Schiitische Miliz im Jemen
: Huthi erobern strategisch wichtige Insel in Meerenge Bab al-Mandab

Die mit dem Iran verbündeten Rebellen erhalten weitreichenden Zugriff auf eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Der Druck auf den Welthandel dürfte damit weiter steigen.
Von
Markus Brauer
Aden/Mokka
Jetzt in der App anhören
Dieses Satellitenfoto von Planet Labs PBC via AP zeigt eine Landebahn auf der Insel Majun, auch bekannt als Perim Island, in der Straße von Bab al-Mandab vor Jemen.

Dieses Satellitenfoto von Planet Labs PBC via AP zeigt eine Landebahn auf der Insel Majun, auch bekannt als Perim Island, in der Straße von Bab al-Mandab vor Jemen.

Planet Labs PBC/Planet Labs PBC/AP/dpa
  • Huthi erobern die Insel Majun in der Meerenge Bab al-Mandab und sichern eine Schlüsselposition.
  • Die Meerenge verbindet Golf von Aden und Rotes Meer – Teil der Route über Suez nach Asien.
  • Mit Majun und Mokka kontrollieren die Huthi die jemenitische Rotmeerküste noch umfassender.
  • Der Welthandel gerät stärker unter Druck, da Angriffe und Störungen wahrscheinlicher sind.
  • USA und EU schützen Handelsschiffe, während Saudi-Arabien die Regierung und Luftangriffe unterstützt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die mit dem Iran verbündeten schiitischen Huthi-Rebellen haben jemenitischen Regierungsquellen zufolge eine strategisch gelegene Insel in der Meerenge Bab al-Mandab erobert.

Die Insel Majun (oder Perim) liegt am südlichen Ende der Meerenge, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet. Beide sind Teil einer Schifffahrtsroute, die vom Mittelmeer über den Suezkanal bis in den Indischen Ozean führt und somit den kürzesten Schifffahrtsweg zwischen Europa und Asien darstellt.

Erst kürzlich hatten die Rebellen auch die Hafenstadt Mokka eingenommen. Mit den jüngsten Vorstößen kontrollieren die Huthi nun die gesamte Küste des Roten Meeres im Jemen. Der für den Welthandel enorm wichtige Schifffahrtsweg dürfte damit noch stärker bedroht werden als bisher.

Von ihren neu gewonnen Positionen aus können die Huthi Handels- und andere Schiffe im Roten Meer noch gezielter angreifen oder stören als zuvor. Die Huthi hatten dort in den vergangenen Jahren mehrfach Schiffe angegriffen und teils versenkt oder diese gekapert.

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.
 Eine schwimmende Baggerplattform und Handelsschiffe liegen im Dunst in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas, Iran, vor Anker.

Eine schwimmende Baggerplattform und Handelsschiffe liegen im Dunst in der Straße von Hormus vor Bandar Abbas, Iran, vor Anker.

Vahid Salemi/AP/dpa

Huthi gehören zu Teherans „Achse des Widerstands“

Im Jemen war zuletzt ein seit Jahren andauernder Konflikt erneut aufgeflammt. Die Huthi kämpfen gegen die international anerkannte Regierung und deren Verbündete. Sie gehören zur sogenannten iranischen „Achse des Widerstands“, einem regionalen Netzwerk aus vom Iran unterstützten Milizen. Teheran unterstützt die Huthi ähnlich wie die Hisbollah im Libanon mit Waffen, Technologie, Fachwissen und finanziell.

Auf der anderen Seite stehen die jemenitische Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, sowie regierungstreue Kräfte. So sind beispielsweise die sogenannten Nationalen Widerstandskräfte strategische Partner der Regierung geworden im Kampf gegen die Huthi, gegen die das saudisch angeführte Bündnis auch Luftangriffe fliegt.

Seit Ausbruch des Iran-Kriegs wird die Meerenge Bab al-Mandab als alternative Handelsroute genutzt, um Ausfälle durch die Straße von Hormus etwas zu kompensieren.

Huthi-Rebellen im Jemen

Huthi-Rebellen im Jemen

Uncredited/Ansar Allah Media Office via AP/dpa

Internationaler Schiffsverkehr dürfte beeinträchtigt werden

Die Meerenge ist an der schmalsten Stelle etwa 20 Kilometer breit und damit deutlich schmaler als die Straße von Hormus, die etwa 50 Kilometer breit ist. Die stärkere Kontrolle des Zugangs zu Bab al-Mandab durch die Huthi dürfte als erheblicher Rückschlag für Saudi-Arabien und den internationalen Schiffsverkehr gewertet werden. Die USA und die EU versuchten mit Militäreinsätzen bereits, Handelsschiffe besser vor Angriffen der Miliz zu schützen.

Die Huthi hatten schon im Zuge des Gaza-Kriegs aus Solidarität mit der Hamas wiederholt Schiffe im Roten Meer angegriffen. Dadurch wurde der internationale Schiffsverkehr erheblich gestört. Nach saudisch geführten Angriffen kündigten die Huthi im Juli eine Blockade der Schifffahrt für Saudi-Arabien an. Seitdem griffen sie mehrere Schiffe an und zwangen weitere zu Kursänderungen. (mit dpa-Agenturmaterial)