Porträt von Asma al Assad
: Die Rose der Wüste ist verschwunden

Einst galt sie als Prinzessin Diana des Orients, heute hat sich Asma al Assad aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Doch wie lebt es sich als Ehefrau eines Despoten?
Von
Martin Gehlen
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Das Ehepaar Assad beim umstrittenen Referendum zur Verfassungsreform

dapd

Damaskus - Heute klingen die Komplimente wie aus einer anderen Welt. „Paris Match“ umschmeichelte sie einst als „Königin Diana des Orients“, für die Modezeitschrift „Elle“ überstrahlte ihr Chic sogar die Präsidentengattinnen Michele Obama und Carla Bruni. Wo immer die syrische First Lady vor dem Ausbruch des Volksaufstands in ihrer Heimat auftrat, verbreitete sie Glanz und Eleganz, die so gar nicht zu dem verschrobenen und grauen Image ihres Landes passen wollten. Ein Jahrzehnt lang war Asma al-Assad, die seit Dezember 2000 mit Staatschef Baschar al-Assad verheiratet ist, die charmante Sympathieträgerin Syriens. Zur „Rose in der Wüste“, kürte sie das Lifestyle-Magazin „Vogue“. Die drei Kinder fuhr sie angeblich selbst zum Kindergarten und zur Schule. Besucher lud sie gerne in der Altstadt ins Café ein – ohne Leibwächter und großes Aufsehen.

Von dieser Herrscherhaus-Idylle ist nichts mehr übrig. Seit zehn Monaten kämpfen Hunderttausende Syrer gegen das Regime ihres Mannes. Mehr als 7000 Menschen sind bisher gestorben, darunter 400 Kinder. Homs, aus der Asmas sunnitische Verwandtschaft stammt, ist eine Hochburg der Aufständischen. Ganze Stadtteile liegen in Trümmern, die Armee massakriert systematisch die Bewohner mit Artillerie und Panzern. Geboren wurde Asma allerdings 1975 nicht in Syrien, sondern in London als Tochter einer Diplomatin und eines Herzchirurgen.

Sie war Investmentbankerin der Deutschen Bank in London

In ihrer Jugend kannte sie Homs nur von gelegentlichen Ferienbesuchen. An der Themse führte sie das Leben eines assimilierten Immigrantenkindes aus gutem Hause. Das Studium am King’s College schloss sie mit besten Noten ab, machte Diplome in Informatik und Französischer Literatur. Sechs Monate reiste sie durch Europa und Fernost, bevor sie als Investmentbankerin bei der Deutschen Bank in London anheuerte. Später arbeitete sie bei J. P. Morgan in Paris und an der Wall Street. Ihre Zulassung zur Harvard Business School hatte die damals 25-Jährige gerade in der Tasche, da kam Baschars Aufstieg ins Präsidentenamt. Wie das Paar sich kennenlernte und ob es eine Liebesheirat war, da gehen die Angaben auseinander. Die französische Zeitung „Le Monde“ will wissen, dass sie sich bereits 1992 auf einem Cocktailempfang begegnet sind. Asma selbst sagte in einem Interview, sie und ihr zehn Jahre älterer Mann hätten sich ein Jahr vor der Hochzeit, also Ende 1999, ineinander verliebt. Andere behaupten, die Verbindung sei erst nach dem Amtsantritt Baschars im Juli 2000 in traditioneller Weise von beiden Familien arrangiert worden.

Sie soll versucht haben, mit den Kindern zu flüchten

Seit Beginn des blutigen Aufstands im letzten März wurde sie nur noch zweimal gesehen. Vor Wochen, als ihr Mann auf dem Omayyaden-Platz in Damaskus erschien und vor Tausenden jubelnder Regimeanhänger versicherte, man werde alle Verschwörungen gegen Syrien „ohne jeden Zweifel“ niederringen. Und beim Verfassungsreferendum am Sonntag, als sie an der Seite des Präsidenten zur Wahlurne schritt. In der Zwischenzeit soll sie versucht haben, mit ihren Kindern, der Mutter Assads und einem Cousin des Präsidenten, aus dem Land zu fliehen. Nach Angaben der syrischen Opposition wurde der Konvoi auf dem Weg zum Flughafen von Bewaffneten einer übergelaufenen Geheimdiensteinheit zum Anhalten gezwungen. Mit Mühe und Not gelang es ihren Leibwächtern, die gepanzerten Fahrzeuge zu wenden und zurück in den Präsidentenpalast zu dirigieren.

Auch andere Mitglieder der Oberschicht sollen nach Erkenntnissen der US-Regierung konkrete Pläne zur Flucht schmieden. Asma al-Assad hat sich seitdem einmal per E-Mail aus ihrer Palastfestung gemeldet. „Der Präsident ist der Präsident von ganz Syrien, nicht von Teilen Syriens. Und ich unterstütze ihn in dieser Rolle“, schrieb sie an die britische Zeitung „Times“. Ansonsten habe sie „einen sehr anstrengenden Terminkalender und tröste die Familien von Opfern der Gewalt“.

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.