Ohne Steuern und Abgaben
: Was würden Benzin und Diesel kosten?

Wir zeigen anhand von Daten des ADAC und von Aral, wie viele Abgaben in Deutschland auf die Spritpreise anfallen.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Spritpreise

Was würden Benzin und Diesel ohne Steuern kosten?

Bodo Marks/dpa

Steuern und Abgaben machen in Deutschland einen großen Teil des Spritpreises aus. Nach Berechnungen des ADAC lag ihr Anteil im Juli 2026 bei durchschnittlich rund 57 Prozent für Benzin und 47 Prozent für Diesel. Aral kommt anhand seiner Berechnungen für August 2026 auf ähnliche Größenordnungen: rund 53 Prozent bei Super E10 und knapp 45 Prozent bei Diesel.

Die Unterschiede ergeben sich unter anderem aus den jeweils zugrunde gelegten Kraftstoffpreisen und Betrachtungszeiträumen. Klar ist jedoch: Ein erheblicher Teil dessen, was Autofahrer an der Tankstelle bezahlen, entfällt nicht auf den eigentlichen Kraftstoff.

So setzt sich der Spritpreis zusammen

Aral legt seiner aktuellen Berechnung einen durchschnittlichen Preis von 216,9 Cent je Liter Super E10 zugrunde. Davon entfallen rund 101,9 Cent auf den Einkaufspreis und sonstige Kosten. Dazu gehören unter anderem Transport, Vertrieb, Verwaltung, Tankstellenpacht und die Kosten der THG-Quote. Auch der Gewinn der beteiligten Unternehmen ist in diesem Betrag enthalten.

Weitere 100,1 Cent entfallen laut Aral auf Energiesteuer und Mehrwertsteuer. Hinzu kommen rund 15 Cent an weiteren Abgaben, darunter insbesondere die CO₂-Bepreisung sowie der Beitrag an den Erdölbevorratungsverband (EBV). Insgesamt beträgt die Belastung durch Steuern und Abgaben damit rund 115 Cent je Liter.

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Zieht man diese Positionen vom Tankstellenpreis ab, bleiben für Super E10 rechnerisch 101,85 Cent je Liter übrig. Statt knapp 2,17 Euro würde ein Liter damit ohne Steuern und Abgaben nur etwas mehr als einen Euro kosten.

Benzin und Diesel im Vergleich

Warum Diesel niedriger besteuert wird

Auffällig ist, dass Diesel ohne Steuern und Abgaben in der Aral-Rechnung mit 124,65 Cent je Liter deutlich teurer wäre als Super E10. An der Tankstelle liegen beide Kraftstoffe dennoch relativ nah beieinander. Ein wesentlicher Grund dafür ist die unterschiedliche Energiesteuer.

Für Benzin beträgt die Energiesteuer regulär 65,45 Cent je Liter, für Diesel dagegen lediglich 47,04 Cent je Liter. Diesel wird bei der Energiesteuer also mit gut 18 Cent je Liter weniger belastet. Diese Steuersätze bestätigt auch das Bundeswirtschaftsministerium.

Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Anders als die Energiesteuer wird sie nicht als fester Cent-Betrag je Liter erhoben, sondern auf den gesamten Warenwert einschließlich der Energiesteuer. Steigt der Kraftstoffpreis, steigt daher automatisch auch der absolute Mehrwertsteuerbetrag.

Neben den eigentlichen Steuern fallen weitere Kosten an. Dazu gehört die CO₂-Bepreisung fossiler Kraftstoffe. Aral weist für sein aktuelles E10-Preisbeispiel rund 14,7 Cent je Liter als CO₂-Abgabe aus. Zusätzlich zahlen Unternehmen, die Kraftstoffe herstellen oder nach Deutschland einführen, einen Beitrag an den Erdölbevorratungsverband. Dieser liegt laut Bundeswirtschaftsministerium bei 0,27 Cent je Liter Ottokraftstoff und 0,3 Cent je Liter Diesel.

Mehr als 50 Euro Unterschied bei einer Tankfüllung

Besonders deutlich wird die Belastung bei einer kompletten Tankfüllung. Bei einem 50-Liter-Tank kosten 50 Liter Super E10 zum von Aral zugrunde gelegten Durchschnittspreis 108,45 Euro. Ohne Steuern und Abgaben wären es rechnerisch lediglich rund 50,93 Euro – eine Differenz von mehr als 57 Euro.

Bei Diesel kostet eine 50-Liter-Tankfüllung zum Durchschnittspreis von 224,9 Cent insgesamt 112,45 Euro. Ohne Steuern und Abgaben läge der rechnerische Preis bei rund 62,33 Euro. Der Unterschied beträgt damit gut 50 Euro.

Würde Sprit ohne Steuern wirklich so günstig sein?

Die Werte von 101,85 Cent für Super E10 und 124,65 Cent für Diesel sind allerdings eine Modellrechnung. Sie zeigen, welcher Teil des heutigen Tankstellenpreises übrig bleibt, wenn die derzeit enthaltenen Steuern und Abgaben herausgerechnet werden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Benzin bei einer Abschaffung aller Abgaben tatsächlich dauerhaft rund einen Euro kosten würde. Angebot und Nachfrage, Rohölpreis, Dollarkurs, Raffineriekosten, Transportkosten und die Wettbewerbssituation an den Tankstellen beeinflussen den Preis ebenfalls. Das Bundeswirtschaftsministerium weist darauf hin, dass sich die Kraftstoffpreise grundsätzlich am Markt bilden und insbesondere die Großhandelspreise am Rotterdamer Ölmarkt eine wichtige Rolle spielen.

Die Berechnung verdeutlicht dennoch, wie groß der staatlich beziehungsweise gesetzlich bedingte Anteil am heutigen Tankstellenpreis ist: Bei Super E10 fließt derzeit etwas mehr als die Hälfte des Preises in Steuern und Abgaben, bei Diesel sind es knapp 45 Prozent. Ohne diese Belastungen lägen beide Kraftstoffe rechnerisch deutlich unter den heutigen Preisen an der Zapfsäule.