Wahl in Frankreich
: Linkes Bündnis bei Parlamentswahl in Frankreich überraschend vorn

Das links-grüne Bündnis liegt bei der Parlamentswahl in Frankreich nach ersten Prognosen überraschend vorn. Die Neue Volksfront kommt demnach auf 172 bis 215 von 577 Sitzen.
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red/AFP
Stuttgart
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  • Jean-Luc Mélenchon der frühere Parteichef der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI) bejubelte die ersten Prognosen.

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  • Rund um den Pariser Place de la Republique kam es zu Zusammenstößen von Demonstranten und Polizei.

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  • Die Feuerwehr musste Brände löschen.

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  • Zuvor hatten viele Ladenbesitzer in Frankreichs Hauptstadt - in Erwartung der Ausschreitungen - Fenster mit Holzplatten gesichert.

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  • Tausende Menschen feierten das überraschend gute Ergebnis des Linksbündnisses.

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  • Während die Feiern - wie hier in Nantes - im ganzen Land überwiegend friedlich blieben,...

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  • ... kam es besonders in Paris zu kleineren Zusammenstößen von Protestierenden und der Polizei.

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  • Es wurden bengalische Feuer und Molotowcocktails gezündet.

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  • Die Polizei hatte für den Wahltag 30.000 Beamte mobilisiert. Allein 5000 davon in Paris und dessen Vororten.

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  • Weitere Bilder von den Ausschreitungen und Feiern anlässlich der Wahl in Frankreich

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    dpa/Laurent Cipriani
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Sensationelle Wende bei der Parlamentswahl in Frankreich: Das links-grüne Bündnis liegt ersten Prognosen vom Sonntagabend zufolge überraschend vorn. Die Neue Volksfront kommt demnach auf 172 bis 215 von 577 Sitzen. Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen, die auf eine absolute Mehrheit gehofft hatte, würde demnach mit 115 bis 155 Sitzen auf den dritten Platz abrutschen - noch hinter dem Regierungslager von Präsident Emmanuel Macron mit 150 bis 180 Sitzen.

Keiner der drei Blöcke käme demnach auf eine absolute Mehrheit. Das links-grüne Bündnis und das Mitte-Lager von Macron hatten in mehr als 200 Wahlbezirken in der Stichwahl ihren Kandidaten jeweils zurückgezogen, um den Durchmarsch der Rechtspopulisten gemeinsam zu verhindern. Diese Strategie ging nun offensichtlich auf.

Frankreich muss sich nun aber auf eine Zeit der politischen Instabilität einstellen: Die drei großen Blöcke in der Nationalversammlung könnten sich gegenseitig blockieren, die Regierung lähmen und das Land in eine politische Krise stürzen. Das links-grüne Bündnis ist auch intern alles andere als auf einer Linie und auch keineswegs mit Macron verbündet - im Gegenteil.

Blockieren die drei starken Kräfte sich gegenseitig?

Der frühere Parteichef der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI), die ein wichtiger Teil des Linksbündnisses ist, Jean-Luc Mélenchon, erhob noch am Sonntagabend Anspruch auf die Regierungsbildung. „Die Neue Volksfront ist bereit zum Regieren“, sagte er. Mélenchon forderte den Rücktritt von Premierminister Gabriel Attal. „Wir haben gewonnen“, skandierten die Unterstützer des links-grünen Bündnisses.

Sozialisten-Chef Olivier Faure sprach sich ausdrücklich gegen eine mögliche „Koalition“ mit dem Regierungslager aus. „Die Neue Volksfront muss diese neue Seite unserer Geschichte in die Hand nehmen“, sagte Faure. Das Bündnis habe eine „immense Verantwortung“. Faure betonte, dass die Rentenreform, die das Rentenalter auf 64 Jahre angehoben hatte, abgeschafft werden solle. „Es ist an der Zeit, die Superreichen und die Supergewinne zu besteuern“, erklärte er.

Kein gemeinsamer Kandidat für Amt des Premierministers

Die linken Parteien, darunter auch die Sozialisten, Kommunisten und die Grünen, hatten vor der ersten Runde der Parlamentswahl trotz vieler Differenzen überraschend ein Bündnis geschmiedet. Auf einen gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Premierministers konnten sie sich aber nicht einigen.

Es wäre möglich, dass Premierminister Attal nun seinen Rücktritt einreicht, da das Mitte-Regierungslager nach den Prognosen seine relative Mehrheit verloren hat. Präsident Macron könnte Attals Rücktritt annehmen, das Kabinett aber als geschäftsführende Regierung vorläufig im Amt belassen, zumindest bis nach den Olympischen Spielen in Frankreich, die am 11. August enden.

Regierungslager will abwarten

Aus dem Regierungslager kamen bereits Absagen an einen Premierminister der Linken: Niemand könne vorerst sagen, dass er gewonnen hat, betonte Innenminister Gérald Darmanin - „vor allem nicht Monsieur Mélenchon“. Macron will vorerst keine Entscheidungen treffen und die Zusammensetzung der neuen Nationalversammlung abwarten, wie es aus dem Elysée-Palast hieß.

Nach den Umfragen in den Tagen vor der Wahl war der rechtspopulistische RN als Favorit gesehen worden, es war auch nicht ausgeschlossen worden, dass er die absolute Mehrheit von 289 der 577 Sitze in der Nationalversammlung würde erreichen können. Nach dem guten Abschneiden bei der Europawahl hatten die Rechtspopulisten auch die erste Runde der Parlamentswahl gewonnen: Sie hatten 33 Prozent der Stimmen geholt, das links-grüne Wahlbündnis lag mit 28 Prozent auf dem zweiten Platz, gefolgt vom Regierungslager mit rund 20 Prozent.

RN-Chef spricht von „Bündnis der Schande“

Daraufhin war gemutmaßt worden, dass Macron womöglich sogar RN-Chef Jordan Bardella zum Regierungschef ernennen müsse. Macron hatte die Neuwahl überraschend nach dem RN-Triumph bei der Europawahl ausgerufen. Bardella zeigte sich nun erbost: Er prangerte mit Blick auf das Linksbündnis und das Regierungslager ein „Bündnis der Schande“ an, das die Franzosen einer „Politik des Aufschwungs“ beraubt habe. Der RN sei mehr denn je die „einzige Alternative“.

Die politische Polarisierung in Frankreich führte auf jeden Fall zu einer ungewöhnlich hohen Wahlbeteiligung: Bis um 17.00 Uhr gaben 59,7 Prozent der Wähler ihre Stimme ab, das war der höchste Wert seit 1981, wie das Innenministerium mitteilte. Die Gesamtbeteiligung dürfte am Ende nach Prognosen mehrerer Institute bei rund 67 Prozent liegen, das wäre die höchste Zahl seit 1997.

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