Vorläufige Ergebnisse
: Wer hat die Wahl in Israel gewonnen?

Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich ein Erfolg der Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ab.
Von
Lukas Böhl
Tel Aviv
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Parlamentswahl in Israel: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu spricht nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der Wählerbefragungen bei den Parlamentswahlen in Israel vor Anhängern im Hauptquartier der Likud-Partei in Jerusalem. (zu dpa: «Netanjahu baut bei Wahl Vorsprung aus - aber ohne Mehrheit»)

Parlamentswahl in Israel: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu spricht nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der Wählerbefragungen bei den Parlamentswahlen in Israel vor Anhängern im Hauptquartier der Likud-Partei in Jerusalem.

Olivier Fitoussi/dpa

Bei der Parlamentswahl in Israel am 27. Oktober 2026 hat bislang kein politisches Lager eine eindeutige Mehrheit gewonnen. Nach den ersten offiziellen Teilergebnissen liegt die Likud-Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorne. Sein Bündnis kommt nach dem bisherigen Auszählungsstand allerdings nicht auf die erforderlichen 61 der insgesamt 120 Sitze in der Knesset.

Auch das Oppositionslager um den früheren Generalstabschef Gadi Eisenkot, der mit seiner Mitte-Partei Yashar angetreten ist, verfehlt bislang die absolute Mehrheit. Damit ist weiter unklar, wer die nächste israelische Regierung bilden kann.

Netanjahus Likud liegt vorne

In der Wahlnacht hatte es zunächst nach einem knappen Vorsprung der Opposition ausgesehen. Die Nachwahlbefragungen der großen israelischen Fernsehsender sahen das Lager um Eisenkot zeitweise vor den Parteien, die Netanjahu unterstützen.

Mit Beginn der offiziellen Auszählung verschob sich das Bild jedoch. Die ersten Teilergebnisse der israelischen Zentralen Wahlkommission zeigten eine deutliche Führung des Netanjahu-Lagers. Zwischenzeitlich erreichte es rechnerisch sogar eine Mehrheit. Mit fortschreitender Auszählung schmolz dieser Vorsprung jedoch wieder.

Nach Angaben der Nachrichtenplattform The Times of Israel lag das Netanjahu-Lager bei einem Auszählungsstand von 32,5 Prozent der Wahlurnen bei 59 Mandaten. Das gegnerische Lager kam auf 46 Sitze. Die übrigen Mandate entfielen auf arabisch geprägte Parteien, die keinem der beiden großen politischen Blöcke fest zugeordnet werden.

Die Zahlen sind vorläufig. Gerade bei einer knappen Wahl können sich die Sitzverhältnisse im weiteren Verlauf noch erheblich verändern.

Arabische Parteien könnten entscheidend werden

Eine wichtige Rolle bei der Regierungsbildung könnten die arabischen Parteien spielen. Sie erzielten den Nachwahlbefragungen zufolge deutliche Zugewinne. Einige Prognosen sahen sie zusammen bei bis zu 18 Mandaten.

Damit könnten sie für eine Mehrheit im Parlament entscheidend werden. Allerdings ist eine Zusammenarbeit mit ihnen politisch umstritten. Netanjahu lehnt eine Regierung ab, die auf die Unterstützung arabischer Parteien angewiesen ist. Auch innerhalb des Oppositionslagers gibt es unterschiedliche Positionen dazu.

Selbst wenn Eisenkots Bündnis am Ende mehr Mandate als das Netanjahu-Lager erhalten sollte, wäre ein Regierungswechsel deshalb keineswegs garantiert.

Besonders hohe Wahlbeteiligung

Die Parlamentswahl war von einer ungewöhnlich hohen Beteiligung geprägt. Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission lag diese zum Schließen der Wahllokale bei 77,7 Prozent. Das war der höchste Wert zu diesem Zeitpunkt seit 1999.

Auch die Beteiligung arabischer Israelis fiel besonders hoch aus. Die starke Mobilisierung könnte die politischen Kräfteverhältnisse verändern.

Im Wahlkampf standen neben der Sicherheitslage und den Folgen des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 auch die Zukunft des israelischen Justizsystems, der Wehrdienst ultraorthodoxer Männer und die politische Verantwortung Netanjahus im Mittelpunkt.

Wann steht das endgültige Wahlergebnis fest?

Die Auszählung dürfte noch bis Donnerstag, den 29. Oktober, oder Freitag, den 30. Oktober, dauern. Besonders aufwendig ist die Überprüfung der sogenannten Doppelumschlag-Stimmzettel. Dazu gehören unter anderem die Stimmen von Soldaten, Diplomaten und Menschen, die außerhalb ihres regulären Wahllokals abgestimmt haben.

Die israelische Zentrale Wahlkommission muss das offizielle Endergebnis spätestens am 4. November 2026 veröffentlichen.

Doch selbst danach ist noch nicht sicher, wer Israel künftig regieren wird. Sollte kein politisches Lager eine eigene Mehrheit erreichen, könnten schwierige Koalitionsverhandlungen folgen.