über Künstliche Intelligenz
: Wir brauchen den „Kill Switch“

Bisher wird Künstliche Intelligenz praktisch ohne Regeln und Kontrolle in die Welt gebracht. Diesen Irrsinn dürfen wir nicht länger dulden, kommentiert Rainer Pörtner.
Kommentar von
Rainer Pörtner
Stuttgart
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Durst der Daten: Wenn KI auf Wasserknappheit trifft: Wachstum, Wärme und Wasser: Der Ausbau von KI-Rechenzentren stellt Betreiber vor neue Herausforderungen bei der Kühlung. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/134210 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.

Künstliche Intelligenz braucht große Rechenzentren.

Grassetto -gettyimages.com/Drees & Sommer SE/obs/dpa

Trotz des allseits vorherrschenden Pessimismus darf man festhalten: die Menschheit ist durchaus in der Lage sich zu verabreden und Maßnahmen zu ergreifen, um die eigene Vernichtung zu verhindern. Sie muss es nur wollen.

Als Mitte der 1940er Jahre die Atomwaffen in die Welt kamen, war spätestens nach den Atombomben-Abwürfe in Japan ein globales Bewusstsein vorhanden, welche Gefahr dieser neuen Technologie innewohnt. Die zentrale Frage war: Wie kann verhindert werden, dass sich diese Technologie global ausbreitet und irgendwann unfassbaren Schaden anrichtet?

1970 trat der Atomwaffensperrvertrag in Kraft, der von fast allen Staaten auf der Erde unterschrieben wurde. Er sah unter anderem regelmäßige Kontrollen von Nuklearanlagen vor. Bei allen Mängeln, die dieser Vertrag hat, unterstützte er zumindest die nukleare Enthaltsamkeit. Heute besitzen nur neun Staaten Atomwaffen. Das sind wesentlich weniger als damals befürchtet. Nie mehr seit den Atomexplosionen in Hiroshima und Nagasaki hat ein Staat diese Waffen gegen einen anderen eingesetzt.

Entwicklung neuer Biowaffen durch KI?

Die Künstliche Intelligenz ist eine neue Technologie, die in ihrem zerstörerischen Potenzial durchaus mit der Atombombe vergleichbar ist. Man muss dazu nicht gleich über die Vernichtung der gesamten Menschheit durch KI schwadronieren oder von einer Welt, in der KI-Systeme die volle Kontrolle übernehmen. Es reichen die Gefahren aus, die bereits heute im Bereich des Möglichen liegen.

Wohl keiner der KI-Erbauer wird heute ausschließen, dass mit Hilfe der KI beispielsweise ein neuer Virus entwickelt werden könnte, der als Biowaffe eingesetzt werden kann. Oder dass eine Horde wild gewordener KI-Agenten größere Teil des Internets lahmlegt – und damit für Chaos und gigantische Schäden sorgt.

Wir brauchen deshalb dringend KI-Kontrollverträge: also nationale und grenzüberschreitende Regeln, die sicherstellen, dass diese Technologie unter Kontrolle bleibt. KI-Modelle müssen staatlich überprüft und genehmigt werden, bevor sie auf die Menschheit losgelassen werden. Dies ist, man kann es kaum fassen, heute nicht der Fall.

Donald Trump redet Unsinn

Die KI-Labore müssen von unabhängigen Inspektoren kontrolliert werden. Es braucht eine Berichtspflicht bei Störfällen. Die KI-Firmen müssen für die Folgen des Einsatzes ihrer KI-Systeme haften. Und wir benötigen für jedes dieser Systeme einen „Kill Switch“ – also eine Möglichkeit zur Abschaltung im Notfall.

Im Moment fehlt es an fast allem, was für einen solchen KI-Sperrvertrag notwendig wäre: die technischen Fähigkeiten zur Kontrolle ebenso wie der politische Wille. Ausgerechnet der Präsident der führenden KI-Macht USA, Donald Trump, hält die Forderungen nach KI-Kontrolle für „eine Verschwörung“, einen riesigen „Schwindel“.

Auf Einsicht bei Trump zu hoffen, dass er Unsinn redet, ist sinnlos. Helfen kann nur, dass sich alle Einsichtigen trotzdem zusammenschließen und an einem solchen KI-Vertrag arbeiten. Der Atomwaffensperrvertrag hat gezeigt, dass manchmal auch das scheinbar Unmögliche möglich wird. Es müssen nur genug wollen.