Queere Menschen
: Mehr vom „Alten Fritz“

Der Preußenkönig wäre erzürnt über den polternden Deutschen Polizeigewerkschaftler Rainer Wendt und seine Entgleisungen zu queeren Menschen, kommentiert Franz Feyder.
Von
Franz Feyder
Stuttgart
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Chef-Gewerkschafter Rainer Wendt beim Landeskongress der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Berlin.

dpa

In meinem Staate, schrieb König Friedrich der Große, „kann jeder nach seiner Facon selig werden“. Vor 300 Jahren prägte der „Alte Fritz“ so Preußen, Deutschland: mit Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und der Schulpflicht für Jungen und Mädchen. Er gab vertriebenen und geflohenen Juden, Muslimen und Hugenotten eine Heimat. Die dankten es, indem sie wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung Preußens beitrugen. Friedrich II., sind sich Historiker einig, war mit sehr hoher Wahrscheinlich schwul. Queer, wie es neudeutsch heißt: ein Wort für Menschen, die sich nicht mit den traditionellen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität identifizieren. Hätte Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), im 18. Jahrhundert gelebt, zwischen ihm und dem „Alten Fritz“ hätte es ordentlich gekracht: Wendt spricht von queeren Menschen als einer „kleinen Minderheit“, die „uns ihre sexuelle Orientierung ständig aufdrängen“ wolle, die Regenbogenflagge sei ein „Symbol des Kniefalls vor einer Laune des Zeitgeistes“. Die Regenbogenfahne steht mittlerweile für deutlich mehr als queere Menschen allein. Sie steht für Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz.

Auch deshalb ist die Interpretation des 2017 pensionierten Polizisten Wendt eng geführt und ideologisch aufgemotzt: Das Bundesverfassungsgericht, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und deutsche Gerichte spannen – im Gegensatz zu Wendt - einen breiten Schutzrahmen für Minderheiten. Ihn zu verteidigen ist vornehmste Pflicht von Polizistinnen und Polizisten, von denen selbst ungezählte queer sind.

Das wirft die Frage auf: Wie treu steht Wendt zum Rechtsstaat und zur Verfassung? Denn Deutschland braucht sicher weniger Wendt, dafür mehr Friedrich der Große.

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