Potenzieller zweiter Lungenpest-Fall: Wird etwas verborgen? Moskau gerät unter Druck und wiegelt ab

Kleiner Erreger, große Wirkung: Yersinia-pestis-Bakterium unter dem Elektronenmikroskop.
Imago/World History Archive- Russland steht nach Berichten über möglichen zweiten Lungenpest-Fall unter Druck.
- WHO, USA und EU fordern Transparenz – Moskau verweist auf Rospotrebnadsor.
- Russland meldet keine epidemischen Risiken, fast 5000 Tests ergaben keine Erreger.
- In Irkutsk starb eine 28-jährige Laborantin, vermutlich nach Glasbruch infiziert.
- Mongolei verschärft Grenzüberwachung, WHO stuft Gefahr als moderat bis niedrig ein.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach Berichten über einen möglicherweise zweiten Lungenpest-Fall in Sibirien gerät Russland verstärkt unter Druck. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte am Mittwoch (7. Oktober) die Führung in Moskau auf, „Licht in die Medienberichte über einen zweiten Mitarbeiter zu bringen, der an einer Lungenentzündung ungeklärter Ursache erkrankt ist“. Auch die USA und die EU drängten auf Aufklärung. Die russische Gesundheitsbehörde erklärte, es gebe „keinerlei epidemische Risiken“.
Nachbarland Mongolei verstärkt Überwachung
Ungeachtet der Versicherungen aus dem Nachbarland verstärkte die Mongolei die Überwachung an der Grenze zu Russland. „Obwohl das Risiko gering ist, hat das Gesundheitsministerium die zuständigen Stellen angewiesen, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen sowie eine kontinuierliche Überwachung und Nachverfolgung sicherzustellen, um potenziellen Risiken vorzubeugen“, erklärte die Regierung. „An der Grenze werden Maßnahmen zur gesundheitlichen Überwachung und Nachverfolgung umgesetzt“, der Betrieb laufe derweil „normal weiter“.
Russischen Medien zufolge war in der vergangenen Woche eine 28 Jahre alte Laborarbeiterin eines Forschungszentrums zur Pestbekämpfung in Irkutsk in Sibirien an der Lungenpest gestorben. Sie soll sich durch ein zerbrochenes Reagenzglas infiziert haben.
Der Nachrichtenwebsite „Menschen des Baikal“ zufolge wurden rund 200 Kontaktpersonen der Laborantin unter Quarantäne gestellt und 5000 Tests durchgeführt. Nun gab es Berichte über einen zweiten möglichen Pest-Fall.
Moskau dementiert „Falschinformationen“
Die Medien würden „vieles berichten“, sagte am Mittwoch (7. Oktober) Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. „Der überwiegende Teil dessen, was die Medien in diesem Zusammenhang berichten, sind Falschinformationen.“ Er rief dazu auf, sich ausschließlich auf die Angaben der staatlichen russischen Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor zu verlassen.
Rospotrebnadsor erklärte ihrerseits, dass „keinerlei epidemische Risiken“ bestehen. „Mehr als 90 Prozent der Kontaktpersonen haben die medizinische Überwachung abgeschlossen. Es wurden keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit einer Infektionskrankheit festgestellt.“
Zuvor hatten die WHO, die USA und die EU auf Transparenz gedrungen. „Ein zeitnaher, vollständiger und transparenter Informationsaustausch im Rahmen der internationalen Gesundheitsvorschriften ist unerlässlich, um widersprüchliche Berichte zu klären und eine genaue Einschätzung potenzieller Risiken für die öffentliche Gesundheit zu ermöglichen“, erklärte WHO-Chef Tedros.
US-Regierung fordert Transparenz
In Washington sagte ein Sprecher des Außenministeriums: „Wir haben die russische Regierung offiziell um weitere Informationen gebeten.“ US-Präsident Donald Trump kündigte ein Telefonat mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin über das Thema an. Dieses solle „sehr bald“ stattfinden.
Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ übermittelte das US-Außenministerium Russland eine vertrauliche diplomatische Mitteilung - eine sogenannte Demarche. Darin wurde Moskau gewarnt, dass das Verschweigen von Einzelheiten seinen internationalen Verpflichtungen im Gesundheitsbereich zuwiderlaufe. Allerdings sagte Kreml-Sprecher Peskow, dass er keine Kenntnis über eine US-Forderung nach Aufklärung habe. Sein Land habe die WHO informiert.
WHO stuft Gefahr als moderat ein
Die EU-Kommission rief nach Angaben einer Sprecherin Russland auf, „zeitnah transparente Berichte über den Vorfall in einem Labor in Sibirien vorzulegen“. Sie forderte „verlässliche epidemiologische und mikrobiologische Erkenntnisse“. Die WHO hat die Pest-Gefahr in Irkutsk bisher als moderat bis niedrig eingestuft, allerdings nur „auf Basis der verfügbaren Informationen“ von den russischen Behörden.
Die Pest ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht wird. Lungenpest ist die schwerwiegendste Form der Pest. Sie kann in Form kleiner Tröpfchen in der Luft von Mensch zu Mensch übertragen werden (primäre Lungenpest) oder als Folge von Beulenpest (sekundäre Lungenpest) entstehen.
Die Pest kommt heute noch in bestimmten Gebieten Afrikas, Asiens und Amerikas vor. Bei umgehender Behandlung mit Antibiotika ist die Erkrankung heilbar. (mit AFP/dpa)
