Wenn Trump diese Drohung wahr macht: Diesel könnte um bis zu 25 % teurer werden

Trump hat der EU mit einem Exportstopp auf Diesel gedroht.
Manuel Balce Ceneta/AP/dpaNach Reuters-Angaben verlangen die USA von der EU, innerhalb von sechs Monaten insgesamt 120 Millionen Barrel Diesel aus den Notfallreserven auf den Markt zu bringen. Besonders Deutschland und Frankreich stehen dabei im Fokus. Mit der zusätzlichen Menge soll das weltweite Angebot steigen und der Preisdruck nachlassen.
Sollte Europa dem nicht ausreichend nachkommen, könnten die USA ihre Diesel-Ausfuhren beschränken oder stoppen. Das wäre für Europa problematisch, denn die Vereinigten Staaten gehören zu den wichtigsten Lieferanten des Kontinents. Europa ist seit dem Wegfall russischer Lieferungen stärker auf Dieselimporte aus anderen Regionen angewiesen.
Dieselpreis könnte kräftig steigen
Welche Folgen ein Exportstopp haben könnte, zeigt eine Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er hält in diesem Fall einen Anstieg der Dieselpreise um 20 bis 25 Prozent für möglich. Als Grund nennt er neben dem knapperen Angebot auch die bevorstehende Heizsaison: Heizöl und Diesel sind eng verwandte Produkte und konkurrieren teilweise um dieselben Raffineriekapazitäten.
Auch die Commerzbank verweist auf die Erfahrungen mit Russland. Nachdem Moskau im Juli Dieselausfuhren verboten hatte, verteuerte sich Diesel auf dem Weltmarkt deutlich stärker als Rohöl. Da die Versorgungslage inzwischen noch angespannter ist, hält die Bank bei einem US-Exportstopp einen Preissprung von 20 bis 25 Prozent für denkbar.
Andere Berechnungen fallen zunächst weniger drastisch aus. Goldman Sachs schätzt, dass ein vollständiges US-Exportverbot die europäischen Großhandelspreise anfangs um rund zwei Prozent pro Woche erhöhen könnte. Eine Freigabe europäischer Dieselreserven könnte etwa die Hälfte dieses Effekts auffangen. Je länger ein Exportstopp dauert, desto größer wären allerdings die Verwerfungen am Markt.
Nicht nur Autofahrer wären betroffen
Ein kräftiger Dieselpreisanstieg würde sich nicht nur an der Tankstelle bemerkbar machen. Diesel wird vor allem im Güterverkehr, in der Landwirtschaft und bei Baumaschinen eingesetzt. Höhere Kraftstoffkosten verteuern damit auch Transporte und zahlreiche Waren.
Krämer schätzt, dass ein entsprechender Preisschub beim Diesel die Inflation im Euroraum um etwa einen halben Prozentpunkt erhöhen könnte.
Noch ist allerdings offen, ob Trump die Drohung tatsächlich umsetzt. Ein Exportstopp könnte auch der amerikanischen Ölindustrie schaden: Können Raffinerien ihren Diesel nicht mehr auf dem Weltmarkt verkaufen, sinken ihre Margen. Im schlimmsten Fall könnten sie ihre Produktion drosseln – wodurch in den USA wiederum Benzin und andere Kraftstoffe knapper und teurer würden.
