenig. Die im Gegensatz zu Berlin in Rheinland-Pfalz sehr einträchtige Ampelkoalition mit FDP und Grünen will auch der neue Regierungschef möglichst konfliktlos weiterführen. In der Ministerriege nimmt Schweitzer keine Änderungen vor bis auf die Berufung der in Ludwigshafen geborenen und zuletzt in Nordrhein-Westfalen tätigen Sozialpolitikerin Dörte Schall zur Nachfolgerin als Chefin seines bisherigen Ressorts.

Während Dreyer erst recht spät in die SPD eingetreten ist, kommt Schweitzer aus der Partei, wo er schon als Juso-Funktionär, Generalsekretär und als schlagfertiger Fraktionschef im Landtag gedient hat, zudem war er Staatssekretär und zuletzt Superminister für Arbeit, Soziales, Digitalisierung und Transformation. „Schweitzer kann Degen und Florett“, sagt ein Insider. Möglich, dass er gelegentlich ein schärferes Schwert führt als seine Vorgängerin.

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